Main-Tauber

Rosina Barbara Meinhard Ururenkelinnen erkundeten Spuren der 1854 nach Amerika ausgewanderten Queckbronnerin

Mit vielen Eindrücken ging es zurück in die USA

Archivartikel

Die Heimat der Ururgroßmutter Rosina Barbara Meinhard erkundeten drei amerikanische Schwestern, nachdem sie in Queckbronn fündig geworden waren.

Weikersheim. Einen perfekt strahlenden Tag haben die drei Schwestern Donna Webster, Ellen Yelch und Lynne Mellin für ihre familiäre Forschungsreise erwischt. Aus Baltimore (Maryland) und Berlin (New Jersey) sind die Schwestern gemeinsam mit einer Gruppe US-amerikanischer Hobby-Familienforscher angereist, um vom „Basislager“ in Veitshöchheim aus die Heimat der Ururgroßmutter Rosina Barbara Meinhard zu erkunden.

Die stammte, so viel haben die Schwestern über in der Familie weitergereichte Dokumente, genealogische Register und Recherchenetzwerke herausgefunden, aus Queckbronn bei Weikersheim. Der Ort ist zwar klein, verzeichnet aber keinen Familiennamen mehr, der auf unmittelbare Verwandtschaft schließen lassen würde. Dennoch wurden die Schwestern dank mehrerer an die Kommune und Vereine gerichtete Anfragen, die dann seit März von Hand zu Hand weitergereicht worden waren, fündig. Einige der fremden Verwandten – unter anderem Friedl Bach, Julia und Margit Ruck und Gerlinde Schmidt – lernten sie jetzt kennen.

Auch, wenn ein Ozean und eine sehr lange Zeit ohne wirkliches Wissen umeinander die Familienzweige lange voneinander fern gehalten hatten: Irgendwie, so zumindest erlebten es unbeteiligte Beobachter, gibt es in Familien auch nach generationenlangen Kontaktpausen und trotz unterschiedlicher Sprachen Familienbande. Spannend. Was prägt da? Gene? Ein gemeinsames soziales Wurzelwerk? Das teilten zu der Zeit, als Rosina Meinhard ihre Heimat verließ, viele: Um 1850 waren die Zeiten alles andere als rosig. Vier, vielleicht sogar fünf Kinder – drei waren bereits kurz nach der Geburt verstorben – musste der Queckbronner Gütler Johann Johann Georg Meinhard gemeinsam mit seiner Frau Maria Margaretha, einer geborenen Jäger, durchbringen.

Rosina, die nach Sohn Johann Albrecht Zweitgeborene, brach als 26-jährige über Frankreich auf in die Neue Welt. In Le Havre schiffte sie sich auf der „Inventa“ für die Reise in eine ungewisse Zukunft ein. Über welche Stationen sie den französischen Hafen erreicht hatte, wie lange sie auf die Passage warten musste, bleibt ungeklärt. Vielleicht, so legen es die Nachforschungen anderer Familien nahe, hieß das Schiff auch ganz anders: Der Dreimast-Segler „Juventa“ der Eastern Star und Black Biamond-Linie beförderte 1854, als sich auch Rosina Meinhard auf den Weg machte, zahlreiche Auswanderer ins Land der, so hofften alle Auswanderer, unbegrenzten Möglichkeiten.

Klar ist, dass sie ab 1870 in Baltimore lebte, sich und ihren Sohn Georg Ludwig Meinhard als Händlerin von Gebrauchtwaren, teilweise als Schrotthändlerin durchschlug. Mehrere Adressen in Baltimore sind verzeichnet, ab 1900 zählte sie als Haushaltsvorstand. Zuletzt lebte sie bis zu ihrem Tod im Mai 1911 verwitwet – vom Ehemann ist nichts überliefert – bei ihrem Sohn.

Gut vorbereitet

Für Donna Webster und ihre beiden Schwestern Ellen Yelch und Lynn Mellin war eigentlich von Kind auf klar, dass sie sich irgendwann auf die Suche nach Verwandten in Deutschland machen würden: Ihre Großmutter Edith Wirth hatte den Enkelinnen immer wieder von Deutschland, deutscher Küche, deutschen Bräuchen vorgeschwärmt, Weihnachten feierte man nach deutscher Sitte. Fast unvermeidbar war also, dass die Mädchen in der Highschool in der Stadt mit ihrer großen deutschsprachigen Community Deutschkurse belegten und als Jugendliche die nahezu obligatorische mehrwöchige Deutschland-Reise absolvierten. Alle drei hatten danach beschlossen, unbedingt wiederzukommen, in Ruhe nach Verwandten Ausschau zu halten und unbedingt auch dem Herkunftsort der Queckbronner Ahnfrau einen Besuch abzustatten.

Jetzt – inzwischen selbst Großmütter, die ihren Enkeln das eine oder andere über Deutschland zu vermitteln versuchen – setzten sie den Plan gemeinsam um und schnupperten „Heimatluft“ in Weikersheim und Queckbronn.

Wie klein und bescheiden man lebte zur Zeit von Rosina Meinhards Jugend, verdeutlichte Stadtführerin Ursula Schulz im um 1800 erbauten Häckerhaus in der Weikersheimer Altstadt, das seit 2009 den Weltladen beherbergt. Zwei Familien teilten die niedrig gebauten kleinen Zimmerchen, Stall und Werkstatt. Die Gäste staunten, fragten, bewunderten die pittoresken Gassen. In der Stadtkirche tatsächlich den Namen des Pfarrers zu finden, der ihre Ahnherrin getauft haben muss – Georg Wilhelm Friedrich Meister wird hier als Stadtpfarrer und Dekan genannt – und auch den Taufstein, über den das Kind gehalten wurde, zu sehen und berühren zu können, erlebten sie als sehr emotional.

Ganz groß wurden die Augen im Schloss, wo Doris Heiligers sie im Rahmen ihrer Führung auf die Bildtafel an der Prunkuhr aufmerksam machte: Im Gelben Haus ist Fridl Bach, Urenkelin eines Bruders der ausgewanderten Rosina Meinhard, aufgewachsen. Ihr Vater Friedrich Bach war dort Parkwächter, ihrer Mutter Anna, einer geborenen Memmhardt - die Schreibweisen des Familiennamens änderten sich mehrfach – war es gar nicht recht, dass die Tochter täglich einen so weiten Schulweg zurücklegen musste. Selbst im Weikersheimer Schloss noch Familienspuren zu finden: faszinierend.

Wie eine kleine Gütlerfamilie lebte und arbeitete, konnten die drei Schwestern Donna, Ellen und Lynne anschließend im Dorfmuseum in Erfahrung bringen. Die dort präsentierten Stuben, die Küche und etliches Mobiliar stammen aus der Zeit, als Rosina Barbara sich für die Auswanderung entschied. Gemeinsam mit den hiesigen Verwandten erkundeten die drei sehr interessierten Gäste die Lebensumstände der Vorfahren. Zu schade fanden sie es, dass sie beim Museumsfest am 17. Juni, wenn die Vergangenheit sozusagen lebendig wird, nicht dabei sein können.

Doch auch so nehmen die drei Schwestern jede Menge Eindrücke mit. Ganz sicher werden auch sie ihren Enkeln einiges über Deutschland vorschwärmen – und sicher dafür sorgen, dass die erneut angeknüpften Familienbande mindestens in Brief- oder E-Mail-Beziehungen ausgebaut werden.