Main-Tauber

Die Sorgen Gott anvertrauen

Am Wochenende gehen die Schulferien zu Ende und für viele auch die Urlaubszeit. Der Schulbeginn am Montag löst unterschiedliche Emotionen aus: „Endlich wieder der normale Alltag!“, freuen sich die einen.

Bei anderen geht es nicht so freudig zu. Sie blicken eher besorgt ins neue Schuljahr: „Was wird das neue Schuljahr bringen? Wird es mein Kind gut packen? Wie sind die Lehrer? Findet es gute Freunde in der neuen Schule oder Klasse?“ Viele Fragen, die Eltern und Kinder beschäftigen, können schnell zu Sorgen werden. Sorgen sind ein Teil des Lebens. Sorgen hat etwas mit Verantwortung tragen zu tun. Eltern haben das Sorgerecht und die Sorgepflicht für ihre Kinder. Fürsorge zeigt sich in der verantwortungsvollen Erziehung. Versorgen, umsorgen heißt, den anvertrauten Menschen das zu geben, was sie zum Leben brauchen. Vorsorgeuntersuchungen, Altersvorsorge und viele andere Dinge sind gebotene Formen der Sorge. Es gibt aber auch Formen der Sorge, die machen uns kaputt. Sie sind plötzlich da. Sie sind unvermeidbar. So unvermeidbar wie Müll. Der fällt an, aber er muss entsorgt werden, sonst werden wir davon krank.

Es geht beim Thema Ent-Sorgung deshalb nicht um eine Methode, das Leben etwas besser zu bewältigen. Es geht um mehr! Sorgen sind eine Macht, die uns beherrschen will: Sorgen um die Familie, die Gesundheit, den Arbeitsplatz oder die Weltpolitik. Es geht ganz entscheidend darum, wie wir mit den Sorgen unseres Lebens umgehen. Der Wochenspruch, das Bibelwort für die kommende Woche, ist eine Einladung Gottes an uns: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7)

Das ist nicht einfach ein Verdrängen der Sorgen, wie man vielleicht kritisch einwenden könnte. Denn das Fortwerfen der Sorgen, von dem Petrus spricht, hat ja ein Ziel. „Alle eure Sorgen werft auf Gott!“ Die Sorgen lösen sich dabei nicht einfach in Luft auf. Sie sind immer noch da. Aber sie lasten nicht mehr auf mir und rauben mir nicht mehr die Freude am Leben, sondern sie liegen nun auf Gott. Wenn ich meine Sorgen auf Gott werfe, dann sind es nicht mehr meine Sorgen, dann sind es Gottes Sorgen.

Im Unterschied zu uns Menschen kann Gott tatsächlich dafür sorgen. Denn ist es nicht so: Sorgen nehmen zwar unsere Kräfte, unsere Gedanken und Gefühle in Anspruch, aber eigentlich nützen sie gar nichts. Sorgen haben noch nie eine Situation verändert. Deshalb ist das Beste, was wir tun können, eben das, dass wir die Sorgen loslassen und Gott, den Herrn, für uns sorgen lassen. Und er sorgt wirklich für uns; er sorgt gut für uns. Das ist uns felsenfest zugesagt, nicht nur hier im Brief des Petrus, sondern auch an manchen anderen Stellen in der Bibel.

Sorgen loszulassen, ist sehr wohl ein Akt des Vertrauens, des Vertrauens auf Gott, aber dieses Vertrauen lohnt sich. Unser Vater im Himmel weiß, was wir nötig haben, sagte Jesus (Matthäus 6,32), auch dann, wenn wir etwas nicht verstehen können, auch dann, wenn wir tatsächlich noch unter etwas leiden, auch dann, wenn berechtigte Sorgen da wären. Aber er sorgt für uns, wenn wir uns ihm im Gebet anvertrauen und alle unsere Sorgen auf ihn werfen.Und es gilt auch am Beginn eines neuen Schuljahres oder beim Start am Arbeitsplatz nach dem Urlaub: „Alle eure Sorgen werft auf Gott; denn er sorgt für euch!“

Marianne Stapfer, Pastoraldiakonin der Liebenzeller Gemeinschaft, Bad Mergentheim