Main-Tauber

Schwächere im Hintertreffen

Archivartikel

Heike v. Brandenstein zum Thema Wohnungsbau

Eine lebhafte Debatte im Kreistag ohne vorgefertigte Manuskripte und über alle Fraktionsgrenzen hinweg – das ist, trotz Wahlkampfgetöse, eine Seltenheit und dafür umso erfrischender. Anlass war die Anfrage der SPD vom Dezember vergangenen Jahres, in der sie einen Bericht zur regionalen Wohnraumsituation forderte. Den stellte Landrat Reinhard Frank vor,verwies letztlich aber darauf, dass der Landkreis ein „zahnloser Tiger“ beim Thema Wohnungsbau sei und in erster Linie Kommunen und private Investoren gefordert sind.

So manchem Kreisrat reichte das nicht. Und so entspann sich ein reger Austausch über ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Wohnraum zu schaffen. Und auch der Landrat stimmte bei dieser fulminanten Ideenbörse zu, dass es die schlechteste Lösung sei, den Kopf in den Sand zu stecken und nichts zu tun.

Denn stetig steigende Mieten, die auch vor ländlichen Regionen nicht Halt machen, drängen diejenigen mit geringem Einkommen immer mehr ins Abseits. Alleinerziehende, Familien mit Kindern, ältere Menschen mit kleiner Rente oder Menschen mit Behinderung. Sie sind die Leidtragenden, wenn die noch einigermaßen gut situierte Mittelschicht mit akzeptablem Verdienstnachweis bezahlbare Wohnungen belegt.

In der Europäischen Sozialcharta ist das Recht auf Wohnung festgeschrieben. Die Vertragspartner, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland gehört, verpflichten sich in Artikel 31, den Zugang zu Wohnraum mit ausreichendem Standard zu fördern, Obdachlosigkeit zu vermeiden und die Wohnkosten für Menschen, die über keine ausreichenden Mittel verfügen, tragbar zu gestalten. Das ist für Staat, Länder und Kommunen eine wahrlich herausfordernde Aufgabe.