Main-Tauber

Eingliederungshilfe Planungen für die künftige Wohnheim- und Werkstättenstruktur für Menschen mit Behinderung im Main-Tauber-Kreis wurden vorgestellt

Interkonfessionelles Projekt erster Güte

Die Dezentralisierung bei der Unterbringung und Beschäftigung von Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung schreitet im Main-Tauber-Kreis weiter voran.

Main-Tauber-Kreis. "Das ist ein Quantensprung in der Betreuung und Versorgung von Menschen mit Behinderung", freute sich Landrat Reinhard Frank bei der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr. Sozialdezernentin Elisabeth Krug bezeichnete die Realisierung der lange geplanten Angebote im südlichen Kreisgebiet als "supertolle Neuerung".

Eigentlich liegen die Fakten schon lange auf dem Tisch, doch nun schreitet die Umsetzung voran: Die Zentralisierung von Wohnheimen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung im mittleren Main-Tauber-Kreis soll weiter aufgebrochen werden. Dezentralisierung lautet das Schlagwort, das eine wohnortnahe Betreuung von Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung gewährleisten soll.

Vor zehn Jahren wurde mit dem Teilhabeplan I die Entwicklung eines bedarfsgerechten Angebots für Menschen mit geistiger Behinderung in den Blick genommen. Im Ergebnis kam dabei als erster Schritt ein neben dem bis dahin alleinig betrauten Caritasverband als Anbieter im Behindertenbereich mit der Johannes-Diakonie Mosbach ein zweiter Träger zum Zuge. Eine Tagesbetreuung für Erwachsene mit einem Senioren-, Förder- und Betreuungsbereich sowie eine Werkstatt entstanden im nördlichen Kreisgebiet in Wertheim. Es folgte im Jahr 2009 ein Teilhabeplan II für Menschen mit seelischer Behinderung, woraufhin eine Tagesstätte des Vereins für offene Psychiatrie am Standort Bad Mergentheim entstand. Die aktuelle Fortschreibung vom vergangenen Jahr reicht anhand vorhandener Daten bis zum Jahr 2024 und sieht ein über den gesamten Landkreis verteiltes bedarfsgerechtes Basisangebot vor, wobei die wachsende Zahl der Senioren mit Behinderung berücksichtigt wurde.

Deutlich stellte sich heraus, dass Angebote im Raum Bad Mergentheim fehlen. Hinzu kam die vorhersehbare Schließung der Alois-Eckert-Werkstätte in Gerlachsheim, bei der das Land die notwendigen Sanierungskosten als unwirtschaftlich eingestuft hatte. Auch das Haus St. Gertrud in Gerlachsheim, in dem 28 Menschen leben, wird aufgrund der neuen Heimbauverordnung, die nur noch eine Unterbringung von 24 Menschen pro Wohnheim vorsieht, geschlossen.

Dennoch, betont Matthias Fenger, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands im Tauberkreis, ziehe sich seine Organisation nicht komplett aus Gerlachsheim zurück. Erhalten blieben an diesem Standort im sogenannten Neubau aus den 1990er Jahren rund 35 Plätze im Berufsbildungsbereich, der zentral für den gesamten Main-Tauber-Kreis zuständig ist sowie eine Werkstatt mit rund 30 Arbeitsplätzen.

Die Bewohner von St. Gertrud werden in ein neu zu bauendes Wohnheim des Caritasverbands in Lauda auf dem Gelände der einstigen Gärtnerei "Stil und Blüte" umziehen. Zumindest 24 von ihnen. Die verbleibenden vier können in ein ebenfalls neu zu bauendes Wohnheim in Bad Mergentheim in Trägerschaft der Johannes-Diakonie Mosbach auf dem Gelände der ehemaligen Brauereigaststätte "Klotzbücher" umziehen.

Als Ersatz für die Alois-Eckert-Werkstätte (184 Werkstattarbeitsplätze) entsteht in Lauda eine Werkstatt auf dem i_Park Tauberfranken-Gelände mit 150 Arbeitsplätzen in Trägerschaft des Caritasverbands. Die fehlenden 34 Arbeitsplätze werden durch die Schaffung einer neuen Werkstätte in Bad Mergentheim mit 90 Plätzen im Gewerbegebiet "Am Ried" aufgefangen. Dorthin sollen auch die Werkstattplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung aus Gerlachsheim (37)vollständig und aus Tauberbischofsheim (19) teilweise verlegt werden.

Seniorenbereiche

Den Förder- und Betreuungsbereich übernimmt in Lauda die Johannes-Diakonie Mosbach, die für diese Aufgabe einen Gebäudeteil vom Caritasverband anmieten wird. In ihren Wohnheimneubauten in Lauda und in der Kurstadt Bad Mergentheim werden die jeweiligen Träger jeweils eine Seniorenbetreuung mit 15 Plätzen einrichten.

Wenn jetzt auch noch die Förderzusagen des Landes sicher auf dem Tisch liegen, kann die vorliegende Planung realisiert werden. "Das wäre eine sensationelle Nachricht", so Sozialdezernentin Elisabeth Krug. Wie Matthias Fenger vom Caritasverband informierte, wären das für die drei Bauten seiner Organisation 4,3 Millionen Euro, die in Aussicht stünden. Für die Johannes-Diakonie Mosbach liegt die bereits zugesicherte Fördersumme laut Pressesprecher Andreas Lang bei gut 1,2 Millionen Euro.

Zwei Träger zweier Konfessionen haben an dieser Planung eng zusammengearbeitet, gemeinsam geplant und kooperiert. "Man hat die Dinge unter einen Hut gekriegt und eine hervorragende Infrastrukturplanung ermöglicht, die viel Gutes und Segensreiches bringen wird", sagte Krug anerkennend.

Ideale Zusammenarbeit gelobt

Kreisrat Dr. Urban Lanig (CDU) lobte die ideale Zusammenarbeit der Kirchen und die gelungene Dezentralisierung. Sie sei entscheidend für eine flächendeckende Versorgung im gesamten Landkreis. Auf die Frage, wie hoch die Folgekosten den Kreishaushalt belasten werden, da es künftig dann 20 Wohnheimplätze mehr gebe, bekam er hingegen keine Antwort. Elisabeth Krug sprach lediglich davon, dass die Kosten der Eingliederungshilfe ohnehin jährlich um fünf Prozent stiegen und mit dem neuen Bundesteilhabegesetz noch weiter in die Höhe kletterten.

Den Sachstandsbericht nahm das Gremium einhellig zur Kenntnis.