Main-Tauber

Wahlkreis 276 Trotz ihres sehr guten CDU-Listenplatzes schaffte Nina Warken nicht den Wiedereinzug ins Parlament / Auch Kandidaten der anderen Parteien gingen leer aus

Schon etwas enttäuscht über das Gesamtergebnis

Archivartikel

Odenwald-Tauber.Die Aussage des Wahlslogans der Jungen Union für ihren CDU-Direktkandidaten trifft den Nagel auf den Kopf: "Einer für alle . . .", heißt es da. In der Tat ist Alois Gerig der einzig verbliebene Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Odenwald-Tauber von derzeit vier in der kommenden Legislaturperiode. Allein durch sein Direktmandat zieht er ins Parlament ein. Die Kandidaten aus dem Wahlkreis 276 auf den baden-württembergischen Landeslisten haben es nicht geschafft.

Und das, obgleich Nina Warken mit Platz vier der CDU-Landesliste eigentlich gute Chancen hatte, ihr Mandat zu behalten. Vor ihr lagen drei Protagonisten, die ohnehin ihre Direktmandate gewannen. Wolfgang Schäuble, Annette Widmann-Mauz und Volker Kauder. Doch gerade weil die CDU alle 38 Direktmandate im Ländle holte, war's das auch.

Bei der Wahl vor vier Jahren hatte die CDU ausnahmsweise Listenplätze erhalten, weil FDP und AfD die Sperrklausel von fünf Prozent nicht überschritten. Bei der jetzigen Wahl erhielten die anderen Parteien ausnahmslos Listenplätze: die SPD 16, die Grünen 13, die FDP zwölf, die AfD elf und die Linke sechs. Dorothee Schlegel schaffte mit Platz 21 auf der SPD-Landesliste somit nicht den Wiedereinzug in den Bundestag.

Nina Warken ist erste Nachrückerin, sollte sich im Laufe der Legislaturperiode ein Abgeordneter anders orientieren und sein Mandat aufgeben. Dennoch hätte sie gern nahtlos an ihre parlamentarische Arbeit in Berlin angeschlossen: "Es war nicht völlig überraschend, dass es nicht klappt, aber es gab auch die gute Chance, dass es klappt", sagte sie gestern auf FN-Anfrage. Mit den stetig nach unten strebenden Prognosen in den vergangenen Wochen hätten sich aber auch die Aussichten verschlechtert. "Ich bin schon enttäuscht über das Gesamtergebnis", so Warken, "doch damit muss man leben."

Derzeit ist sie in Berlin und in den kommenden ein bis zwei Wochen mit der Büroauflösung beschäftigt. "Die Verträge der Mitarbeiter laufen alle noch bis Ende Oktober", informiert sie. Man schaue sich bei Kollegen um, ob sie dort weiterbeschäftigt werden können und auch die Landesgruppengeschäftsstelle fungiere in dieser Zeit zwischen den Legislaturen als eine Art Jobbörse.

Sie selbst will nach und nach wieder in den Beruf einsteigen. "Als Rechtsanwältin bin ich relativ frei und flexibel", führt sie als Pluspunkt an. Und dann sind da auch noch die Kinder und die Gremienarbeit im Kreis- und Gemeinderat.

Wolfgang Reinhart, CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag von Baden-Württemberg und Abgeordneter für den Main-Tauber-Kreis, wertet das Ergebnis der CDU als enttäuschend auf der einen Seite, als klaren Regierungsauftrag auf der anderen. Positiv sei für ihn, dass seine Partei alle Direktmandate im Land gewonnen hat und Alois Gerig mit dem drittbesten Ergebnis im Ländle hervorragend abgeschnitten habe. "Unser Ziel, Rot-Rot-Grün zu verhindern, haben wir erreicht", so Reinhart gestern gegenüber den FN.

Das gute Ergebnis der AfD rechnet er den Themen Euro und Flüchtlingskrise zu. Doch er meint: "Den Einzug der AfD ins Parlament muss eine Demokratie aushalten." Und er fügt an: "Ich finde, es müssen alle demokratischen Parteien miteinander reden und handeln können."

Dass es mit der Gestaltung der Bundesrepublik schwieriger werde, wenn die SPD an ihrer Oppositionsaussage festhalte, räumt er ein. Doch letztlich setzt er auch künftig auf eine konstruktive Arbeit, bei der es ihm vor allem um den ländlichen Raum geht, der nicht zu kurz kommen dürfe.