Main-Tauber

Katastrophenschutz Main-Tauber Polizei und Deutsches Rotes Kreuz stellen im Rahmen einer Informationsveranstaltung ihre Arbeit den Führungskräften in den Stäben vor

Im Ernstfall soll zum Wohl der Bevölkerung alles klappen

Main-Tauber-Kreis.Das DRK und die Polizei haben Organisation, Strukturen und Aufgaben im Bevölkerungsschutz den Führungskräften des Katastrophenschutzes im Kreis vorgestellt. Vertreter der Organisationen machten bei einer Infoveran-staltung im Landratsamt Tauberbischofsheim jeweils deutlich, welchen Beitrag sie im Falle einer Katastrophe oder eines Großschadensereignisses leisten können. Damit fand die Reihe "Verwaltungsstab trifft Führungsstab" ihren Abschluss.

Zunächst stellte der Leiter der Integrierten Leitstelle des Main-Tauber-Kreises, Matthias Hofmann, die Arbeit dieser Einrichtung vor. Sie versorge den Kreis sowie kleinere Gebiete in bayerischen Nachbargemeinden. Somit sei die Integrierte Leitstelle für 136 000 Menschen zuständig. Bis 1997 habe es noch zwei Leitstellen im Kreis gegeben, vor 20 Jahren sei dann die gemeinsame Einrichtung eröffnet worden. Sie solle im Herbst in einen Neubau umziehen. Er liege wie die bisherigen Räume in der Bad Mergentheimer Rotkreuzstraße.

Die Integrierte Leitstelle nehme, so Hofmann, Hilfeersuchen verschiedenster Art an. Auf dieser Basis würden Einsatzkräfte alarmiert sowie die Gesamtlage festgestellt und beurteilt. Sämtliche Einsätze würden gelenkt, koordiniert, überwacht und dokumentiert. Konkret würden im Bedarfsfall die Kräfte von Rettungsdienst, Feuerwehr, DLRG, THW, Katastrophenschutz, Rettungs-hundestaffel und Notfallseelsorge sowie die "Helfer vor Ort" alarmiert und deren Einsätze disponiert. 2016 seien 24 593 Notrufe unter der Nummer 112 gezählt worden.

Sechs Kreiswachen

Die Integrierte Leitstelle könne auf Einsatzkräfte in sechs Rettungswachen im Kreisgebiet zurückgreifen, davon seien zwei Rettungswachen nur tagsüber besetzt. Zudem stünden 18 kommunale und vier betriebliche Feuerwehren mit mehr als 160 Fahrzeugen zur Verfügung. Rund 230 Betriebe, Kliniken, Behörden, Pflegeheime und sonstige Einrichtungen seien an die Brandmeldezentrale angeschlossen, es würden 85 Kilometer Autobahn-Streckenabschnitte versorgt. Dafür arbeite die Leitstelle an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb.

Der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter des DRK-Kreisverbandes Tauberbischofsheim, Achim Stumpf, stellte den Beitrag des DRK zum Katastrophenschutz im Landkreis vor. Besonders ging er dabei auf das landesweit einheitliche Konzept zur Bewältigung eines "Massenfanfalls von Verletzten" ("ManV") ein. Im Regierungsbezirk Stuttgart stünden hierfür in den 13 Stadt- und Landkreisen insgesamt 25 Einsatzeinheiten für die Erstversorgung und 20 Einsatzeinheiten für die Behandlung von Verletzten zur Verfügung.

Im Bedarfsfall werde am Ort des Geschehens ein Behandlungsplatz eingerichtet. In mehreren Zelten würden dabei Verletzte oder Erkrankte nach einer Sichtung notfallmedizinisch versorgt. Von dort aus erfolge gegebenenfalls ein Transport in Kliniken. Bei Bedarf werde der Behandlungsplatz in Bereiche für Leicht- und Schwerverletzte oder sogar in vier verschiedene Bereiche je nach Grad der Verletzungen eingeteilt.

Der Leiter der Aus- und Weiterbildung beim DRK-Kreisverband Tauberbischofsheim, Uwe Rennhofer, präsentierte das Konzept der "Helfer vor Ort" (HvO). Damit erhielten engagierte Menschen die Möglichkeit, ihren Mitmenschen zu helfen. Durch ihren Einsatz solle die therapiefreie Zeit zwischen dem Absetzen eines Notrufs und dem Eintreffen des Rettungsdienstes verkürzt werden. Somit ergebe sich eine deutlich bessere Überlebenschance für den Notfallpatienten.

Eine HvO-Gruppe werde vor allem dann alarmiert, wenn nach einer Rettungsdienst- oder Notarzt-Alarmierung die erwartete Eintreffzeit des Rettungsdienstes mehr als acht Minuten betrage bzw. immer wenn ein zeitlicher Vorteil erkennbar sei. Ebenso gebe es Ausschlusskriterien für HvO-Einsätze wie zum Beispiel gynäkologische und psychiatrische Notfälle. Die Helfer vor Ort würden über Funkmeldeempfänger oder Handy von der Rettungsleitstelle informiert. Nach ihrer Rückmeldung erhielten sie Informationen über Einsatzort und -art.

Qualifizierte Hilfe

Die Helfer vor Ort leisteten qualifizierte erweiterte Erste Hilfe, erkundeten die Lage, gäben Rückmeldungen an die Rettungsleitstelle und unterstützten den Rettungsdienst nach dem Eintreffen vor Ort. Die ehrenamtlich tätigen Helfer müssten einen Erste-Hilfe-Kurs, eine Sanitätsdienstausbildung und eine Sonderschulung "Helfer vor Ort" absolvieren. Hinzu komme eine jährliche Wiederholungsprüfung. Im Gebiet des Kreisverbands Tauberbischofsheim stünden 13 HvO-Gruppen mit jeweils drei Mitgliedern zur Verfügung. Sie hätten 2016 insgesamt 238 Einsätze absolviert.

Polizeivizepräsident Hans Becker stellte die Arbeit des Polizeipräsidiums Heilbronn mit seinen 1700 Mitarbeitern vor. Diese seien zuständig für ein Gebiet mit 820 000 Einwohnern, in dem jährlich etwa 120 000 Notrufe bei der Polizei eingingen.

Beim Krisenmanagement hätten bisher die Bewältigung von Großveranstaltungen, größeren Schadensereignissen und Katastrophen besonders im Fokus gestanden. Jetzt und künftig müsse die Polizei sich auf neue Herausforderungen in den Bereichen Amok, (Massen-)Geiselnahmen und Terror einstellen. Hier lobte er den qualitativen Fortschritt, der sich durch die Polizeireform ergeben habe. Jetzt sei jedes regionale Polizeipräsidium so gegliedert, dass zur professionellen Bewältigung speziell von Großlagen keine Umstrukturierungen erforderlich seien. Die Führungs- und Einsatzstäbe seien für die alltägliche Aufgabenbewältigung genauso gegliedert wie bei Großlagen. Dies sorge für erheblich mehr Routine. Bei besonderen Lagen übernehme zunächst der Polizeiführer vom Dienst (PvD) die Einsatzführung im Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums. Er teile ein, gliedere und führe die im Dienst befindlichen Kräfte der Polizeireviere.

Handlungen unterbinden

Der Polizeivizepräsident machte deutlich, dass heute bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen auch Beamte in den normalen Dienstgruppen aktiv gegen den oder die Täter vorgehen müssten anstatt das Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos abzuwarten. Erstes Ziel der Polizei müsse es sein, den oder die Täter aufzuspüren und weitere Tötungshandlungen zu unterbinden. Im Rahmen einer "Crashrettung" sei es das oberste Ziel, verletzte Personen aus dem Einflussbereich der Täter herauszubringen und sie dann den Rettungsdiensten in abgesicherten Bereichen zuzuführen. Die Polizeibeamten müssten sich bei Bedarf in Gesundheits- und Lebensgefahr begeben.

"Um den bestmöglichen Schutz unserer Mitarbeiter zu gewährleisten, haben wir jedoch viel Geld und Ressourcen in die Ausbildung und Ausstattung investiert." lra