Main-Tauber

Vortragsabend der Wirtschaftsjunioren „Der Kunde der Zukunft – Wenn der Kühlschrank für mich bestellt“ / Vorteile der Digitalisierung überwiegen

In vielen Bereichen spielt die Zukunftsmusik schon

Künzelsau.„Daten sind das Gold der Gegenwart“ und „das Internet vergisst nichts“. Zwei Aussagen, die in der Diskussionsrunde der Wirtschaftsjunioren der Region, beim Vortragsabend in der Künzelsauer Volksbank, eine zentrale Rolle spielten und den Zuhörern deutlich vor Augen führten, dass eine gesunde Vorsicht im Umgang mit den sozialen Medien im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung durchaus angebracht ist.

Am Ende der Gesprächsrunde stand die Erkenntnis, dass sich durch die Digitalisierung sowohl für die Unternehmen als auch für den Verbraucher große Chancen eröffnen, für beide Seiten aber auch Risiken vorhanden sind, die man nach Möglichkeit nicht eingehen sollte. Klar wurde auch, dass dem gezielten Datenmissbrauch von außen kaum zu begegnen ist, denn noch stehen hinter vielen Fragen zu große Fragezeichen, die nicht zufriedenstellend beantwortet werden können. Die Experten drückten auch ihre Sorgen über die Geschwindigkeit der digitalen Transformation in der deutschen Wirtschaft aus und sie warnten davor, den Anschluss an die internationale Entwicklung nicht zu verpassen.

Mit der Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Der Kunde der Zukunft – wenn der Kühlschrank für mich bestellt“, boten die Wirtschaftsjunioren Heilbronn-Franken ein Podium, um die Chancen und Risiken des transparenten Kunden aus unterschiedlichen Perspektiven der Praxis zu beleuchten, Zukunftsentwicklungen in den Betrieben und Betriebsabläufen aufzuzeigen und Denkanstöße mit auf den Weg zu geben.

Den selbständig bestellenden Kühlschrank, der die Einkäufe erledigt, selbstverständlich exakt nach den Bedürfnissen und Vorlieben seines Besitzers, gibt es schon. Das Auto, das der Werkstatt den auftretenden Fehlercode meldet noch bevor wir selbst eine Störung bemerken, ist auch bereits auf dem Markt. Und dank Vorab-Check mit der Virtual Reality-Brille im Reisebüro birgt auch der nächste Urlaub garantiert keine bösen Überraschungen. Was in manchen Ohren vielleicht noch wie Zukunftsmusik klingt, ist in vielen Bereichen des täglichen Lebens bereits Realität.

Auch im Industriesektor ist das sinnhafte Bild des selbst bestellenden Kühlschranks längst keine Science Fiction mehr. Industrie und Handel verfügen über Systeme die darauf ausgelegt sind, Bedarfe des Kunden eigenständig zu erkennen und vollautomatisch zu agieren. Dies verändert die Anforderungen an Kundenkenntnis und Geschäftsmodelle grundlegend.

Was bedeuten diese Entwicklungen für Kunden und Unternehmen? Wie müssen sich Unternehmen verändern, um die Anforderungen des digitalisierten Kunden erfüllen zu können? Und warum sollte der Kunde die Hoheit über seine Daten und Entscheidungen abgeben in Zeiten, in denen Datenschutz immer stärker ins Bewusstsein rückt?

Bernd Herrmann, Mitglied der Konzernführung bei der Würth-Gruppe, Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Marco Metzger, Vertriebsleiter beim Autohaus Metzger und Dr. Enrico Purle, Professor für BWL - International Business, Industriegütermarketing und -vertrieb an der DHBW Bad Mergentheim, versuchten darauf schlüssige Antworten zu geben.

An der Tatsache, dass die immer rasanter voranschreitende Digitalisierung die Welt und die Lebensgewohnheiten verändert, führt kein Weg vorbei. Wie viele Daten der einzelne Bürger beim täglichen Umgang mit dem Smartphone und der Nutzung von Google, Facebook, Amazon, Alexa und Co. preisgibt, lässt sich schon ein wenig steuern und der Kunde muss ja nicht automatisch alle Annehmlichkeiten des Internets annehmen.

Die Experten warnten eindringlich davor, mit privaten Daten leichtfertig umzugehen. Eine Verbesserung des Datenschutzes versprechen sie sich durch die konsequente Umsetzung der gerade beschlossenen Datenschutz-Grundverordnung.

Einig war man sich, dass die Vorteile der Digitalisierung für Wirtschaft und Verbraucher überwiegen und sie mahnten an, bei der Umsetzung internationale Standards als Richtschnur zu nehmen. Eine gewisse Skepsis und eine kritische Grundhaltung im Umgang mit vertraulichen Daten, schade aber nicht.