Main-Tauber

„Alltag leben – Paar bleiben“ Landratsamt und Caritasverband boten Vortrag für Pflegefamilien an / Als Referentin gab Diplom-Sozialpädagogin Iris Kaspar wichtige Tipps

Feste Rituale und Abläufe helfen bei familiären Veränderungen, die Paarebene zu stärken

Archivartikel

tauberbischofsheim.Ein Vortrag für Pflegeeltern zum Thema „Alltag leben – Paar bleiben“ fand beim Caritasverband im Tauberkreis statt. Er wurde in bewährter Weise in Kooperation zwischen dem Pflegekinder- und Adoptionsdienst des Landratsamts Main-Tauber-Kreis und der Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes angeboten. Als Referentin konnte Iris Kaspar gewonnen werden. Kaspar ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) mit Zusatzqualifikationen wie Ehe-, Familien- und Lebensberaterin (BAG), Systemische Therapeutin (DGSF). Sie leitet die Abteilung Ehe-, Familien- und Lebensberatung beim Caritasverband im Tauberkreis.

Anhand vieler Beispiele zeigte Iris Kaspar Veränderungsprozesse auf, die Paarbeziehungen durchlaufen und verglich diese anhand der Ausführungen des renommierten Paartherapeuten Hans Jellouschek mit den vier Jahreszeiten. Sie benannte wesentliche Problemfelder und zeigte auf, wie der Paaralltag positiv gestaltet werden kann. Es wurde anschaulich erläutert, welche Kompetenzen dafür maßgeblich sind. Mit der sogenannten „VW-Regel“ – dem Grundsatz, dass hinter einem Vorwurf ein Wunsch stehe – machte Iris Kaspar deutlich, wie wichtig einerseits der achtsame Umgang in der Kommunikation miteinander ist, aber andererseits auch die Notwendigkeit besteht, die eigene Bedürfnisse zu kennen und achten.

Wenn ein Paar eine eigene Familie gründet, muss jedes Mitglied in dem zwischenmenschlichen System seinen Platz (neu) finden. Analog dazu gerät ein bis dahin bestehendes familiäres Gleichgewicht dann ins Wanken, wenn ein Pflegekind in ein Paar- oder Familiensystem aufgenommen wird. Neue Rollen müssen eingenommen werden, neue Aufgaben sind zu bewältigen. Manche Herausforderung lässt den Stresspegel in die Höhe schnellen. Umso wichtiger, dass bei den Pflegeeltern die Paarebene gestärkt ist und das Gefühl von gegenseitiger Unterstützung vorhanden sind.

Hierbei helfen, so zeigte Kaspar auf, auch feste Abläufe und Rituale; sie geben – wie ein Geländer – Halt und das Gefühl von Sicherheit. Sie regte an konkreten Beispielen an, wie Rituale eingeführt und beibehalten werden können. Hierbei sei auch die Partizipation der (Pflege-)Kinder sehr wichtig, was zum Beispiel laut der Eheberaterinnen des Caritasverbandes mit einer wöchentlich stattfindenden Familienkonferenz gut angewendet werden kann. Gemeinschaftserfahrungen, die von positiver Zuwendung und konstruktivem Handeln geprägt sind, seien wiederum Modell für die Entwicklung und Entfaltung der Bindungs- und Beziehungsfähigkeit der Kinder, was auch das Lernen von Streiten und Versöhnung einschließe. Gute Bindungserfahrung sei wesentlich. Die vermehrte Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin bei positivem Bindungsempfinden zum Beispiel durch zärtliche Berührung ist medizinisch nachweisbar. Der überaus interessante Vortrag zur lebendigen und tragfähigen Partnerschaft endete mit einem Austausch der Teilnehmer. „Für den Themenkomplex Bindung und Beziehung ist ein extra Vortrag im Mai vorgesehen“, erklärt Sonja Schattmann, Sachgebietsleiterin des Pflegekinder- und Adoptionsdienst des Jugendamtes. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 7. Mai, von 9 bis 11.30 Uhr ebenfalls in den Räumen des Caritasverbandes in Tauberbischofsheim statt. Anmeldungen werden im Sekretariat des Jugendamts, Telefon 09341/825484 entgegen genommen. Infos gibt es auch unter www.caritas-tbb.de.