Main-Tauber

Biodiversität Landkreis und Landschaftspflegeverband kämpfen um den Erhalt einer vielfältigen Natur

Intensive Nutzung; trägt zum Artensterben bei

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Der Main-Tauber-Kreis engagiert sich zusammen mit dem Kommunalen Landschaftspflegeverband und der Unteren Naturschutzbehörde seit vielen Jahren für die Erhaltung der biologischen Vielfalt auf den blumenbunten Magerwiesen in der Landschaft. „Allein im Jahr 2018 wurden rund 1800 Hektar Fläche gepflegt. Zur Umsetzung wurden rund 1,2 Millionen Euro an mehr als 200 verschiedene Landwirte, Naturschutzvereine und Privatpersonen ausbezahlt. Die Mittel werden für mehr als 200 Einzelmaßnahmen und im Rahmen von 314 Pflege- und Extensivierungsverträgen eingesetzt“, so Landrat Reinhard Frank.

Die Finanzmittel kommen hauptsächlich vom Land Baden-Württemberg und der Europäischen Union, aber auch vom Landkreis und den einzelnen Städten und Gemeinden, die sich finanziell an vielen Pflegeprojekten beteiligen.

Bei einem Vor-Ort-Termin im Tauberbischofsheimer Edelberg mit dem Geschäftsführer des Kommunalen Landschaftspflegeverbands, Lorenz Flad, und der stellvertretenden Geschäftsführerin Johanna Klebe hat sich Landrat Frank als Vorsitzender des Verbands über die aktuelle Situation informiert. Leider habe auch im Main-Tauber-Kreis die Zahl vieler Insektenarten wie Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken oder Käfer in der Kulturlandschaft rapide abgenommen, da die intensive Nutzung der Lebensräume nur wenigen Arten einen Lebensraum biete, erklärte Lorenz Flad. „Dies wurde in den vergangenen Jahren vielfach untersucht und veröffentlicht. Dennoch können langfristig die Vielfalt und der Artenreichtum in der Landschaft nur zusammen mit den Landwirten erhalten werden. Auch das vielfältige Mosaik an verschiedenen Lebensraumtypen ist über Jahrhunderte durch die kleinbäuerliche Bewirtschaftung dieser Flächen entstanden.“

Landrat Frank wies darauf hin, dass das Taubertal vor allem durch seine kleinräumig und extensiv bewirtschafteten Talhänge bekannt und als Region für sanften Tourismus beliebt ist. Die enorme Artenvielfalt, die hier vielerorts noch vorhanden ist, wird vor allem durch die zunehmende Nutzungsaufgabe gefährdet. Flächen, die nicht regelmäßig gepflegt oder genutzt werden, verfilzen mit Grasarten und verbuschen mit Schlehen- oder Hartriegelgebüschen. Dadurch werden die licht- und wärmebedürftigen Pflanzenarten verdrängt, und viele Vögel und Insekten finden dort keine Nahrung mehr.

„Hier liegt seit vielen Jahren ein Arbeitsschwerpunkt des Kommunalen Landschaftspflegeverbandes“, erklärte Vorsitzender Frank. „Wir versuchen, nicht mehr genutzte und bereits verbuschte Flächen wieder einer landwirtschaftlichen Nutzung zuzuführen und dadurch die typischen Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und eine Vernetzung der Lebensräume herzustellen. Dieser großräumige Biotopverbund ist vor allem dazu geeignet, der Verinselung der Biotope und damit dem immer schneller fortschreitenden Artensterben entgegenzuwirken“.

Im ersten Schritt wird im Winter die Verbuschung entfernt, und in den folgenden Jahren werden die Flächen durch Landwirte offen gehalten, die über so genannte „Pflege- und Extensivierungsverträge“ gefördert werden. Lorenz Flad ergänzte, dass sich verschiedene Weidetiere häufig als die idealen Landschaftspfleger erwiesen haben. „Die Tiere halten nicht nur die Flächen offen, sondern bieten auch gutes und regional erzeugtes Fleisch und bereichern die Landschaft für den Tourismus. Zusätzlich dienen sie als Transportvehikel für Pflanzensamen und Insekten und tragen damit zur Vernetzung der Biotope bei.“