Main-Tauber

Aus der Arbeit der Flüchtlingsbeauftragten Landratsamt sieht große Aufgabe zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration von Flüchtlingen im Main-Tauber-Kreis als bislang gut bewältigt an

Doppelte Strukturen sollen vermieden werden

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Die zahlreichen Flüchtlinge in den Jahren 2015 und 2016 stellten den Main-Tauber-Kreis vor große und neue Herausforderungen. Es musste schnell gehandelt werden, um so viele Menschen adäquat unterzubringen und zu versorgen. Daneben stand der Landkreis vor der großen Aufgabe, sich der gesellschaftlichen und beruflichen Integration der Flüchtlinge anzunehmen. Initiiert von Landrat Reinhard Frank wurde Ende 2015 das Aktionsbündnis Integration mit Vertretern von integrationsverantwortlichen Institutionen geschlossen. Ziel war die Ausarbeitung eines „Masterplans Integration“. Es entstand ein Plan, wie die Integration der neuen Mitbürger gelingen kann.

Wichtiges Bindeglied

In der Landkreisverwaltung wurde, wie auch in vielen Kommunen des Kreises, unter Inanspruchnahme von Landesfördermitteln die Stelle eines Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten geschaffen. Diese ist seit September 2016 mit Michael Mohr besetzt.

Die wichtigste Aufgabe für den Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten war und ist, ein Netzwerk aufzubauen, bestehend aus den kommunalen Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten beziehungsweise kommunalen Ansprechpartnern für Flüchtlingsfragen der Städte und Gemeinden des Main-Tauber-Kreises.

Michael Mohr lädt dazu zu regelmäßigen monatlichen Austauschtreffen ein, an welchen immer wieder Vertreter unterschiedlicher Institutionen teilnehmen. Das sind beispielsweise die Sozialbetreuung des Landkreises, die Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, das Jobcenter Main-Tauber, das Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Main-Tauber, die Ausländerbehörden der Kreisverwaltung und der Großen Kreisstädte, die Migrationsberatungsstelle beim DRK-Kreisverband Tauberbischofsheim oder das Welcome Center Heilbronn-Franken.

Diese Treffen dienen neben dem konstruktiven Austausch auch der Bündelung und Beantwortung von Anfragen sowie der Weitergabe von erstellten Arbeitshilfen und aktuellen Informationen, beispielsweise zu bundes- oder landesweiten Förderprogrammen. Der Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte des Landkreises Bindeglied ist hier zwischen lokaler, regionaler und überregionaler Ebene.

An den Arbeitsmarkt heranführen

Ausreichende Deutschkenntnisse sind die wesentliche Grundvoraussetzung für eine gelingende Integration. Michael Mohr hat deshalb die Organisation von Basissprachkursen für dem Landkreis zugewiesene Flüchtlinge sowie auch für Kurse nach der Verwaltungsvorschrift „Deutsch für Flüchtlinge“ übernommen. Mit Fördermitteln des Ministeriums für Soziales und Integration sowie Eigenmitteln des Landkreises konnten bislang 66 Menschen durch Alphabetisierungs- sowie Aufbaukurse gefördert werden.

Die erste Heranführung an den Arbeitsmarkt auf sehr niedrigem Niveau ist ebenfalls ein Thema, mit dem sich der Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte befasst. Michael Mohr ist Ansprechpartner für Arbeitsgelegenheiten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und für das Arbeitsmarktprogramm Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen. Kommunen, Vereine und sonstige gemeinnützige Organisationen können bei ihm für Geflüchtete kurzzeitige Arbeitsgelegenheiten oder längerfristige Maßnahmeplätze beantragen.

„Durch diese Maßnahmen kann den Geflüchteten ein Verständnis für die deutsche Kultur, auch oder besonders die deutsche Arbeitskultur, vermittelt werden“, erklärt Michael Mohr. Dieser sehr niedrigschwellige Einsatz mit intensiver Betreuung durch die Maßnahmeträger gibt den Flüchtlingen die Möglichkeit, ihre ersten Schritte in Richtung Arbeitsmarktintegration zu gehen und soziale Kompetenzen wie Motivation, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit zu erlernen.

In Zusammenarbeit mit dem Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Main-Tauber, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit hat Michael Mohr in den Vabo-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse) an allen Berufsschulen des Landkreises das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem sowie die beruflichen und schulischen Möglichkeiten im Main-Tauber-Kreis vorgestellt. Hierdurch erhielten die jugendlichen Migranten frühzeitig Informationen über ihre Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Die berufliche und gesellschaftliche Integration der im Kreis lebenden Flüchtlinge ist mittlerweile noch stärker in den Fokus gerückt.

Regelmäßiger Austausch

Das Land hat mit dem Pakt für Integration den Kommunen in den Jahren 2017 und 2018 Fördermittel in Höhe von 320 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Kernstück dieses Förderprogramms mit 116 Millionen Euro ist die Förderung von rund 1000 Integrationsmanagern im Land. In nahezu allen Städten und Gemeinden des Kreises sind nunmehr Integrationsmanager, als Mitarbeiter der Kommunen oder der Landkreise, bemüht, die Geflüchteten mit Bleibeperspektive zwei Jahre lange vor Ort individuell dabei unterstützen, vorhandene Integrationsangebote wahrzunehmen und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.

Um auch die Integrationsmanager in das gut funktionierende Netzwerk einzubinden, ist im Frühjahr ein Austauschtreffen der kommunalen Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten beziehungsweise der kommunalen Ansprechpartner für Flüchtlingsfragen mit den neuen Integrationsmanagern geplant. Es sollen gute und verlässliche Absprachen getroffen und Doppelstrukturen vermieden werden.

Daneben werden die regelmäßigen Treffen mit den kommunalen Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten beziehungsweise den kommunalen Ansprechpartnern für Flüchtlingsfragen weitergeführt. Bereits im Januar erfolgte ein Workshop zur Beteiligung an einer Ausschreibung zum Förderprogramm „Gemeinsam in Vielfalt III“, um gemeinsam Ideen für Projekte zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zu entwickeln.

Weil mittlerweile viele Akteure in der Flüchtlingshilfe tätig sind, sammelt Michael Mohr aktuell Daten der Institutionen und Ansprechpartner im Main-Tauber-Kreis, um einen dringend notwendigen Gesamtüberblick mit Kontaktdaten und Aufgabenbereichen zu erstellen. Diese Datei soll dann auf der Homepage des Main-Tauber-Kreises zur Verfügung stehen. lra