Main-Tauber

„Frühe Hilfen“ Jugendamt und freie Träger der Jugendhilfe bieten einen bunten Strauß an Beratungen

Präventive Angebote für junge Familien

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Das Bundeskinderschutzgesetz schreibt sie vor, der Landkreis hat sie umzusetzen: Information der Eltern über Unterstützungsangebote in Fragen der Kindesentwicklung und das Erstellen von Rahmenbedingungen für verbindliche Netzwerkstrukturen im Kinderschutz. „Frühe Hilfen“ heißen diese Aufgaben kurz. Martina Knödler. Leiterin der Sozialen Dienste des Jugendamts, erläuterte dem Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch im neuen Sitzungssaal von Haus IV, wie vielfältig diese Hilfen sind.

Zum Jahresbeginn ist die befristete Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ in eine Bundesstiftung umgewandelt worden, die pro Jahr 51 Millionen Euro ausschüttet. Dem Main-Tauber-Kreis stehen davon 50 000 Euro zur Verfügung. Der Main-Tauber-Kreis selbst stellt für Einzelhilfen und Sachkosten 72 000 Euro jährlich bereit. „Die Pflege und Erziehung von Kindern ist Aufgabe der Eltern, der Staat hat lediglich eine Wächterfunktion“, so Knödler einleitend. Dem Jugendamt liege deshalb auch die Unterstützung der Familien durch frühzeitige Berataungsangebote am Herzen.

Sie stellte das vielfältige Netzwerk vor, in das neben dem Jugendamt als Koordinierungsstelle, sämtliche Träger im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch Ärzte, Kommunen, Arbeitskreise, Familienzentren, das Gesundheitsamt, die Krankenhäuser im Landkreis, Familienpaten und Familienhebammen eingebunden sind. Als ganz neues Projekt des Caritasverbands Heilbronn-Hohenlohe stellte sie die Babylotsin vor, die als Beraterin Müttern im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim zur Seite steht und sie bei Bedarf direkt zu den Angeboten der „Frühen Hilfen“ vermittelt.

Psychosoziale Unterstützung

Stark nachgefragt seien auch die Familienhebamme und die Familien-Gesundheits-und Kinderpflegerin, die keine Konkurrenz zu Hebammen darstellen, sondern psychosoziale Unterstützung für belastete Familien mit Kindern bis zum ersten Lebensjahr bieten. Im Schnitt seien sie 25 Stunden im Einsatz, in schwierigeren Fällen können es auch mal 30 Stunden sein. Da die Fahrtzeiten als Arbeits- und somit Betreuungszeit gelten, haben Familien in Randlagen des Kreises einen Nachteil.

Zu Beginn dieses Angebots – im Jahr 2014 – wurden 18 Familien betreut, ein Jahr später waren es bereits 46. Im Jahr 2017 kletterte die Zahl auf 56, und im laufenden Jahr liegt die Zahl der Einsätze derzeit bereits bei 49. 70 Prozent der Familien gaben nach Beendigung des Einsatzes an, dass sich eine Verbesserung bei Problemlösungen ergeben hätte. 18 Prozent sprachen von keiner Verbesserung, drei Prozent von einer Verschlechterung und neun Prozent gaben keine Auskunft,

Da der Bedarf stetig steigt, beschloss der Ausschuss einhellig, die Mittel zum weiteren Ausbau des Einsatzes von Familienhebammen sowie für die „Frühen Hilfen“ bereitzustellen.

Als weitere Angebote führte Martina Knödler die Familienpaten an. Momentan sind 14 Ehrenamtliche im Einsatz, um Familien mit Kindern bis zu drei Jahren ein- bis zweimal wöchentlich zur Seite zu stehen. Dieses Angebot ist langfristiger angelegt. „wellcome“ bietet im Raum Wertheim Familien mit Kindern bis zum ersten Lebensjahr mit Ehrenamtlichen praktische Unterstützung für die Zeit nach der Geburt.

Daneben stellte die Leiterin Soziale Dienste die Willkommenspakete für Eltern neugeborener vor, die neben dem Willkommensgruß des Landrats Informationen über die Angebote der „Frühen Hilfen“ und rund ums Kind enthalten. Sei Jahresbeginn gibt es als Geschenk ein Halstuch mit einem Gutschein zum kostenlosen Besticken mit dem Namen des Kindes.

Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses begrüßten den präventiven Ansatz der „Frühen Hilfen“. Sie beauftragten die Verwaltung, eine Gesamtkonzeption über die unterstützenden Maßnahmen zu erstellen. hvb