Main-Tauber

Bäcker-Innung Brotprüfung fand in der Kundenhalle der Volksbank Main-Tauber in Tauberbischofsheim statt

Musterbeispiele für handwerkliche Qualität

Main-tauber-Kreis.Acht Bäckereien stellten sich mit 57 Brot- und 26 Brötchensorten der traditionellen Brotprüfung in der Kundenhalle der Volksbank Main-Tauber in Tauberbischofsheim. Die Backwaren, so waren sich alle einig, sind Musterbeispiele für Qualität und handwerkliches Können – und sie repräsentieren ein Stück Heimat.

Brot ist nicht gleich Brot: „In Deutschland gibt es mehr als 1000 Rezepturen für Brot“, hob Roland Rücker, bis vor kurzem noch Obermeister der Bäcker-Innung und zusammen mit Angelika Gold und ihrem Team von der Kreishandwerkerschaft Organisator der Brotprüfung, hervor. „Deutschland ist weltweit Brotland Nummer eins, und die deutsche Mannschaft ist Weltmeister im Backen.“ Die Bäckereien im Main-Tauber-Kreis griffen stets auf regionale Produkte zurück und verwendeten bei der Herstellung keine künstlichen Zusatzstoffe.

Das Korn und das daraus gewonnene Mehl sei jedes Jahr anders und stelle jedes Mal eine Herausforderung für die Bäcker dar. In diesem Jahr habe die Ernte dank einer langanhaltenden Trockenphase „stressfrei“ durchgeführt werden können. Das Mehl dürfte deshalb eine gute Qualität haben, die sich auch auf Brot und Brötchen auswirken werde. Abschließend freute sich Roland Rücker, dass sich acht Betriebe dieser traditionsreichen, freiwilligen Selbstkontrolle, die es im Kreis seit rund 50 Jahren gibt, gestellt haben.

„Die Brötchen werden frisch, das heißt spätestens drei Stunden nach dem Backen, geprüft, die Brote erst einen Tag nach der Herstellung“, erläuterte Prüfer Ernst Schwefel vom Institut für Qualitätssicherung von Backwaren das Procedere der Brotprüfung. Die Backwaren würden dann nach folgenden Kriterien beurteilt: Form und Aussehen; Oberfläche und Kruste; Lockerung und Krumenbild; Struktur und Elastizität; Geruch sowie Geschmack. „Der wichtigste Faktor ist natürlich der Geschmack“, erläuterte Schwefel weiter. „Wenn es nicht schmeckt, kann das Produkt nicht mehr die Note sehr gut erreichen.“ Wenn Bäckereien drei Mal hintereinander diese Bestnote erhalten, werden sie mit einer Gold-Auszeichnung dekoriert, als Nachweis für konstante Top-Qualität.

„Ich freue mich, das wir heute in unserer Kundenhalle den würdigen Rahmen für diese Traditionsveranstaltung bieten können“, stellte Robert Haas, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank Main-Tauber, fest. „Unsere Bankgenossenschaft ist seit je her mit dem Handwerk eng verbunden.“ Das Handwerk, so Haas weiter, sei ein unverzichtbarer Bestandteil der Region und gerade die frischen Backwaren seien aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken. Haas: „Sie sorgen mit ihren tollen Produkten für Lebensqualität.“

Kunden stehen in der Pflicht

Allerdings sprach Robert Haas auch die widrigen Rahmenbedingungen an, die Bäckereien genauso zu schaffen machten wie dem Einzelhandel allgemein und auch dem Bankensektor. „Während die Bäcker sich vornehmlich gegen die Discounter mit ihren Back-Shops durchsetzen müssen, müssen sich der Einzelhandel und die Banken gegen Online-Konkurrenz behaupten.“ Ein Problem das alle betreffe, sei der Fachkräftemangel.

Der stellvertretende Vorstandsvrsitzende der Volksbank Main-Tauber nahm aber auch die Kunden in die Pflicht. Sie stimmten mit den Füßen ab, wer sich am Markt behauptet. „Es hilft nicht die fehlende Infrastruktur zu beklagen, wenn man gleichzeitig vornehmlich im Internet einkauft“, meinte Haas. „Wenn man ausgezeichnete Qualität genießen will und noch dazu eine kompetente Beratung haben will, dann muss man eben in den Laden vor Ort gehen.“ Nur so stärke man die Infrastruktur in der Region und letztlich auch das eigene Wohl.

Den Spielball nahm Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn/Franken, auf: „In den letzten zehn Jahren sank im Kammerbezirk die Zahl der Bäcker von 239 auf 191, im Main-Tauber-Kreis von 44 auf 35.“ Neben ausbleibender Kundschaft nannte Schnörr noch fehlenden Nachwuchs und Fachkräftemangel als Ursachen für das Bäckerei-Sterben. „Was mich positiv stimmt, ist, dass die ’Geiz ist geil’-Mentalität nicht mehr so stark in den Köpfen der Menschen verankert ist“, sieht Schnörr eine positiven Trend, von dem gerade die Bäcker profitieren könnten. „Die Leute sind mittlerweile bereit, für Qualität mehr auszugeben. Gute Produkte dürfen gern auch etwas teurer sein.“ Wer auf hochwertige Erzeugnisse setzt, dem brauche vor der Zukunft nicht bange zu sein.

„Die hier zur Bewertung ausgestellten Backwaren sind tolle Produkte der freilaufenden Art, während es bei anderen Anbietern eher Erzeugnisse der Käfighaltung sind“, zog der frischgebackene Obermeister der zusammengelegten Innungen Bäcker und Metzger, Jürgen Sendelbach, einen Vergleich zu einer anderen Lebensmittelbranche. Das Brot vom Bäcker schmecke nicht nur abends noch genauso gut wie am Morgen, sondern könnte auch noch in den darauffolgenden Tagen verzehrt werden.

Er hoffe, dass die Kunden dies honorieren, damit es auch noch in der Zukunft kleine Handwerksbetriebe geben wird. Jürgen Sendelbach: „Ich hoffe, dass wir unseren Enkeln nicht erzählen müssen, dass es früher Bäcker und Metzger gegeben hat, sonden, dass sie sie noch selbst kennenlernen.“

„Für mich hat die Brotprüfung einen hohen Stellenwert“, sagte der Bürgermeisterstellvertreter Gerhard Baumann. „Für mich kommt nichts anderes in die Tüte als Produkte vom Bäcker.“ Er habe ein Jahresabo beim Bäcker seines Vertrauens und werde immer gut bedient.

Folgende acht Bäcker stellten sich der freiwilligen Selbstkontrolle: Rücker (Nassig), Steinruck (Dörlesberg), Seubert (Külsheim), Schmidt (Boxberg), Göpfert (Wertheim), Berberich (Gissigheim), Bächtle (Wittighausen) und Ötzel (Reicholzheim).