Main-Tauber

Naturschutz Managementpläne für Natura-2000-Gebiete im Landkreis sind bald komplett / Ziel ist die Bewahrung der biologischen Vielfalt

Gebrauchsanweisungen für den Artenschutz

Für die FFH-Gebiete „Westlicher Tauber-grund“ und „Nordöstliches Tauberland“ werden derzeit Managementpläne erstellt.

Main-Tauber-Kreis. „Meldungen über den dramatischen Schwund bei heimischen Insekten und feldbrütenden Vogelarten zeigen beispielhaft, wie wichtig alle Bemühungen sind, die biologische Vielfalt zu bewahren und zu fördern. Kaum ein anderes Instrument eignet sich hierzu besser als das Schutzgebietsnetz Natura 2000. Dessen zentrales Ziel ist die Erhaltung der Biodiversität in der gesamten europäischen Union“, erklärt Landrat Reinhard Frank. Deutschland hat vor fast 15 Jahren seine Vogelschutzgebiete und Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (auch kurz „FFH-Gebiete“ genannt) abgegrenzt und an die Europäische Kommission gemeldet.

Ziele definiert

Fauna, Flora und Habitat – zu Deutsch: Tiere, Pflanzen und Lebensräume – sollen also geschützt werden. Aber welche Lebensraum-Flächen sind innerhalb dieser Gebiete überhaupt gemeint, welche Ziele gelten für sie und wodurch können die Ziele am besten erreicht werden? Um diese Fragen zu beantworten, wird für jedes Natura-2000-Gebiet ein Managementplan als Fachplanung des Naturschutzes und als eine Art Gebrauchsanweisung für die Umsetzung in der Praxis erstellt. Der Managementplan ist das Handwerkszeug für die Bewirtschaftungsplanung und für das Pflegemanagement für die beteiligten Akteure wie Naturschutzbehörden, Landschaftspflegeverbände, Naturschutzverbände, Kommunen, Eigentümer und Bewirtschafter der Flächen.

Ein Managementplan liefert grundstücksgenaue Informationen über Bestand und Ziele zu den einzelnen Schutzgütern und gibt Maßnahmenempfehlungen. So werden beispielsweise Kalk-Magerrasen und Magere Flachland-Mähwiesen als Lebensraumtypen lagegenau erfasst, ihr Erhaltungszustand bewertet und Vorschläge für ihre Bewirtschaftung formuliert.

Gleiches gilt für verschiedene schützenswerte Waldtypen wie zum Beispiel den Waldmeister-Buchenwald. Auch Lebensstätten von geschützten Arten wie zum Beispiel der Gelbbauchunke werden erhoben und abgegrenzt. Für die festgestellten Lebensraumtypen und Lebensstätten gilt ein gesetzliches Verschlechterungsverbot.

Startschuss für zwei FFH-Gebiete

In diesem Jahr fiel nun der Startschuss für die beiden letzten noch ausstehenden Managementpläne für die FFH-Gebiete im Main-Tauber-Kreis. Behörden, Gebietskörperschaften, Institutionen und Verbände waren vor kurzem zu einer Auftaktveranstaltung in das Rathaus Lauda-Königshofen geladen. Das Regierungspräsidium Stuttgart als federführende höhere Naturschutzbehörde informierte zusammen mit der Forstdirektion beim Regierungspräsidium Tübingen und den beiden beauftragten Gutachterbüros über die Arbeit an den Plänen.

Die zwei FFH-Gebiete, die als letzte einen Managementplan erhalten, heißen „Westlicher Taubergrund“ und „Nordöstliches Tauberland“. Sie liegen im zentralen Teil des Main-Tauber-Kreises und erstrecken sich zusammen über fast 2800 Hektar in den Gemeinden Ahorn, Assamstadt, Bad Mergentheim, Boxberg, Großrinderfeld, Grünsfeld, Igersheim, Königheim, Lauda-Königshofen, Tauberbischofsheim, Weikersheim und Werbach. Innerhalb der FFH-Gebiete sind Wälder, Offenlandflächen und Gewässer zusammengefasst, wobei die Waldflächen mit ungefähr 60 Prozent Anteil überwiegen. Die Ausarbeitungen zum Wald und zu bestimmten waldbewohnenden Arten wie dem Hirschkäfer sind bereits fertiggestellt und werden als so genanntes Waldmodul in die Managementpläne eingefügt.

Im Main-Tauber-Kreis gibt es zwei Vogelschutzgebiete und elf FFH-Gebiete. Von diesen FFH-Gebieten liegen sieben vollständig oder größtenteils im Main-Tauber-Kreis. Die FFH-Gebietsflächen nehmen zusammen etwa 8250 Hektar ein, das macht ungefähr 6,3 Prozent der Landkreisfläche aus. Die beiden Vogelschutzgebiete umfassen etwa 2800 Hektar Fläche. Sie überlagern sich zum Teil mit den FFH-Gebieten. Die Vogelschutzgebiete wurden bereits 2010 durch Rechtsverordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart gesichert.

Auch alle FFH-Gebiete in Baden-Württemberg werden gegenwärtig rechtsverbindlich ausgewiesen, weil die Europäische Kommission dies gefordert hat. In jedem Regierungsbezirk werden hierzu entsprechende Sammelverordnungen vorbereitet.

Die Verordnungen enthalten die Abgrenzungen der einzelnen Gebiete in Übersichtskarten sowie in Detailkarten im Maßstab 1:5000. Außerdem werden die geschützten FFH-Lebensraumtypen und -Arten sowie die zugehörigen Erhaltungsziele festgelegt. Inhaltlich ändert sich mit den Verordnungen nichts. Was bisher schon in FFH-Gebieten zulässig war, bleibt auch weiterhin zulässig. Noch bis zum 8. Juni erfolgt die öffentliche Auslegung der Verordnungsentwürfe mit Anlagen bei den Regierungspräsidien und den unteren Naturschutzbehörden. Die Verordnungsentwürfe für die FFH-Gebiete im Main-Tauber-Kreis sind auch auf den Internetseiten der Regierungspräsidien Stuttgart und Karlsruhe unter www.rp.baden-wuerttemberg.de einsehbar.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Sobald die Managementpläne für die FFH- und Vogelschutzgebiete fertiggestellt sind, geht die Verantwortung für die Umsetzung der Schutzziele auf die untere Naturschutzbehörde über. In enger Zusammenarbeit mit dem hiesigen Kommunalen Landschaftspflegeverband (KLPV) erfolgen die Bewirtschaftungsplanung und die Aufstellung des Pflegemanagements. Schwerpunkt des Landschaftspflegeverbands ist dabei die fachliche Vorbereitung der Pflegemaßnahmen durch zahlreiche Vor-Ort-Begehungen und Beratungsgespräche insbesondere mit Landwirten als Bewirtschafter. Die verwaltungstechnische Abwicklung erfolgt über den Abschluss von fünfjährigen Pflegeverträgen nach der Landschaftspflege-Richtlinie (LPR), sogenannte LPR-A-Verträge, durch die untere Naturschutzbehörde.

Der KLPV hat im vergangenen Jahr in den FFH- und Vogelschutzgebieten des Main-Tauber-Kreises auf gut 95 Hektar Erstpflege- oder Gehölzpflegemaßnahmen durchgeführt. Das sind knapp 40 Prozent der Gesamtpflegefläche von etwa 240 Hektar. Seit dem Beginn der engen Zusammenarbeit des KLPV mit dem Natura 2000-Beauftragten bei der unteren Naturschutzbehörde im Jahr 2013 ist die Zahl der neuen Fünf-Jahres-Verträge kontinuierlich gewachsen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Behörde und dem Verband spiegelt sich eindrucksvoll in der Summe der vereinbarten Zuschüsse über die LPR wider. Im Zeitraum von 2012 bis 2017 hat sich der Gesamtumfang aller LPR-Fördergelder innerhalb der FFH-Gebiete des Main-Tauber-Kreises von etwa 132 000 auf 488 000 Euro fast vervierfacht.

Damit bietet der Einsatz für den Natur- und Artenschutz über LPR-Verträge insbesondere den Landwirten gute Möglichkeiten, ein Einkommen zu generieren und zugleich die Akzeptanz ihrer wichtigen Arbeit zu verbessern.