Main-Tauber

Leserbrief Zur Aufteilung der Wahlkreise für den Kreistag

Sitze nur für Bürgermeister

Archivartikel

Als einer der gut gewählten, aber nicht in den Kreistag gerückten Kandidaten im Wahlkreis V Boxberg-Grünsfeld muss ich erneut feststellen: Es hat für uns Nicht-Bürgermeister im Wahlkreis V nicht gereicht – bis auf ein Mandat. Wieder mal nix gewesen. Nicht sehr überraschend – und doch auch schade. Für manche enttäuschend.

Denn was ist das für ein Wahlkreis, der als einziger zerstückelt ist, der als einziger fünf Gemeinden umfasst und zugleich nur fünf reguläre Vertreter stellen darf? Fünf Sitze, meist den Bürgermeistern reserviert? Einerseits ist es sinnvoll, wenn die Bürgermeister im Kreistag sind, denn vieles betrifft ihre Gemeinden. Sie werden von den Bürgerinnen und Bürgern zurecht stark gewählt, sie wissen in vielem am besten Bescheid. Andererseits soll der Kreistag die Bürgermeister kontrollieren – also dürften sie nicht im Kontrollorgan sitzen. Im Wahlkreis V kommt noch hinzu, dass dieser im Kreistag fast ausschließlich durch Bürgermeister vertreten wird. In den anderen Wahlkreisen im Main-Tauber-Raum klappt es besser mit der Mischung. Der Wahlkreis I umfasst nur die Stadt Wertheim Stadt. Sieben Personen sind zu wählen, also mindestens sechs Nicht-Bürgermeister.

Der Wahlkreis IV umfasst Lauda-Königshofen; auch hier höchstens ein Bürgermeister bei vier Vertretern. Wahlkreis VI umfasst Bad Mergentheim. Hier gilt ebenso: Maximal ein Bürgermeister bei sechs Vertretern. Wahlkreis III umfasst Tauberbischofsheim, Großrinderfeld, Königheim, das heißt maximal drei Bürgermeister bei sechs Vertretern. Der Wahlkreis VII umfasst Creglingen, Igersheim, Niederstetten, Weikersheim, also höchstens vier Bürgermeister bei sieben Vertretern.

Ungünstiger ist das Verhältnis im Wahlkreis II Freudenberg, Külsheim, Werbach: maximal drei Bürgermeister bei vier Vertretern.

Am ungünstigsten ist die Situation im zerstückelten Wahlkreis V mit Ahorn, Assamstadt, Boxberg, Grünsfeld und Wittighausen: fünf Gemeinden, folglich meist fünf Bürgermeister als Kreisräte – und damit ist die reguläre Vertreterzahl ausgeschöpft.

Im Sinne offener Wahlen wäre für den Wahlkreis V eine Wahlreform zu wünschen: eine andere räumliche Auf-/Zuteilung. Oder ein anderes Modell, das eine Art „Bürgermeister-Kammer“ vorsieht: die Bürgermeister als „gesetzte“ Kreisräte, gewählt für die Dauer ihrer Amtszeit. Und daneben eine Art „Bürger-Kammer“: Kandidaten-Listen ohne Bürgermeister für einen dann viel spannenderen Wahl-Wettbewerb.

Allen Nicht-Kreisräten möchte ich sagen: „Denken wir an Olympia: Dabeisein ist alles!“ Nun, vielleicht nicht alles, aber doch auch eine gute Sache, manchmal ein tolles Gefühl. Wir sind Gewählte. Zwar nicht im Kreistag, aber Gewählte, mit stellenweise sehr gute Ergebnissen.