Main-Tauber

FDP/DVP-Landtagsfraktion Stattliche Zahl an Bürgern und Kommunalpolitikern war zum Empfang in die Distelhausen gekommen / Reger Gedankenaustausch

Dringende Probleme des ländlichen Raums angesprochen

Archivartikel

Distelhausen.Mit der Hoffnung auf regen Austausch und Anregungen für die Landespolitik waren Abgeordnete und Mitarbeiter der FDP / DVP Fraktion am Mittwoch in die örtliche Brauerei nach Distelhausen angereist. Mehrmals im Jahr führt die Landtagsfraktion Besuche in bestimmte Regionen durch, nun war es der Main-Tauber-Kreis. Dabei fand vor dem Bürgerempfang eine Fraktionssitzung statt. Außerdem besuchten die Abgeordneten eine Auswahl an lokalen Schulen, Unternehmen und Vereinen.

Beim Vesper mit passendem Getränk durfte der Fraktionsvorsitzende Dr. Hans-Ulrich Rülke eine stattliche Zahl an Besuchern willkommen heißen. Neben Bürgern waren insgesamt sieben Bürgermeister aus dem gesamten Main-Tauber-Kreis angereist sowie andere politische Vertreter aus Kreisrat und Gemeinderäten.

Mit einem politischen Impuls stimmte Dr. Rülke auf den Abend ein: „Die Menschen in Baden-Württemberg haben andere Sorgen und Themen, als die, welche derzeit in der Landesregierung diskutiert werden“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Die grün-schwarze Koalition streite sich, seiner Meinung nach, seit Wochen nur um das neue Wahlrecht und darum, wer Vizepräsident des Landtags werden solle. Die Koalition drehe sich dabei nur um sich selbst und nicht um wesentliche Politik. „Wichtige Themen, welche die FDP in der Landesregierung vorantreiben will, sind Bildung, innere Sicherheit und die Verkehrspolitik“, betonte Dr. Rülke.

Im weiteren Verlauf erklärte er die drei genannten Schwerpunkte der FDP-Fraktion und beschloss seine Rede. „Eine starke Oppositionspolitik, wie die FDP sie betreibt, ist wichtig, um den Bürgern Alternativen zu zeigen und Antworten zu geben“, war der Politiker überzeugt.

Tauberbischofsheims Bürgermeister Wolfgang Vockel freute sich über den Austragungsort der Veranstaltung. „Die Distelhäuser Brauerei verkörpert als erfolgreiches mittelständisches Unternehmen das Rückgrat des Main-Tauber-Kreises“, so Vockel. Als politische Anregung an die FDP-Fraktion berichtete das Tauberbischofsheimer Stadtoberhaupt von den zentralen Herausforderungen der Kommune. Die Förderung des lokalen Städtebaus und der öffentlichen Infrastruktur legte er der Fraktion besonders ans Herz. Ein weiterer Punkt, der Vockel wichtig war, war das Thema Bildung: „Wegen dem acht- und neunjährigen Abitur gibt es hier zum Teil Verwerfungen mit Eltern. Es kommt zu einem Wanderungsverhalten der Schüler in Schulen von anderen Kommunen, die das neunjährige Abitur anbieten“, äußerte sich Vockel besorgt. Als FDP-Kreisvorsitzender freute sich Benjamin Denzer über die zahlreichen Besucher, denn ihm sei der Austausch mit Bürgern besonders wichtig. Der liberale Gedanke könne so gestärkt werden.

Nach den Grußworten begann der Schwerpunkt des Abends – der Austausch der Bürger und Kommunalpolitiker mit den FDP-Abgeordneten. Ob an Stehtischen oder sitzend in der Menge, es fand ein reger Austausch statt.

Unter den Gästen waren auch die 23-jährige Luisa Jouaux und Axel Bauer (26), beide aus Lauda. Ende April wurden sie zu den Vorsitzenden der Jungen Liberalen des Main-Tauber-Kreises gewählt. „Unsere Aufgabe besteht nun darin, das Interesse für die FDP weiter zu stärken“, erzählte Axel Bauer. „Der Altersdurchschnitt der FDP im Kreis ist sehr hoch. Wir haben uns die Aufgabe gestellt, diesen zu senken“, betonte Luisa Jouaux. Insbesondere durch die sozialen Medien knöpften sie Kontakte. Außerdem wollen sie mit den Jungen Liberalen aus anderen Kreisen eng zusammen arbeiten.

Die Frage, ob die jungen Studenten politische Vorbilder hätten, verneinten diese. Sie ziehen positive Aspekte aus verschiedenen Einstellungen und kommen so zu einem neuen politischen Bild. „Ich habe höchsten Respekt vor Christian Lindner und dessen Leistung“, sagte Fatih Icli in die Runde. Er ist Mitglied der Jungen Liberalen in Lauda und geht davon aus, dass die FDP bei den nächsten Wahlen über die Prozent-Hürde gelangt. Die Themen der FDP wie der Umgang mit Vorratsdatenspeicherung und deren Wirtschafts- und Steuerpolitik sprächen die jungen Erwachsenen besonders an.

Später am Abend gesellte sich auch Benjamin Denzer zur Runde der Jungen Liberalen hinzu und sagte ihnen seine Unterstützung zu. Im Gespräch waren neben viel Zuspruch zur FDP-Partei auch einige kritische Stimmen zu hören.

„Das Publikum hier ist nicht repräsentativ, nicht alle Bevölkerungsschichten sind hier vertreten“, äußerte sich der politikinteressierte Külsheimer Reiner Krug im Gespräch.

Er bedauere zudem das wenige politische Interesse in der Bevölkerung. „Es wird immer schwieriger, offene Diskussionen zu führen, da sich viele Menschen nicht trauen, sich in der Öffentlichkeit zu äußern“ so Krug weiter.

Der Nabu-Vorsitzende Norbert Pahl fand das Fehlen der Themen wie Landwirtschaft und Umwelt bei der Veranstaltung schade. „Leider werden bei solchen Veranstaltungen diese wichtigen Themen selten angesprochen.“ suso