Main-Tauber

Abfallbilanz Main-Tauber-Kreis liegt beim Hausmüllaufkommen landesweit auf dem dritten Platz / Den letzten Rang nimmt unangefochten die Stadt Mannheim ein

Getrenntes Sammeln hat sich bewährt

Archivartikel

Wiederholt landet der Main-Tauber-Kreis in der Abfallbilanz Baden-Württemberg auf dem Treppchen. Platz drei mit 81 Kilogramm Hausmüll pro Einwohner und Jahr wurden für 2017 gelistet.

Main-Tauber-Kreis. „Das Hausmüllaufkommen im Land ist auf einem historisch niedrigen Stand, die wertvollen Bioabfälle werden zunehmend verwertet. Die Tendenz stimmt, aber auf dem Weg zur echten Kreislaufwirtschaft liegt noch ein weiter Weg vor uns“,, so Umweltminister Franz Untersteller bei der Präsentation der Abfallbilanz. Auf insgesamt 123 Seiten informiert die Bilanz mit zahlreichen Daten und Schaubildern über Art, Menge, Herkunft und Verbleib der von den Stadt- und Landkreisen in ihrem Gebiet entsorgten kommunalen Abfälle.

Die Abfallbilanz 2017 betrachtet die über zwölf Millionen Tonnen Abfälle der privaten Haushalte, der Bauwirtschaft sowie die haushaltsähnlichen Abfälle der Industrie, die die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr entsorgt haben. Gegenüber dem Vorjahr (11,87 Millionen Tonnen) ist die Menge um rund 149 000 Tonnen, das ist gut ein Prozent, angestiegen. „Ursache hierfür ist der Anstieg der kommunal entsorgten Bauabfälle um rund zwei Prozent“, sagte Umweltminister Franz Untersteller.

Das Gesamtaufkommen an häuslichen Abfällen, das sind Haus- und Sperrmüll einschließlich Geschäftsmüll aus öffentlicher Sammlung, getrennt erfasste Wertstoffe aus Haushalten sowie Abfälle aus der Biotonne, hat sich gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 000 Tonnen auf insgesamt 3,88 Millionen Tonnen erhöht (2016: 3,87 Millionen Tonnen). „Da die Bevölkerung im Land um rund 64 000 Einwohner gewachsen ist, ist das Pro-Kopf-Aufkommen gegenüber dem Vorjahr dennoch um ein Kilogramm auf nun 353 Kilogramm je Einwohner und Jahr gesunken“, so der Minister.

Das Aufkommen an Haus- und Sperrmüll einschließlich Geschäftsmüll aus öffentlicher Sammlung hat sich gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 6000 Tonnen auf zusammen 1,52 Millionen Tonnen zwar nur minimal verringert. „Aufgrund des Bevölkerungswachstums ist das Pro-Kopf-Aufkommen allerdings erneut um über ein Kilogramm zurückgegangen und erreichte mit 139 Kilogramm den niedrigsten Wert seit 1990, als das Ministerium die Ab-fallbilanz Baden-Württemberg zum ersten Mal erstellt hat“, betonte Untersteller.

Das Hausmüllaufkommen ohne Sperrmüll hat landesweit von 119 auf 118 Kilogramm pro Kopf abgenommen. Der Main-Tauber-Kreis liegt hier für das vergangene Jahr bei 71 Kilogramm, was eine Zunahme von fünf Kilogramm pro Einwohner und Jahr gegenüber 2016 bedeutet. Dennoch behauptet er damit knapp den dritten Platz hinter Freudenstadt (52 Kilogramm) und Calw (63 Kilogramm). Der Neckar-Odenwald-Kreis liegt bei 125 Kilogramm, der Hohenlohekreis bei 108 und der Kreis Schwäbisch Hall bei 124 Kilogramm.

„Von unserem Ziel im aktuellen Abfallwirtschaftsplan von 104 Kilogramm je Einwohner sind wir immer noch ein gutes Stück entfernt“, so der Umweltminister. Das zeige, dass es keinen Grund gebe, sich auf dem Erreichten auszuruhen, sondern auch in den nächsten Jahren noch viel Arbeit vor der Abfallwirtschaft im Land liege. Das betreffe auch den weiteren Ausbau der Infrastruktur, etwa bei Deponien und Anlagen zur Bioabfallentsorgung.

Das jährliche Aufkommen je Einwohner beim Bioabfall im Landesdurchschnitt hat sich von 49 Kilogramm in 2016 auf aktuell 50 Kilogramm erhöht. Es habe sich gelohnt, in intensiven Gesprächen die Kreise im Land von der Sinnhaftigkeit der Getrenntsammlung zu überzeugen. Aber nicht nur die Menge an eingesammelten Bioabfällen sei wichtig, sagte der Umweltminister weiter. „Auch die Qualität muss stimmen. Wir habe daher ein europaweit einzigartiges Forschungsvorhaben zur Detektion von Fremdstoffen in Bioabfällen mit einer Million Euro gefördert.“ Das Vorhaben ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Zudem habe Baden-Württemberg im Bundesrat eine Initiative gestartet mit dem Ziel, den über die Entsorgung verpackter Lebensmittel aus dem Einzel- und Großhandel verbundenen Fremdstoffeintrag zu minimieren.

Die Jahresabfallgebühr für einen Vier-Personen-Haushalt beträgt im Jahr 2018 durchschnittlich 152,03 Euro. Im Jahr 2017 waren es 151,00 Euro. „Trotz Investitionen in die Entsorgungsinfrastruktur und gestiegenen Lohnkosten haben es die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger geschafft, die Gebühren stabil zu halten“, betonte Franz Untersteller. Zum Vergleich: Die Inflationsrate lag im Jahr 2017 bei 1,8 Prozent.

Gravierende Unterschiede

„Die Strukturen der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg unterscheiden sich zum Teil erheblich“, betonte Umweltminister Untersteller. Die Größe eines Kreises, seine Einwohneranzahl oder der Anteil der gewerblichen Abfälle am kommunalen Abfallaufkommen seien zumindest in Teilen für die gravierenden Unterschiede in den Kreisen verantwortlich.

Dennoch ermögliche die Abfallbilanz es den Stadt- und Landkreisen, sich mit anderen Kreisen mit einer ähnlichen Siedlungsstruktur zu messen und mögliche Optimierungspotenziale zu entdecken, sagte der Minister.

In der Kategorie „Ländliche Kreise“ fielen im Jahr 2017 je Einwohner durchschnittlich 122 Kilogramm Haus- und Sperrmüll an. Mit 73 Kilogramm konnte hierbei erneut der Landkreis Freudenstadt das beste Ergebnis erzielen, am an-deren Ende der Tabelle steht der Landkreis Biberach mit 148 Kilogramm je Ein-wohner.

Bei den größten Städten weist die Stadt Mannheim einen Wert von 241 Kilogramm auf (minus sechs Kilogramm). Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart (minus acht Kilogramm) und in Karlsruhe (minus fünf Kilogramm) zeige sich, dass die Maßnahmen zur Förderung der Abfalltrennung offenbar erfolgreich seien.