Main-Tauber

Besondere Impulse Der christliche Liedermacher Christoph Zehendner aus Triefenstein hat mit „Was zählt“ eine neue CD herausgebracht

Musikalisches Bekenntnis des Glaubens

Archivartikel

Tiefe, geistliche Lieder, die die Weisheiten des Lebens vereinen: Auf der neuen CD von Christoph Zehendner finden sich Songs über den Glauben als Kern des Lebens.

Triefenstein. Die Klosterkirche mit ihrer barocken Pracht ist ein ruhiger Raum. Eine angenehme Stille umfängt den Besucher im Kloster Triefenstein, das die evangelische Christusträger-Bruderschaft seit drei Jahrzehnten zu einem Ort der inneren Einkehr macht. Räume schaffen, in denen Menschen Gott begegnen können und sich selbst: Diese wohltuende Rückzugsmöglichkeit schätzt Christoph Zehendner an seiner neuen Wirkungsstätte. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn sich das Tor hinter mir schließt.“

Ruhige und getragene Lieder mit christlichem Hintergrund als Impulse für den Glauben hat er auf der neuen CD „Was zählt“ vereint. Daneben sind bewegende und berührende Songs entstanden. „Ich möchte sagen und singen, was mir wichtig ist“, beschreibt er seine Herzensangelegenheit. „Fromm klingen“ ist seine Sache nicht. Aber der gläubige Christ betont: „Die Beziehung zu Gott gehört wie das Atmen zum Leben.“

Inspiration findet der 57-Jährige im Persönlichen: In Menschen, die ihn bewegen, berühren, aufwühlen. Sie begegnen einem in den Songs. Etwa beim Titellied „Was zählt“. Der Refrain ist ein Ausspruch von Mutter Teresa, die ein Freund in Indien in den 1990er Jahren getroffen hat. Sie hatte dem Geistlichen damals mit auf den Weg gegeben, „es kommt auf die Liebe an, mit der wir handeln.“

Inniges Gebet

Als inniges tiefes Gebet empfindet er „Deine Schönheit“. Emotional berührt war Zehendner, als er „Tapferer Bruder“ geschrieben hat – entstanden nach einem Pogrom an indischen Christen, die Folter und Qual erdulden mussten. Als Reporter war er damals für das Deutschlandradio in Indien. Nun hat er für sein kürzlich erschienenes Buch „Namaste – du bist gesehen“ viele Freunde wiedergetroffen. Und viele Ideen und Impulse von außen für die neue CD umgesetzt.

Die zwölf neuen Werke aus seiner Feder werden ergänzt vom Klassiker „Unser Vater“, der fast schon ein eigenes Glaubensbekenntnis ist. Dass sich dieses Lied, entstanden vor 25 Jahren, so verbreitet, hätte er selbst nicht erwartet, sagt der Wortkünstler.

In nur drei Tagen haben der 57-Jährige und eine Liveband die Stücke eingespielt, die von Ralf Schuon komponiert wurden. „Für den musikalischen Aspekt hole ich mir Profis“, meint Zehendner lächelnd. Eingängige Melodien, getragen, jazzig oder lebendig: Peppig und frisch sind die Lieder, die zum Mitsingen animieren. Und das will der Liedermacher auch. Zu den meisten seiner Lieder gibt es vierstimmige Chorsätze. „Ich will andere zum Singen motivieren.“ Das ist für Christoph Zehendner auch eine Form, den Glauben weiterzugeben. Mittlerweile sind über 300 Songs aus seiner Feder veröffentlicht und seit der ersten Platte 1981 über 20 Alben erschienen, darunter auch Werke für und mit Kollegen oder auch Chören.

„Kein drohender Zeigefinger“ stecke in den Songs, sagt er, sondern die Botschaft der Liebe, des Vertrauens auf Gott und den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Die findet der langjährige Radioredakteur nun in Triefenstein. Vor sieben Jahren hat der landespolitische Korrespondent den Platz im Stuttgarter SWR-Studio mit einem Arbeitszimmer hoch über dem Main, gleich neben dem des Priors eingetauscht. Dem Ruf der Christusträger gefolgt zu sein hat er nie bereut, betont er mit einer großen inneren Zufriedenheit. „Wir haben viele gemeinsame Fäden.“

Den Glauben leben

„Ich bin in einer Atmosphäre, wo das Gebet den Tag gliedert“, kann Zehendner, der in Marburg Theologie studiert hat und als Prädikant aktiv ist, seinen Glauben leben. Und seine Fähigkeiten einsetzen. Denn die 14 Brüder der Christusträger, von denen einige das Rentenalter schon erreicht haben, stehen vor dem Prozess der Umstellung. Nachwuchs findet sich kaum. „Die Arbeit an diesem lebendigen Ort soll auf mehrere Schultern verteilt werden“, so Zehendner. Hier will er seine vielfältigen Kontakte nutzen. „Ich habe eine große Freiheit, aber auch eine hohe Mitverantwortung“, ist er sich bewusst.

Wer die Nähe zu Gott sucht, kann sie im Kloster finden. „Wir stärken die Menschen für ihren Alltag“, sagt Zehendner über das Ziel der vielfältigen Veranstaltungen der Christusträger. Dazu zählen Seminare und Freizeiten, in deren Vorbereitung er stark eingebunden ist. Unter anderem soll im nächsten Jahr Samuel Koch kommen. Neben der Gästearbeit gehört auch die Öffentlichkeitsarbeit zu seinem Metier.

„Ich spüre, dass ich hier hingehöre“, fühlt sich der 57-Jährige als Teil der Gemeinschaft. Als ihn 2011 der Ruf der Christusträger-Bruderschaft ereilte, konnten er und seine Frau Ingrid, die als Kunsttherapeutin im Kloster aktiv ist, erst einmal nur einen Zeitraum von etwa drei Jahren überblicken. Mittlerweile sind es sieben geworden, die beiden haben in Trennfeld ein Haus gebaut. „Wir haben unseren Platz gefunden“, spricht der Vater von zwei erwachsenen Kindern von einer wichtigen und existenziellen Berufung. Der kann er als Prediger, Referent und als Sänger bei zahlreichen Konzerten nachkommen. An den Wochenenden ist er oft auf Konzertreisen.

Ein Notizblock für Einfälle ist immer in der Nähe. Im Büro steht die Gitarre stets griffbereit. Der braune Koffer hat schon viele Konzertreisen mitgemacht. 70 bis 80 Veranstaltungen stehen jährlich in Zehendners Terminkalender, aktuell führt ihn eine Tour nach Rumänien sowie nach Spanien. Und wenn es ihm zuviel wird, kehrt er in die Stille des Klosters zurück und weiß, dass er angekommen ist.