Main-Tauber

Partnerlandkreis Bautzen Eine Delegation aus dem Main-Tauber-Kreis war bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen nach Sachsen gereist

Machtwort besiegelte „Eheschließung“

In einer Feierstunde blickte der Partnerlandkreis Bautzen auf sein zehnjähriges Bestehen zurück. Eine Delegation aus dem Main-Tauber-Kreis feierte mit.

Main-tauber-Kreis/Bautzen. Es war eine Feierstunde der besonderen Art, die kürzlich im Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen stattfand. Geladen hatte der Landkreis Bautzen zur Festveranstaltung anlässlich seines zehnjährigen Bestehens seit der Kreisreform 2008. Gekommen waren zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen des täglichen Lebens, unter ihnen auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie die Partnerlandkreise des Landkreises Bautzen.

Erster Landesbeamter Dr. Ulrich Derpa führte die Delegation aus dem Partnerlandkreis Main-Tauber an. Er verwies darauf, dass die Partnerschaft zum Main-Tauber-Kreis die älteste des Landkreises Bautzen ist. Der Kontakt mit dem Altkreis Bautzen war auf Initiative des damaligen Landrats Georg Denzer zustande gekommen.

Rückblick mit Augenzwinkern

Im November 1990 schlossen die Landkreise Bautzen und der Main-Tauber-Kreis in Bad Mergentheim feierlich ihre Kooperationsvereinbarung. „Seitdem gab es viele Besuche und Treffen der beiden Kreistage“, erinnerte Derpa. Sein Vorgänger im Amt des Ersten Landesbeamten, Jörg Hasenbusch, war in den 1990er Jahren für einige Zeit nach Sachsen ins Staatsministerium des Innern abgeordnet. Derpa selbst hat die ehemaligen Kreise Kamenz und Bautzen sowie die Stadt Hoyerswerda bereits mehrfach dienstlich und privat besucht.

Die Gäste der Festveranstaltung bekamen entsprechend der Ankündigung von Landrat Michael Harig ein bunt gemischtes, humorvoll zugespitztes und mit einem Augenzwinkern zu betrachtendes Festspiel in drei Akten mit dem Titel „Drei sind (k)einer zuviel“ zu sehen.

Im ersten Akt ging es um die 2008 stattgefundene „Hochzeit“ der drei ehemals wenig voneinander überzeugten Partner Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda. Neben dem Machtwort aus Dresden, welches letztlich für die „Eheschließung“ 2008 verantwortlich war, wurden die anfänglichen Differenzen und Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung im Kreistag süffisant mittels einer „Kasperle-Theater“-Vorstellung erläutert.

Festspiel mit besonderer Würze

Für die besondere Würze des Festspiels sorgten immer wieder die beiden Protagonisten Helene und Pauline, die mit ihren kritischen Einwürfen und Erklärungen quasi die Stimme des Volkes widerspiegelten. Verkörpert wurden die Puppen von Schauspielern des Theaters.

Im zweiten Akt, der „Leistungskontrolle“, übernahmen Helene und Pauline dann auch gleich die Federführung und fragten im Rahmen einer Schulstunde nach den seit 2008 erledigten Dingen in Sachen Hochbau, Straßenbau und nach Erfolgsgeschichten aus anderen Bereichen der Verwaltungstätigkeit. Die „Schüler“, Landrat Harig und Dirk Albers von der Kreissparkasse Bautzen, der als Co-Moderator den Landrat unterstützte, konnten schnell beweisen, dass sie die Kontrolle bestanden haben. Nur ein Manko – die fehlende Landkreis-Flagge – wurde ihnen angekreidet.

Aber auch hier wussten Helene und Pauline Rat und zauberten kurzerhand einen Vorschlag aus der Tasche, der alle Kritiker zufrieden stimmen dürfte: Die blau-gelb-karierte Variante nämlich, bei der kein Streit mehr darüber aufkommen kann, welche Farbe oben und unten angeordnet werden muss. Als Krönung der bestandenen Kontrolle durfte Michael Harig die Flagge als Umhang tragen und wurde als „Super-Micha“ betitelt.

Blick in die Zukunft

Im dritten Akt folgte ein Blick in die Zukunft des Landkreises, den Helene und Pauline in ihrer Funktion als Hellseherinnen übernahmen. Es sieht gut aus für den Landkreis, in den zumindest nach den Worten von Helene und Pauline demnächst Daimler seinen Hauptsitz verlegen wird und damit den Standort Kamenz weiter stärkt.

Auch für die Bürger sollte es in Zukunft viel einfacher werden, mit der Verwaltung zu korrespondieren. Durch die Einpflanzung eines Chips im Gehirn müssen Beschwerden, Anträge und Fragen nur noch gedacht werden und gehen dann direkt im Landratsamt ein. Den Höhepunkt des Festaktes bildete die Premiere des neu entstandenen Imagefilms über den Landkreis. Verschiedene Facetten des Lebens, der Traditionen, Vielfalt und Fortschrittlichkeit werden dargestellt, sollen Emotionen und natürlich Interesse für den Landkreis wecken.

Aus Anlass der Feierlichkeiten zu zehn Jahren Landkreis Bautzen waren an dem Festwochenende auch die Bautzener Partnerlandkreise zu Gast. Ein Besuchsprogramm ermöglichte den Gästen aus Alzey-Worms, Cham, Main-Tauber, Zlotoryja und Boleslawiec das Kennenlernen der Besonderheiten des Landkreises, seiner Kultur und Tradition und bot gleichzeitig die Gelegenheit zum Austausch auf Arbeitsebene in ungezwungener Atmosphäre.

Umfangreiches Besuchsprogramm

Während ihres Besuchsprogramms im Landkreis Bautzen wurden die polnischen und die deutschen Gäste von Mitarbeitern der Bautzener Kreisverwaltung begleitet. Es bestand Gelegenheit, sich über die Geschichte des Bautzener Domes zu informieren. Besonders interessant für die polnischen Gäste war der Besuch im sorbischen Museum, der Interessantes zur Herkunft und Geschichte der sorbischen Minderheit vermittelte und zahlreiche, vor allem sprachliche Gemeinsamkeiten zutage förderte.

Weiter konnten die Besucher Wissenswertes zur Pulsnitzer Pfefferkuchenherstellung und -Tradition sowie zum Blaudruckhandwerk erfahren. Beim Rundgang durch das Senfmuseum erfuhren die Gäste alles rund um die Herstellung, die Herkunft und die mittlerweile zahlreichen Geschmacksrichtungen des Bautzener Senfs.

Damit ging ein abwechslungsreiches Fest- und Besuchswochenende im Landkreis Bautzen zu Ende, das geprägt war von Begegnungen, Erfahrungsaustausch, Entdeckungen und Zukunftsplanungen – ein Wochenende passend zum zehnjährigen Landkreisbestehen. lra