Main-Tauber

Integratives Projekt erfolgreich gestartet Jobcenter und Integrationsnetzwerk kooperieren beim Kurs „Wohnen und Arbeiten“ für anerkannte Geflüchtete

Fit machen fürs eigenständige Wohnen

Archivartikel

Mehr und mehr Geflüchtete verließen in den vergangenen Monaten und Jahren die Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises und bezogen in den Kommunen ihre erste Wohnung.

Main-Tauber-Kreis. In den regelmäßig stattfindenden Treffen der kommunalen Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten unter der Leitung von Michael Mohr, Integrationsbeauftragter des Main-Tauber-Kreises, waren in der Vergangenheit immer wieder die Themen „Wohnen, Wohnsituation und Wohnungsmarkt“ und die vielfältigen Probleme von Vermietern und der Nachbarschaft der neuen Mieter auf der Agenda.

Die Klagen reichen unter anderem vom falschen Umgang mit der Haustechnik über mangelnde Mülltrennung bis zur Nichteinhaltung der Hausordnung. Das liegt einerseits daran, dass den geflüchteten Familien und Einzelpersonen oftmals die Gepflogenheiten sowie die Normen und Regeln des Wohnens in Deutschland nicht geläufig sind. Andererseits besteht die Gefahr, dass sie aus Unkenntnis in problematische Wohnsituationen kommen können.

Vor diesem Hintergrund haben Integrationsbeauftragter Michael Mohr, die Teamleiterin für Markt und Integration beim Jobcenter Main-Tauber, Christine Rackl, sowie das Integrationsnetzwerk Hohenlohe/Main-Tauber, vertreten durch Karin Aeckerle und Julian Wegmann, ein Konzept entwickelt, welches die Betroffenen präventiv für die neuen Wohnanforderungen sensibilisieren soll.

Dazu werden die anerkannten Geflüchteten im Leistungsbezug des Jobcenters Main-Tauber in Kleingruppen zwischen fünf und acht Personen zu einem einwöchigen Kurs „Wohnen & Arbeiten im Main-Tauber-Kreis“ verpflichtend eingeladen. Die Schulung besteht aus drei Bausteinen: Im Themenfeld „Wohnen“ werden unter anderem die Rechte und Pflichten des Mieters, die richtige Mülltrennung, Einsparpotenziale bei den Nebenkosten und vieles mehr bearbeitet. Der Bereich „Arbeiten“ behandelt neben dem deutschen Arbeitsrecht, also beispielsweise Fragen zu Urlaubsansprüchen oder was im Krankheitsfall zu tun ist, auch die Erläuterung einer Verdienstabrechnung. Den dritten Baustein stellt die Vermittlung jobcenterspezifischer Inhalte dar.

Als besondere Unterstützung erhalten alle Teilnehmende zu Kursbeginn ein Thermometer mit Feuchtigkeitsanzeige. So kann gleich in der Praxis umgesetzt werden, was beim Thema „Lüften“ gelernt wurde. Am Ende des Kurses erhalten die Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung, wodurch die Chancen erhöht werden sollen, auf dem freien Wohnungsmarkt leichter eine passende Wohnung zu finden. Die Vermittlung der wohnungsspezifischen und arbeitsrechtlichen Themen erfolgt durch Silke Timm vom INW – Teilprojekt Kolping Bildung und Soziales gGmbH. Nicole Bethäuser, Arbeitsvermittlerin des Jobcenters Main-Tauber, übernimmt Inhalte mit Jobcenterbezug. Die beiden Dozentinnen sind begeistert von ihren Teilnehmern der ersten fünf Kursdurchgänge und ziehen Bilanz: „Die Menschen sind sehr höflich, offen für Neues und konzentriert bei der Sache.“ Das Projekt „Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Main-Tauber“ wird im Rahmen der ESF-Integrationsrichtlinie Bund „Integration von Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Flüchtlingen (IvAF)“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Die Stelle des Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten wird aus Mitteln des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg gefördert.