Main-Tauber

Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell Zweiter Fachtag für Direktvermarktung

Ideen, Trends und Entwicklungen im Fokus

Kupferzell/Main-Tauber-Kreis.Direktvermarktung steht für Regionalität, für Qualität, Frische und für eine transparente Produktion von Lebensmitteln. Ein wachsendes Interesse an den landwirtschaftlichen Hofläden erscheint deshalb naheliegend, doch stellt die Eigenvermarktung auch große Herausforderungen an die Landwirte. Schon zum zweiten Mal widmete sich daher der überregionale Fachtag Direktvermarktung, durchgeführt an der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell, diesem wichtigen Thema, um Direktvermarktern Tipps zu geben, Entwicklungen aufzuzeigen und zu informieren.

Initiativen vorgestellt

Im ersten Fachvortrag stellte Bruno Krieglstein, Referatsleiter Vermarktung, Marketing, Ernährungswirtschaft am Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, die Kampagnen und Initiativen des Landes vor. Seit Herbst 2017 gibt es die Regionalkampagne „Natürlich. Von daheim“, die die direktvermarktenden Betriebe unterstützt. In der Weiterentwicklung der App „Von Daheim BW“ können sich mittlerweile neben Direktvermarktern auch Gastronomen platzieren und Veranstaltungen bekannt machen.

Ziel sei, dass Verbraucher leichter Zugang zum Einkauf von regional erzeugten Produkten erhalten und finden, weil sie damit mehr als nur einen Apfel oder ein Stück Fleisch kaufen. Hinter jedem Produkt steckt vielmehr Arbeit und Herzblut. Die Regionalkampagne „Von Daheim“ möchte das Bewusstsein der Menschen als Konsumenten stärken und damit verdeutlichen: „Sie haben die Wahl!“.

In der Diskussion wurden auch die Sorgen der direktvermarktenden Landwirte deutlich, beispielsweise wie sie im Spannungsfeld von Regionalität und Weltmarkt noch angemessene Preise halten und erhalten können. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass immer mehr Lebensmitteleinzelhändler inzwischen ebenso auf Regionalität und Bio setzen und damit eine weitere Konkurrenz darstellen.

Von neuen Trends

„Neue Trends bei Essen und Trinken“ lautete das Thema des Vortrags von Ingelore Heuser vom Landratsamt Heilbronn. Sie stellte Trendstudien vor, die einen Ausblick in die künftigen Entwicklungen in der Ernährung ermöglichen sollen, damit rechtzeitig auf Veränderungen und Trends reagiert werden kann. Interessant dabei ist, dass es sich bei „Foodtrends“ immer nur um Phänomene einer Überflussgesellschaft handelt.

Neben der Digitalisierung und der Individualisierung ist die Gesundheit derzeit einer der größten Motivationsfaktoren für das Ernährungsverhalten des Verbrauchers. Zunehmend spielt aber auch der Faktor Zeit eine Rolle. Es verwundert daher nicht, dass der Außer-Haus-Verzehr zugenommen hat und der Begriff „snacking“ mittlerweile in aller Munde ist.

Andererseits wurde festgestellt, dass beim Essen auch Werte wieder wichtiger werden. Dies macht sich vor allem in den Zusammenschlüssen von „Food-Coops“ in Großstädten bemerkbar, die gemeinsam nachhaltig erzeugte Lebensmittel organisieren und vermarkten.

Am Nachmittag präsentierte Social-Media-Unternehmer Fabian Mörbe anhand eigener Beispiele, wie erfolgreiche Kundenbindung mit Internet und Social Media möglich ist und wie man Strategien der Profis für den Hofladen nutzen kann. Es wurde deutlich, dass es für die Direktvermarkter in der Zukunft unerlässlich ist, auch in den sozialen Medien präsent zu sein.

Storytelling, authentisch sein, das ist das A und O bei Auftritten in YouTube, Instagram, Facebook und Co. Im Vordergrund steht immer das Transportieren von Emotionen, die ermöglichen, dass beim Empfänger Informationen nachhaltig gespeichert werden. Es muss vom Kunden her gedacht und gefragt werden, welche Informationen über den Direktvermarkter den Käufer interessieren.

Die Schätze erkennen

„Die Schätze des Hofes erkennen und im Verkaufsgespräch in Wert setzen“ – mit diesem mitreißenden Vortrag beschloss Claudia Albrecht, Marketingberaterin und Coach aus Neustadt an der Weinstraße die Vortragsreihe. „Das einzige Werkzeug, das wir gegen den Rest der Welt haben, ist der Mensch, das sind wir“ – mit diesem Satz verdeutlichte Albrecht, dass es unabdingbar ist, herauszufinden, wo die eigenen und wo die Stärken des Betriebes liegen. Es geht konkret um das Gesicht des Unternehmens, welches der Kunde als erstes wahrnimmt; das Produkt steht demnach erst an zweiter Stelle. Hierbei wurde ein Schwachpunkt von Direktvermarktern deutlich, die im Marketing meist zu bescheiden agieren, wo keine Bescheidenheit notwendig wäre.

Insgesamt hielt der Fachtag viele Infos, Ideen und Tipps für die direktvermarktenden Betriebe und Teilnehmer der Fachtagung bereit, um sie zu stärken. Der Konsument soll auch weiterhin auf ein regionales, vielfältiges Angebot zurückgreifen können. Durchgeführt wurde die Fachtagung durch die Landwirtschaftsämter Main-Tauber, Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Rems-Murr in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Stuttgart. lra