Main-Tauber

Leserbrief Zu „Werden die Empfehlungen des Landes unterlaufen?“ (FN, 27. März)

Frage nach dem „Warum“ im System

Archivartikel

Danke den FN, dass man dieses leidige Thema aufgegriffen hat. Der Autofahrer wundert sich seit langem über den Kahlschlag entlang unserer Straßen. Das Niederwild wird immer weniger, Vögel und Bienen verschwinden. Gleichzeitig haben die „Pflegemaßnahmen“ der Straßenbauämter in den letzten zwei bis drei Jahren ein nie dagewesenes Ausmaß angenommen.

Der Main-Tauber-Kreis steht da nicht alleine, auch zum Beispiel im Neckar-Odenwald-Kreis ist man in der jüngeren Vergangenheit an vielen Stellen mit brachialer Gewalt zur Sache gegangen. Auch Forst BW ist eifrig mit von der Partie, wenn es darum geht, entlang der Forstwege sozusagen den Standstreifen meterbreit kahlzuschlagen. Auf diese Weise haben wir im Sachsenflurer Wald jetzt Forstautobahnen bekommen, die so keiner braucht. Erst der Blick auf Wegabschnitte im Privatwald zeigt den Unterschied.

Nun ist es natürlich nicht so, dass der einzelne Leiter eines Straßenbau- oder Forstamtes so eine radikale Maßnahme von selber lostritt, denn, wie im Artikel erwähnt, ist nichts dabei zu verdienen und man riskiert öffentliche Kritik. Zur Frage nach dem wahren „warum“ muss man weiter nach oben schauen, sprich in unsere Landeshauptstadt. Unsere Grün dominierte Landesregierung ist bekannt dafür, dass sie in Sachen Umweltschutz mit zweierlei Maß misst: beim S21 Projekt wird jeder Juchtenkäfer einzeln erfasst und findet man auf einem Baum dann doch keinen Käfer, dann reicht es immer noch dazu, einen „Juchtenkäfer Verdachtsbaum“ zu registrieren. Der bekommt dann eine Einzelfallbehandlung bei der EU in Brüssel, koste es den Steuerzahler was es wolle (das ist leider kein Witz).

Draußen in der Provinz, außerhalb der Sichtweite der Großstädter, sieht es dagegen ganz anders aus. Für jedes Windrad im Wald wird eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes gerodet. Und der Bewuchs an den Straßenrändern wird plattgemacht. Die im FN Artikel erwähnte Broschüre des Landesverkehrsministeriums taugt übrigens nicht zum Schutz ökologischer Werte. Sie ist voll von Konjunktiven und deshalb bestenfalls als lockere Empfehlung mit Alibi-Funktion zu sehen. Bleibt also die Frage nach dem „warum“, denn das Ganze hat offensichtlich System. Eine ehrliche Antwort ist leider nicht zu erwarten, denn die Behörden schützen sich gegenseitig und die Politik windet sich heraus. Bleibt uns also nur der gesunde Menschenverstand.

Fragen wir uns doch einfach mal, was mit dem gewonnenen Holz geschieht. War da nicht einmal die Rede von großen Naturwärme Kraftwerken, die uns scheinbar CO2 neutral mit preiswerter Wärme versorgen. Deren hauptsächlicher Brennstoff ist Straßenbegleitgrün und ähnliches.

Waren vielleicht die Statistiken über den nachwachsenden und immer verfügbaren Brennstoff doch viel zu optimistisch? Sicher ist, dass man Straßen- und Waldränder über Jahre hinaus nur einmal diesem zweifelhaften Nutzen unterziehen kann. Was danach kommt, werden wir erleben müssen. Die restlichen Schlüsse überlasse ich dem gesunden Menschenverstand des geneigten Lesers.