Main-Tauber

Abfallwirtschaft Ab dem Jahr 2020 wird der Kauf von Gebührenmarken vom Gebührenbescheid abgelöst / Tonne wird per Transponder erfasst

Die graue Tonne geht ins digitale Zeitalter

Archivartikel

Erneut wird es eine Änderung beim Thema Müllentsorgung geben. Wie der Kreistag einhellig beschloss, lösen Gebührenbescheide den Marken- und Banderolenverkauf ab 2020 ab.

Main-Tauber-Kreis. „Ident-System“ heißt die neue Technik, die ab 2020 im Main-Tauber-Kreis bei der Gebührenerhebung für Restmüll Einzug halten wird. Das System, bei dem die grauen Tonnen mit einem wetterfesten Transponder ausgestattet werden, ermöglicht, die Abfallbehälter einem Grundstück zuzuordnen. Wer seine Tonne nicht bezahlt, bekommt sie künftig nicht geleert. Nur muss kein Kontrolleur mehr schauen, ob eine Marke aufgeklebt ist. Ein Identifizierungssystem am Müllwagen erkennt das automatisch. Die graue Tonne macht sich quasi auf den Weg ins Zeitalter der Digitalisierung.

Dezernent Benjamin Schneider stellte das neue System vor, das in Baden-Württemberg bereits von 30 der 44 Stadt- und Landkreise verwendet wird. Ein Chip wird in eine bereits vorhandene Aussparung unterhalb der Deckelauflage montiert. Bei der Leerung werden die dem Haushalt zugeordnete Transpondernummer und der Leerungszeitpunkt erfasst. Behälter ohne Chip oder gesperrte Behälter werden nicht geleert.

Fahrzeug speichert Daten

Die Daten werden im Müllfahrzeug gespeichert und mittels Datenträger oder Funk an den Abfallwirtschaftsbetrieb weitergegeben. Dieser wiederum ist für die Bereitstellung der Transponder und Tonnen, Statistiken sowie die Gebührenbescheide verantwortlich. Laut AWMT-Leiter Walter Scheckenbach werden die Bescheide jeweils Anfang bis Mitte Februar versandt. Auch der Bescheid via E-Mail und die Bezahlung per Dauerauftrag sei möglich.

Ab 2020 entfällt damit der Kauf der Gebührenmarken. Zudem erhalten Bürger schneller Auskunft zur Leerung. Gekoppelt wird das System an die Einwohnermeldeämter der Gemeinden. Bei Zu- oder Wegzug erhält der Abfallwirtschaftsbetrieb diese Information, so dass passgenau abgerechnet werden kann.

Für den Landkreis entfällt mit der Systemeinführung zudem die Provision an die Gemeinden, die diese für den Müllmarkenverkauf erhält. Rund 42 000 Euro könnten nach den Berechnungen des AWMT pro Jahr eingespart werden. Dennoch gilt es zunächst in die neue Technik zu investieren. 460 000 Euro sind veranschlagt, die aus Rücklage finanziert wird.

Wilde Entsorgung bemängelt

Alfred Beetz (CDU) meinte, dass sich dieses System in ein paar Jahren amortisiere und begrüßte dessen Einführung. Rainer Moritz (Bündnis 90/Die Grünen) signalisierte Zustimmung und fragte an, inwieweit die Anzahl der Leerungen bei den Gebühren berücksichtigt werde. Diese mögliche Kopplung rief Thomas Maertens (CDU) auf den Plan. Er stellte sich klar gegen die monetäre Belohnung durch Mengeneinsparung. Als Bürgermeister wisse er, wie häufig Müll in irgendwelche kommunalen Abfalleimer gestopft oder in der Landschaft entsorgt würde, nur um ein paar Cent zu sparen. Das geschehe auch bei mit roten Punkten gekennzeichneten gelben Säcken, die nicht abgeholt worden seien. Die 50 Cent pro Einwohner und Jahr als Entschädigung für die Gemeinden seien ohnehin zu gering. Elmar Haas (Freie Wähler) unterstützte Maertens, während Josef Morschheuser anfragte, ob Müllvermeider, die alles lose kauften, durch die für alle gleich geltenden Gebühren bestraft würden.

Detektor zu scharf eingestellt

Auch die Biotonne und der Detektor wurden thematisiert. So kritisierte Alfred Beetz, dass die Detektoren zu scharf eingestellt seien. Allein eine Metallklammer an einem Teebeutel verhindere die Leerung. Manuela Zahn berichtete von einem Vorfall in einem 35 Einheiten umfassenden Wohnhaus. Dort sei der Müllcontainer nicht geleert worden. Ihr Mann habe gemeinsam mit dem Hausmeister das Sortieren übernommen. Lediglich ein Kronkorken und zwei kleine Plastikbeutel seien gefunden worden. An wen, fragte sie, könne man sich wenden, wenn so etwas passiere und niemand aus der Hausgemeinschaft die Verantwortung übernehmen wolle?

Dieser Sache, so versprach der Landrat, werde man sich annehmen.