Main-Tauber

Wahlkarussell Kreisjugendring hatte Veranstaltung im Gemeindehaus St. Bonifatius organisiert / Nur rund 40 Besucher kamen / Kaum Jugendliche anwesend

Kandidaten standen Rede und Antwort

Tauberbischofsheim/Main-Tauber-Kreis.Beim Wahlkarussell hatten sowohl interessierte Jugendliche als auch Erwachsene die Gelegenheit, sich vor Ort entweder im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die regionalen Kandidaten der vier aktuell im Bundestag vertretenen Parteien zu informieren oder sie in persönlichen Gesprächen direkt kennenzulernen.

"Neun von zehn Jugendlichen fühlen sich von Politikern nicht richtig vertreten", berichtete Simon Kurfeß, Vorsitzender des KJR Main-Tauber, aus einem Presseartikel der FN im Juli.

Allerdings würden sich nur vier Prozent der jungen Menschen eine andere Staatsform wünschen. Gleichwohl waren unter den gerade einmal rund drei Dutzend Gästen im Tauberbischofsheimer Gemeindehaus St. Bonifatius kaum jüngere Menschen zu sehen.

Teilnehmer der Podiumsgespräche, die von Alexander Schuck aus Wertheim moderiert wurden, waren Alois Gerig (CDU), Rolf Grüning (Die Linke), Dr. Dorothee Schlegel (SPD) und Charlotte Schneidewind-Hartnagel (Bündnis 90 / Die Grünen). Zudem präsentierten sich im Rahmen des "Wahlkarussells" neben diesen vier Parteien CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und die Linken auch die FDP, AfD, und ÖDP an Infoständen.

In einem Speed-Dating hatten zum Auftakt die vier Politiker jeweils in vierminütigen Kurzstatements die Gelegenheit, sich und unter anderem ihre politischen Ziele vorzustellen.

Gerig plädierte für eine sehr gute Infrastruktur im Ländlichen Raum mit Straßen und leistungsfähiger Breitbandversorgung sowie gebührenden Bildungseinrichtungen: Der Ländliche Raum habe sehr viel Potenzial, um Menschen aus den städtischen Räumen anzulocken. "Wir wollen die Verantwortung für die Welt verstärken und nicht nur verwalten", betonte Schneidewind-Hartnagel. Deshalb wolle ihre Partei weg von fossilen und hin zu regenerativen Energien.

"Sozial und gerecht in Frieden - Ungleichheit ist unsozial", gab Grüning als Devise aus. Fast eine Million Leiharbeiter sowie unzählige befristete Arbeitsverhältnisse seien weder sozial noch würden sie dem Frieden dienen. Auch deshalb wolle er sich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen.

Schlegel nannte als Ziele, die ihr besonders wichtig seien, unter anderem Dorfpatenschaften für Neuzugezogene im Ländlichen Raum, kostenfreie Kita-Plätze, die Unterstützung von Senioren durch bürgerschaftliches Engagement sowie berufliche Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Arbeit und Kinder für Frauen.

In einer anschließenden "Blitzlichtrunde" hatten die vier Politiker jeweils eine Minute Zeit, sich zu einem von Moderator Schuck vorgegebenen Stichwort zu äußern.

Das Asylrecht kenne keine Obergrenze, klar sei jedoch, dass Deutschland weder alle Menschen aufnehmen könne noch alle das Recht auf Aufnahme hätten, meinte Schneidewind-Hartnagel zum Thema "Integration und Obergrenze".

"Die Flüchtlingsbewegung hat uns alle überrascht und gefordert. Uns ist wichtig, dass humanitär geholfen wird", betonte Gerig.

Also auch dort, wo Ursachen für flüchtende Menschen liegen, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Schlegel bezeichnete "Obergrenze" als ein nicht menschenwürdiges Wort. Europa müsse sich auf mehr Entwicklungshilfe umstellen. Zudem spreche sich die SPD für ein Einwanderungsgesetz aus.

Dass weder das Asylrecht noch die Genfer Konvention den Begriff "Obergrenze" bei der Aufnahme von Flüchtlingen kenne, hob auch Grüning hervor. "Es ist viel geschehen und ist mit guten Programmen gelungen, den Menschen zu helfen", unterstrich er ebenfalls.

Als womöglich "Berufsrichtungen der Zukunft" nannten alle vier Politiker weitgehend übereinstimmend die Bereiche Technik und Innovation sowie Digitalisierung, die nicht nur "kluge Köpfe", sondern auch sehr viel Bildung voraussetzen würden.

"Wir müssen diese Berufsbilder besser bezahlen und für sie bessere Arbeitsbedingungen schaffen", forderte beispielsweise Schneidewind-Hartnagel zudem etwa für Berufe in der Alten- und Krankenpflege.

Dass auch Handwerk "goldenen Boden" haben werde, zeigte sich Gerig überzeugt. "Terror" und mögliche Gegenmittel sowie "Mobilität der Zukunft" waren weitere Stichworte bei dieser "Blitzlichtrunde". "Wir dürfen uns nicht nur auf E-Autos konzentrieren, vielleicht werden Wasserstofffahrzeuge bislang vernachlässigt", gab Grüning bei letzterem Thema zu Bedenken.

Neben emissionsfreier Mobilität als oberstes Ziel seien speziell auch im Ländlichen Raum intelligente Verkehrskonzepte für ÖPNV und Individualverkehr gefragt, meinte Schneidewind-Hartnagel.

Mobilität der Zukunft sei nicht nur Daseinsvorsorge für Menschen, erreichen zu können, was sie bräuchten, sondern gelte ebenso für die Wirtschaft beim Transport von Gütern, wies Schlegel hin. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir bis 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr auf den Straßen haben werden", zeigte sich Gerig skeptisch, der sich gleichwohl für eine verstärkte Zunahme der E-Mobilität aussprach sowie zudem, wie die anderen Diskussionsteilnehmer, den "Dieselskandal" harsch kritisierte.

Bei einer erneuten Podiumsrunde standen die vier Kandidaten für individuelle Fragen aus dem Plenum zur Verfügung, ebenso wie der anwesende Kandidat der ÖDP, Herbert Alexander Gebhardt.

Diese Frage- und Antwortrunde war zugleich Abschluss dieser Veranstaltung.

Sie hätte insbesondere aufgrund ihrer schwungvollen Art und relativ ungezwungenen Gestaltung sicherlich mehr Besucher verdient gehabt. pdw