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Land und Leute Clown Henry Ayala jun. ist das sympathische Gesicht des Circus Charles Knie / Gastspiele in Marktheidenfeld und Mosbach

„Ich helfe den Menschen, und die Menschen helfen mir“

Archivartikel

Clown Henry ist das sympathische Gesicht des Circus Knie. Bald kann man den 39-jährigen Venezuelaner auch hier in der Region erleben – der Zirkus ist auf großer Tournee.

Marktheidenfeld/Mosbach. Henry Ayala jun. hat noch eine Stunde Zeit bis zu seinem Auftritt. Auf dem Platz in der Nähe des großen Zirkuszelts reiht sich Caravan an Caravan. Einer davon gehört Henry Ayala jun. „Come in, come in!“ ruft er und lacht. Schuhe ausziehen ist Pflicht. Drei Stufen, dann steht man in seinem Reich. Am Tisch sitzt seine Partnerin Tatiana Kundyk und schminkt sich für ihren Auftritt – sie ist Schlappseilartistin im Zirkus.

„Fragen Sie, was immer Sie wollen“, fordert er seinen Besuch mit einem freundlichen Lachen auf.

Wie viele Artisten stammt auch er aus einer waschechten Zirkusfamilie. „Die Hälfte meiner Familie in Venezuela arbeitete als Seiltänzer, die andere als Clowns. Das ist seit fünf Generationen so. Ich habe beides gelernt. Am Anfang war es ein Spiel, dann ein Hobby und schließlich ein Beruf“. In der Vitrine im Wohnzimmer-Schrank stehen seine vielen Auszeichnungen. Ein kleines Turnschläppchen fällt dabei besonders auf. Henry Ayala erklärt: „Es gehört zu jenem Paar Schuhe, mit dem ich als Neunjähriger auf dem Seil getanzt habe“. Es bedeutet ihm so viel, dass er es in Bronze gießen ließ.

Doch irgendwann entschied er sich ganz für den Beruf Clown. In der Vitrine sticht eine Auszeichnung besonders hervor : Ein gläserner Charlie Chaplin steht da neben den vielen anderen Preisen. Henry Ayala hat ihn persönlich von Chaplins Sohn Eugène überreicht bekommen. Noch heute schwärmt er von jenem Moment: „Bei diesem Festival traten sehr viele hochklassige Comedians und Clowns auf. Ich war sehr glücklich, dass ich dort überhaupt dabeisein durfte. Chaplins Sohn zu treffen und mit ihm reden zu können, bedeutete mir als großer Charlie-Chaplin-Fan alles. Mit diesem Preis hätte ich nie gerechnet. Als er ihn mir überreichte, fühlte ich mich wie ein Kind im Süßwarenladen. Das war ein großartiger Augenblick“.

Die Familie ist stolz auf ihn

Kein Wunder, dass seine Familie sehr stolz ist auf den berühmten Spross: „Ich bin das große Vorbild meiner Nichten und Neffen. Mein Großvater bittet mich immer, unseren Namen weiterhin hinaus in die Welt zu tragen“, sagt Henry Ayala und lächelt.

Nicht nur deshalb träumt der 39-Jährige vom Zirkusfestival in Monte Carlo. Vor der monegassischen Fürstenfamilie aufzutreten, das ist sein großes Ziel. Schon oft war er als Zuschauer dabei, kennt die unvergleichliche Atmosphäre, aber auch den gewaltigen Druck, der da besonders auf den Comedians und Clowns lastet: „Als Akrobat weiß man, was man macht. Da kann man sich auf sich selbst verlassen. Als Clown aber bist du auf die Reaktion der Menschen angewiesen. Das ist einer der schönsten und schwersten Jobs gleichzeitig“.

Noch 15 Minuten, dann muss er sich schminken. Diesen Prozess genießt er. Aus dem jungen Mann Henry Ayala wird der „Prince of Clowns“. Und dieser Clown will mit Alltagsproblemen nichts zu tun haben: „Die schiebe ich beiseite. Das Schminken ist auch so etwas Ähnliches wie eine Therapie für mich. Diese Zeit gehört allein mir“, sagt er und meint: „Wenn ich schlecht gelaunt zur Arbeit ginge, würden die Leute das merken. Sie wollen Spaß haben und ihre Sorgen vergessen“.

Und dann spricht er einen sehr nachdenkenswerten Satz aus: „Ich helfe den Menschen, und die Menschen helfen mir“. Sein Publikum zum Lachen zu bringen, bedeutet ihm alles. „Manchmal“, fügt er hinzu, „haben die Großeltern im Publikum noch mehr Spaß als ihre Enkelkinder. Sie werden selbst zu Kindern. Das liebe ich!“

Sein Make up hat er so optimiert, dass es zu seinem Gesicht passt und auch dann noch gut aussieht, wenn er seine herrlichen Grimassen schneidet. Die Augenbrauen malt er so, dass sie genau zu seinen eigenen passen, wenn er die Stirn in Falten zieht – Schnörkel inklusive.

Für ihn ist es eine Art Maske, die er eigens für sein Gesicht kreiert hat. In 15, 20 Minuten ist er damit – inklusive seines speziellen Haarstyles – fertig. „Wenn ich einmal sehr, sehr spät dran bin, dann bekomme ich es auch in fünf Minuten hin“, ergänzt er und schmunzelt.

Und er muss richtig lachen, als er sich an seine Schminkanfänge erinnert: „Damals habe ich das Make up so dick aufgetragen, dass ich am Ende aussah wie 80“.

Zu seinem Manegen-Outfit gehört auch eine rote Nase. Doch es bleiben mittlerweile nur noch fünf Minuten, bis er sich in Clown Henry verwandeln muss. Keine Zeit zu überlegen, ob die letzte Frage vielleicht zu profan ist. Risiko. „Wo bewahren Sie eigentlich Ihre Clownsnase auf? Wahrscheinlich beim Make up, oder?“, schiebt man fast entschuldigend hinterher.

Henry Ayla lacht und antwortet: „Das ist eine ganz besondere Geschichte. Kommen Sie mit!“. Er führt seinen Besuch ins Badezimmer und nimmt eine silberne Box in die Hand. Während er sie öffnet, beginnt er zu erzählen: „Ich habe sie als Zwölfjähriger in Bergamo beim Spielen entdeckt. Sie befand sich in der Nähe eines ehemaligen Krankenhauses. Deshalb vermute ich, dass sie von dort stammte. Ich dachte immer nur: ,Oh mein Gott, was für eine schöne Box!“ Er nahm sie mit nach Hause, reinigte sie und bewahrte darin seine Seiltanzschuhe auf.

„Superman“ und Charlie Chaplin

Und heute finden in dieser kleinen Schatzkiste – neben einer kleinen „Superman“-Figur – sein Make up und seine rote Nase Platz. Auf der In-nenseite des Deckels hat er ein Bild von Charlie Chaplin, seiner größten Inspiration, geklebt. Alles, was Clown Henry ausmacht, befindet sich in dieser kleinen Box.

Aber nun muss er loslegen. Henry Ayala jun. wird sich sorgfältig schminken, die Haarspitzen zu einer Krone stylen und sich in den „Prince of Clowns“ verwandeln. Die Menschen werden – genau wie er – den Alltag vergessen.

Henry Ayala jun. wird glücklich sein.