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Unverdiente Pause

Archivartikel

Heute ist Samstag (zumindest, wenn Sie das lesen). Viele werden sich nach einer anstrengenden Woche die Ruhe des Wochenendes gönnen, um wieder Kraft zu tanken.

Dann startet die Woche, und am Dienstag bin ich schon wieder so geschafft, dass ich wieder eine Pause bräuchte. Aber das geht ja nicht, denn wer eine Pause nimmt, der muss doch vorher was geschafft haben. Eine Pause will schließlich verdient sein.

So hat Gott das ja auch gemacht, sagt die Bibel: Erst hat er in sechs Tagen die Welt erschaffen, und dann, am siebten Tag, am Sabbat, unserem Samstag, hat er sich ausgeruht.

Interessant eigentlich: Der Samstag ist der letzte Tag in der Woche – nicht der Sonntag. Auch wenn das in meinem Kalender nach ISO 8601 immer anders aussieht. Da steht der Sonntag nämlich ganz hinten, ganz am Ende der Woche. Und am Montag da geht die ganze Sache dann wieder von vorne los.

Aber: Nach christlichem Verständnis ist der Sonntag der erste Tag der Woche. Nicht der Montag! Finde ich ehrlich gesagt auch viel angenehmer! Dann darf ich nämlich doch eine Pause nehmen, ohne dass ich vorher was geschafft habe.

Hat Beethoven übrigens auch mal so gemacht. Seine 5. Sinfonie, die Schicksalssinfonie, fängt mit einer Pause an. Und dann geht es erst richtig los und entwickelt Kraft.

Aus der Ruhe kommt die Kraft, sagt ja schon der Volksmund. Und Gott hat das eigentlich auch so gemacht. Die Bibel erzählt: Am Sonntag, dem ersten Tag der Woche, da ist Jesus auferweckt worden. Da zeigt sich: Gott ist nichts unmöglich. Er steht zu uns Menschen und hat eigentlich für uns schon alles Wichtige getan. Egal, was wir machen und wie wir leben, Gottes Ja zu uns ist immer schon da. Ganz unverdient. Und deshalb ist der Sonntag für uns Christen ein Festtag, ein freier Tag, mit dem alles anfängt, der uns einfach geschenkt wird. An dem erst einmal Gott etwas macht – für uns. Und dann, erst am zweiten Tag, sind wir dran.

Gott, quasi mein Chef, sagt also: Pausen muss ich mir nicht verdienen, sondern aus der Ruhe und aus dem freien Tag darf ich meine Woche beginnen und mein Leben leben. Vielleicht sieht ihr Chef das nicht ganz so wie meiner.

Dann können sie aber am Montag in die Arbeit gehen und sich sagen: Eigentlich ist die Woche ja schon wieder ein Tag kürzer.

Pfarrer Christoph Brandt, Nassig