Main-Tauber

Weiterentwicklung Kloster Bronnbach Kreistag fasste bei zwei Gegenstimmen Baubeschluss für Bursariat II sowie der Fruchtscheune / Kosten 5,64 Millionen Euro

Ohne strenges Kostenmanagement geht es nicht

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis/Bronnbach.Muss man wirklich B sagen, wenn man zuvor A gesagt hat? Und wenn ja, wie groß muss dann dieses B sein oder genügt auch ein kleines b? Im Grunde stand die Erörterung und Beantwortung – durch Beschlussfassung – dieser beiden Fragen im Mittelpunkt der Thematik rund um die Sanierung, Neugestaltung und Verpachtung von Bursariat und Fruchtscheune im Kloster Bronnbach (wir berichteten) in der Kreistagssitzung am Mittwoch in Tauberbischofsheim.

„Wir fügen unserem Diadem eine neue Perle hinzu“, verkündete Landrat Reinhard Frank blumig und euphorisch bei der Vorstellung des Projekts. Und in der Tat ist es ein ambitioniertes und, wie bei einem Schmuckstück zumeist üblich, auch teures Unterfangen. Die Gesamtkosten von rund 5,64 Millionen Euro netto (6,79 Millionen Euro brutto) sind kein Pappenstiel. Das hoben auch die Redner aller Fraktionen hervor und betonten, dass es sich um eine freiwillige und nicht um eine Pflichtaufgabe handle. Und so verknüpften alle mit ihrer Zustimmung gewisse Zugeständnisse, Forderungen und Bedingungen.

Das meist verwendete Wort in den Stellungnahmen der Kreisräte lautete „Einsparungen“. Auch Manfred Schaffert von der CDU-Fraktion schrieb das dem Landrat ins Stammbuch. Sowohl im Personalbereich als auch im Kulturbetrieb müsse besser gehaushaltet werden, so dass die Ausgaben geringer sind und somit auch das Defizit kleiner ausfällt. „Es kann nicht sein, dass bei zwei Veranstaltungen, Kreuzgangserenade und Weihnachtsmarkt, ein Minus von rund 20 000 Euro eingefahren werde“, machte Schaffert deutlich. Auch gebe es im Marketingbereich Einsparpotenziale, indem man Synergieeffekte nutze. Weiter forderte er, dass sowohl der Klosterladen, wie es auch in Schöntal der Fall sei, als auch die Vinothek kostendeckend arbeiten. Das derzeitige jährliche Minus von rund 1,5 Millionen Euro im Gesamtbetrieb müsse auf rund 900 000 Euro gesenkt werden.

Im Hinblick auf den Pachtvertrage meinte er, dass die einseitige Kündigungsklausel durch den Pächter nicht hinnehmbar sei. Hier gelte es, auf Dauer für beide Seiten vertretbare Konditionen auszuhandeln.

„Wir können uns auch kaputt sparen“, gaben Renate Gassert (SPD) und Gunter Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) zu bedenken. Gassert meinte, dass der Landkreis mit dem Pächter auf einem guten Weg sei. „Der gastronomische Betrieb wächst und gedeiht und wird von der Bevölkerung gut angenommen.“ Deshalb müsse man beim Pachtvertrag mit Bedacht vorgehen, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen. Gunter Schmidt war es ein Anliegen, dass der kulturelle Betrieb durch die personellen Einsparungen nicht zu stark eingeengt werde. „Wir sollten eine gesunde und gute Balance zwischen Gastronomie- und Kulturbetrieb anstreben, denn wir haben viel investiert und das lohnt nur, wenn die Gäste ein breites Angebot vorfinden.“ Klaus Kornberger (Freie Wähler) plädierte dafür, den Kulturbogen von Weikersheim bis Bronnbach zu spannen und ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Beim Pachtvertrag solle man den Dialog suchen. Auch forderte er, sich bei der Laufzeit an den Abschreibungsspannen zu orientieren.

Josef Morsschheuser (CDU) sah in dem „sehr günstigen Pachtvertrag“ eine versteckte Subvention für den Gastronomen. „Das ist nicht gerecht gegenüber den anderen Hoteliers und Gastwirten und ist meiner Ansicht nach unlauterer Wettbewerb.“ Diese Kritik wollte Landrat Frank nicht unkommentiert stehen lasse: „Die Gegebenheiten sind für einen Hotel- und Gastronomiebetrieb nicht ideal, dem müssen wir Rechnung tragen.“

Letztendlich fasste der Kreistag den Baubeschluss Bursariat II bei zwei Gegenstimmen (Morschheuser und Flasbeck). In den Pachtvertrag wird ein beidseitiges Kündigungsrecht aufgenommen.