Main-Tauber

Jugendhilfeausschuss Betreuung von Klein-, Kindergarten- und Schulkindern ist nach wie vor ein ganz großes Thema

Druck auf Städte und Gemeinden steigt

Archivartikel

Die Kinderzahlen steigen, die Herausforderungen für die Kommunen im Main-Tauber-Kreis, entsprechende Betreuungseinrichtungen bereit zu halten, wachsen kongruent: eine Riesenaufgabe.

Main-Tauber-Kreis. Mit ihrem Bericht zum Ausbau der Kindertagesbetreuung verabschiedete sich Angelika Hartwig vom Jugendamt der Landkreisverwaltung als Spezialistin für den Bereich Krippen- und Kindergartenbetreuung sowie Kindertagespflege vom Jugendhilfeausschuss. Denn sie geht, wie Landrat Reinhard Frank informierte, in den Ruhestand.

Versiert machte Angelika Hartwig die Ausschussmitglieder am Dienstag in der Kreisstadt ein letztes Mal mit den neuen Zahlen vertraut. Die Quintessenz ihrer Ausführungen lautete, dass die Regel- und Halbtagsbetreuung immer weniger werde, die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung stetig steige und Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten sehr gut besucht seien. Insgesamt sind zum Stichtag 31. Dezember 3613 Kinder unter drei Jahren gezahlt worden – 718 mehr als noch 2012. „Damit haben wir fast den Stand aus dem Jahr 2006 erreicht“, so Hartwig.

Unter den Mädchen und Jungen, die betreut werden müssten, befänden sich über 414 Flüchtlingskinder, davon 147 im Kindergarten- und 267 im Schulkindalter. „Das ist eine ganze Menge für die Kommunen und eine pädagogische Herausforderung für die Einrichtungen“, stellte die Fachfrau fest.

Eltern haben Wahlrecht

Sie konstatierte auch, dass die einst angenommene Betreuungsquote von 35 Prozent bei weitem nicht ausreiche. In der Realität hätten sich gut über 40 Prozent als realistisch erwiesen. Auch hier seien die Kommunen gefragt, nicht allein Betreuungsplätze anzubieten, sondern sie gemäß dem gesetzlich verankerten Wahlrecht der Eltern möglichst passgenau zu konzipieren.

Im Main-Tauber-Kreis gibt es nach wie vor 109 Kindergärten. Deren Gruppenzahl hat sich um drei auf 2019 erhöht. Für die Kleinkindbetreuung – das sind Kinder vom ersten bis zum dritten Lebensjahr – stehen 1016 Plätze zur Verfügung. Die Mehrzahl sind solche in Krippen mit verlängerten Öffnungszeiten (451 Plätze), gefolgt von Krippenplätzen mit Ganztagsbetreuung (280) und Altersmischungen im Kindergarten (275).

Bei den Quoten der Betreuungsangebote der unter Dreijährigen in den einzelnen Kommunen gibt es große Unterschiede. Nimmt Wittighausen mit 55,56 Prozent den Spitzenplatz ein, bildet Bad Mergentheim mit 25,79 Prozent das Schlusslicht.

Spitzenreiter Wittighausen bietet für 45 Kinder unter drei Jahren 25 Plätze, Bad Mergentheim für 756 unter Dreijährige 195. Wertheim rangiert mit 218 Plätzen bei 612 Kleinkindern im Mittelfeld bei einer Quote von 35,62 Prozent und Tauberbischofsheim mit 121 Plätzen bei 352 unter Dreijährigen und einer Quote von 34,38 Prozent.

Zwei liegen über 50 Prozent

Allein Igersheim erreicht nach Wittighausen einen Platz jenseits der 50 Prozent mit einer Quote von 53,85 Prozent oder 77 Plätzen bei 143 Kleinkindern. In diese Zahlen einbezogen sind auch die Plätze in der Tagespflege, die auf den Landkreis bezogen 18 Prozent oder 228 Plätze ausmachen. Die restlichen 82 Prozent mit 741 Plätzen werden von Kindertageseinrichtungen abgedeckt.

Bei der Schulkindbetreuung gab es zum Jahresende mit 2129 Plätzen 86 weniger als noch 2017. Einschließlich der Tagespflege standen für die Abc-Schützen 2214 Plätze zur Verfügung. Bei einer Quote mit 83,1 Prozent lag hier Grünsfeld vor Külsheim mit 81,17 Prozent, gefolgt von Wittighausen mit 77,5 und Ahorn mit 73,33 Prozent. Das Schlusslicht bildet Freudenberg mit 21,53 Prozent vor Igersheim mit 22,34 Prozent.

In ihrem Ausblick auf das Kindergartenjahr 2019/2020 stellte Angelika Hartwig fest: „Selbst wenn eine Quote von über 50 Prozent erreicht ist, werden immer noch neue Angebote gebraucht.“ Als künftige Planungsschwerpunkte stellte sie bei nach oben kletternden Kinderzahlen und bei steigender Nachfrage nach bedarfsgerechten Angeboten in allen Altersgruppen fest, dass es eines weiteren quantitativen Ausbaus der Angebote bedarf.

Qualitativer Ausbau

Daneben müsse auch der qualitative Ausbau im Fokus stehen. Denn die Erziehungsaufgaben in den Einrichtungen und die Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern nehmen bei immer heterogeneren Gruppenzusammensetzungen zu. Die Aufgaben in Krippen und Kindergärten reichten vom „sauber werden“ über das „Essen mit Messer und Gabel“ bis zur Fähigkeit, die Schuhe zu binden, so Hartwig.

Ein wesentlicher Aspekt, um diese Herausforderungen zu meistern, sei die Gewinnung von Fachkräften, die immer schwieriger werde. Angelika Hartwig nannte als Anreiz die vergüteten Ausbildungsplätze für Erzieherinnen und Erzieher, die Ausbildungspauschale für die praxisintegrierte Ausbildung von Erziehern (PiA) und das Bundesprogramm Fachkräfteoffensive.