Main-Tauber

Statistik Knapp zwei Drittel der Autos auf Männer zugelassen / Zweitwagen einer Familie wird oft von der Frau genutzt, Fahrzeughalter ist aber der Mann

Frauenanteil nimmt nur langsam zu

31,9 Prozent der Pkw im Main-Tauber-Kreis sind auf Frauen zugelassen. 59,5 Prozent sind auf Männer zugelassen. Was sagt das in Bezug auf die Lust am Auto?

Main–tauber-Kreis. Kommt auf die Studie an. Von erfolglosen Autobauern, die den Frauengeschmack nicht treffen (Autopapst Ferdinand Dudenhöffer) bis zu besseren Menschen, die nicht so auf dicke Schlitten stehen: „Sie will klein, er will SUV’’ (mobile.de), reicht die Palette. „Männer haben Autos, Mädels haben Männer, die Autos haben“’, erklärt Klaus Heschke, altgedienter Vertriebsmann, Ehemann aber auch Pressesprecher des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes den kleinen Unterschied in der Zulassungsstatistik, der nur langsam schrumpft: 2015 lag der Frauenanteil noch bei 31,3 Prozent, auf Männer waren 60,4 Prozent aller Pkw zugelassen.

Unwägbarkeit Firmenautos

Beim Thema Auto gibt es Fakten und Fiktionen. Nehmen wir die Fakten, dann gibt es eine Besitzverteilungsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes, die einmal im Jahr erstellt wird. Die kennt drei Besitz-Bereiche: Männer, Frauen, Firmen. Daraus ergibt sich die erste Unwägbarkeit, wenn es um die Interpretation des männlichen und des weiblichen Verhältnisses zum und Anteil am Autobesitz geht: Bei den Firmenwagen gibt’s keine Unterschiede nach Geschlecht, Männer und Frauen kommen je nach Job in den Genuss dieser Karossen.

Aktuell gilt auf der Basis der 2017er Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes folgende Verteilung: Männliche Halter haben 50 850 der Pkw, gleich 59,5 Prozent (Vorjahr: 59,8 Prozent).

Auf Firmen waren 7351 Pkw zugelassen. Das sind 8,6 Prozent (Vorjahr 8,6 Prozent). 27 295 oder 31,9 Prozent der im Main-Tauber-Kreis zugelassenen Pkw (Vorjahr: 31,6 Prozent) haben eine Halterin.

Grauzone Familienfahrzeuge

Verglichen mit dem Vorjahr stieg die Zahl der Frauen mit eigenem Auto um 652. Das entspricht einem Plus von 2,4 Prozent. Bei den Männern stieg die Zahl der Fahrzeughalter von 2016 auf 2017 um 492. Das entspricht einem Plus von 1,0 Prozent. Bei den Firmen kletterte die Zahl der Firmen-Autos um 140. Das entspricht einem Plus von 1,9 Prozent.

Was das Verhältnis von Männern und Frauen zu Autos angeht, ist Vorsicht angebracht, was Studien und Erfahrungen angeht: „Männer haben Autos, Mädels haben Männer, die Autos haben’’, beispielsweise ist weniger Machospruch als der Tatsache geschuldet, dass sich Jungs mit frischem Führerschein häufig Partnerinnen suchen, die jünger sind und noch keinen haben.

Und wenn’s dann zum Familienalltag kommt, lässt halt Papi den SUV auf sich zu, mit dem Mami fürs Hol- und Bring-Chaos vor Kindergärten und Schulen sorgt, um ein anderes Klischee zu zitieren.

Wer hat das Sagen beim Autokauf?

Könnte also sein, dass mehr Frauen mit eigenem Auto höchstens zum Teil ein Zeichen von Emanzipation sind und zum anderen eine vermehrte Folge von vermehrtem Singledasein. Lässt sich aber im Moment keine Studie dazu finden. Zur Frage „Wer hat beim Autokauf das Sagen?“ dagegen schon. Die kann sich ja logischerweise nur auf Paare beziehen. Und Nissan untersucht schon seit Jahren das Verhalten und den Einfluss von Frauen auf den Autokauf.

Nach den Erkenntnissen des Nissan Technical Center im britischen Cranfield werden weltweit 80 Prozent aller Auto-Kaufentscheidungen direkt von Frauen beeinflusst. Befragt wurden Frauen aus Europa, Japan, China und den USA. Überraschung? Nicht für erfahrene Autoverkäufer, wie Klaus Heschke: „Den Mann möchte ich sehen, der einen Autokauf nicht mit Frau oder Partnerin abspricht.“ Wenn nicht beide gleich gemeinsam ins Autohaus gehen.

SUV bei Frauen immer beliebter

Was die bevorzugten Marken und Modelle angeht, liegen Männer und Frauen laut Aral-Studie „Trends beim Autokauf 2017“ meist auf gleicher Wellenlänge. Zitat: „Das liegt auch daran, dass die Damenwelt in letzter Zeit die Favoriten wechselt: Bei Audi verdreifachte sich das Interesse der Frauen innerhalb von zwei Jahren von sechs auf jetzt 18 Prozent. Bei BMW liegt die Steigerung von sechs auf jetzt 15 Prozent in einem ähnlichen Rahmen. Und auch bei Mercedes als einstiger Männer-Domäne stellen die Frauen jetzt die größere Klientel: Nur sechs Prozent der Männer wollen einen Stern auf der Motorhaube, aber zehn Prozent der Frauen.“

Ist natürlich reiner Zufall, dass die alle schicke SUV im Angebot haben. Oder doch nicht? „Wollten vor zwei Jahren noch 27 Prozent der potenziellen Käuferinnen einen Kleinwagen, sind es jetzt nur noch sechs Prozent“, sagt die Aral-Studie.

Irgendwoher muss die gleichzeitig steigende SUV-Nachfrage ja kommen. zds