Main-Tauber

Bechippung der Abfallbehälter Seit Anfang Mai werden graue, braune und blaue Tonnen mit Transpondern versehen / Künftig Gebührenbescheid statt Markenkauf

Jede Tonne wird passgenau zugeordnet

Archivartikel

Egal ob grau, braun oder blau – alle Abfalltonnen im Main-Tauber-Kreis werden seit einigen Wochen mit einem Chip versehen.

Main-Tauber-Kreis. Uwe Fischer ist seit Montag in Tauberbischofsheim unterwegs. Interessiert wird er beäugt, wenn er sich an den in der Fußgängerzone bereitgestellten Abfallbehältnissen zu schaffen macht. Gefragt wird er, wo der Chip genau angebracht wird, was da überhaupt gespeichert wird und wie das neue System genau funktioniert. Ab und an bekommt er auch Geschichten zu hören, was bei der Abfuhr ihrer Tonnen nicht geklappt hat.

Die Leute wissen nicht, dass Uwe Fischer nicht beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Main-Tauber (AWMT) angestellt ist, sondern beim vom Landkreis beauftragten Dresdner Unternehmen Moba. „Abends hat man Blumenkohl-Ohren“, berichtet Uwe Fischer über all die Fragen und Anmerkungen, die er den ganzen Tag zu hören bekommt.

Begonnen hat er die Bechippung der Abfallbehälter vor einigen Wochen in Creglingen. Von Süd nach Nord arbeitet er sich durch den Main-Tauber-Kreis. Freudenberg ist zum Schluss dran. „Bis Ende Juli soll die Aktion beendet sein“, informiert Dr. Walter Scheckenbach, Leiter des AWMT. Dann sollen, so sieht es der Vertrag mit der Firma Moba vor, 97 Prozent der 140 000 Tonnen im Landkreis erfasst und mit einem Chip versehen sein.

Nummer muss stimmen

Uwe Fischer hat einen Plastikbeutel, der mit schwarzen runden Kunststofftranspondern gefüllt ist, zwei Hämmer und ein quietschgelbes Lesegerät dabei. Zu seiner Ausstattung gehört zudem eine Unmenge von Aufklebern. Sie sind mit derselben Nummer versehen, die auf den zuvor von den Hausparteien aufgeklebten Stickern stehen. Außerdem ist bei ihnen ein Strichcode aufgedruckt. Hinterlegt sind dort der Name, die Straße und die Hausnummer desjenigen, der die Tonne bestellt hat.

Uwe Fischer vergleicht die Tonnennummer auf dem Sticker mit der auf seinem Aufkleber. Stimmt alles überein, klebt er die neue Kennung an die Seite der jeweiligen Tonne und schlägt den Chip mit dem Hammer auf der linken Unterseite unter der Öffnungsklappe in die dafür vorgesehene Mulde. Mit seinem Lesegerät „verheiratet“ er dann den Strichcode mit dem Chip – die Daten werden zusammengeführt.

„Sie werden dann ins Rechenzentrum eingespielt. Von dort aus gehen künftig auch die Gebührenbescheide an die Bürger“, so Walter Scheckenbach. Damit beim Start zum Jahresbeginn 2020 alles so rund wie möglich läuft, wird jeder Tonnennutzer im November einen Probegebührenbescheid erhalten. Auf dieser Grundlage kann er Tonnengröße und Adresse nochmals überprüfen und Fehler melden. Läuft das neue System, braucht niemand mehr eine Müllmarke zu kaufen. Die Provision für den Verkauf an die Kommunen fällt weg. Wenn die Müllwerker die Abfalltonnen am Fahrzeug befestigen, wird der Transponder erkannt. Hat jemand seine Gebühr nicht bezahlt, wird der Chip gesperrt und die Leerung gestoppt.

Vertauschen wird schwieriger

Durch den Transponder lässt sich jede Tonne ihrem Haushalt exakt zuordnen. Gerade in Mehrfamilienhäusern, in denen bisher Tonnen leicht vertauscht werden konnten, ist das von Vorteil. Erhält eine Biotonne wegen falscher Befüllung eine „rote Karte“, wird über die Nummer im Transponder festgestellt, wem sie gehört. Gerade bei vielen Wohneinheiten kann das von Vorteil sein, weil die Nichtleerung keinem anderen untergeschoben werden kann.

Datenbestand ordnen

Trotz allen Engagements und der Kooperation mit den Einwohnermeldeämtern der Kommunen ist der Aufwand riesig. „Wir müssen den Datenbestand erstmal auf die Reihe bringen“, räumt der AWMT-Leiter ein. Einige haben ihre Tonnen beim Umzug innerhalb des Kreisgebiets mitgenommen, andere diese dem Nachmieter überlassen, wieder andere aufgrund wechselnder Familienkonstellationen die Tonnengröße immer mal wieder geändert. Mit der Bechippung der Tonnen soll bis zum Jahresende Ordnung in den Datenwust gebracht werden. Das Gerücht, dass der AWMT vielleicht plane, den Müll künftig nach Gewicht abzurechnen, weist Scheckenbach klar zurück: „Das haben wir nicht vor.“

Aufklären kann er allerdings, warum nicht nur Männer, die es in alter Manier als Haushaltsvorstand gewohnt sind, die Post vom Amt zu erhalten, im Vorfeld der Bechippung vom AWMT angeschrieben wurden. Auch diese Arbeit habe das Rechenzentrum übernommen. Dort sei geregelt, dass die Post immer an das älteste Haushaltsmitglied geht. Das kann also auch mal die Oma sein.