Main-Tauber

Vortrag Familienberater und Ergotherapeut Andreas Dederich referierte in Unterbalbach

Smartphone und Co. die neuen Krankmacher?

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Studien haben bereits gezeigt, dass übermäßiger „Konsum“ neuer Medien ein hohes Suchtpotential darstellen. 20 000 jährliche „Neuerkrankungen“ verlangen nach einer therapeutischen Begleitung.

Die Organisation der Freizeit betreiben die Kinder und Jugendlichen über das Smartphone, so die These von Andreas Dederich, Familienberater und Ergotherapeut mit eigener Praxis in Tauberbischofsheim und Würzburg.

Ein vollbesetztes Sportheim der DJK Unterbalbach lauschte den Ausführungen des Referenten. Er belegte seine Thesen und Erfahrungen nachweisbar mit konkreten Zahlen, die durch diverse Studien seriöser wissenschaftlicher Institute erstellt wurden. Nicht nur psychische Störungen wie Sucht und Depression seien das Ergebnis übermäßiger Nutzung der neuen Medien, sondern auch physische Erkrankungen, wie Diabetes, Adipositas, usw. seien auf den entstehenden Bewegungsmangel zurückzuführen.

Alle neuen Medien lieferten bereits fertige „Lösungen“. Erzählungen oder gelesene Worte förderten dagegen das kreative Denken und ließen „Bilder“ im Gehirn entstehen. Besonders Kinder bräuchten Beachtung und Ansprache. Doch welche Situationen zeige der Alltag nahezu überall? Auf das Smartphone gerichtete Blicke der Mutter oder des Vaters, während das Kind an ihren Hosen zupfe und nach Aufmerksamkeit „schreie“.

Dederich provozierte das Publikum mit markanten Situationen des Alltags. Welche Lösungen habe ein erfahrener Familienberater vor allem für Eltern und Erzieher parat? Altersgemäße Fernsehsendungen ohne aggressive Inhalte, zeitliche Vorgaben hinsichtlich der Nutzung von Smartphones und klare Verhaltensregeln im situativen Umgang mit den modernen Medien. Keine Nutzung beim Essen oder vor dem zu Bett gehen. Dederich suchte und fand die Kommunikation mit dem Publikum. Fragen von Eltern blieben somit auch nicht aus.

Was sollten Eltern erlauben? So eine Frage einer Mutter. Die Antwort des Referenten war so different wie konkret. „Was Sie guten Gewissens nicht erlauben wollen, das erlauben Sie bitte auch nicht.“ Kinder und Jugendliche bräuchten klare Regeln und auch Grenzen im Umgang mit digitalen Medien. Dederich wies sehr wohl auf die Isolation der Kinder hin, wenn sie kein Smartphone besäßen. Aber es zeige auch eine gesunde Konsequenz der Eltern, nicht alles zu gestatten.

Eine große Gefahr sah der Referent im Umgang mit Gewaltspielen an Spielkonsolen, PC oder Smartphones. Nachweisbar entstünden daraus unkontrollierbare Handlungen. „Der ungezügelte Umgang mit Smartphones sind der komplette Kontrollverlust der Eltern über ihre Kinder“, so ein Fazit seiner Ausführungen. Nach zwei unterhaltsamen und informativen Stunden, beendete Andreas Dederich diese Veranstaltung. Er stellte sich noch einige Zeit individuellen Fragen zur Verfügung. gfütbb