Main-Tauber

„Von Menschen und Maschinen“ lautete der Titel von Aytekin Celiks Auftaktvortrag bei der Medienwerkstatt

Archivartikel

Wie ändert und entwickelt sich die Gesellschaft durch das Internet, lautet die zentrale Frage von Aytekin Celik, studierter Informatiker und Sozialpädagoge, der beim Stadtjugendring Stuttgart als Medienpädagoge arbeitet. „Jemand der heute auf die Welt kommt, wird mit Robotern zusammenleben“, lautete seine Eingangsthese. Und derjenige wird später auch von Robotern gepflegt werden.

Denn Celik ist sich sicher: „Wir steuern auf eine komplett digitalisierte Gesellschaft zu.“ Kein Entrinnen gebe es da, weshalb es sich mit diesem Fakt auseinanderzusetzen gelte. Deshalb plädiert er für Medienkompetenz, die eine Teilhabe an der digitalisierten Gesellschaft sichere. Das sei die eigentliche Herausforderung der Pädagogik.

Der Begriff Roboter komme aus dem Tschechischen und bedeute übersetzt Zwangsarbeiter. „Jeder entwickelte Mensch möchte eigentliche einen Sklaven haben, der Arbeiten übernimmt, die die entwickelte Gesellschaft nicht mehr machen will“, so der Referent. Es gebe jedoch Unterschiede in der Akzeptanz von Robotern. So würden sie in Asien geliebt, in der westlichen Welt hingegen häufig als unkontrollierbare künstliche Wesen, die sich einst gegen den Menschen auflehnen werden, verdammt.

Bislang verfüge ein Roboter, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, über Inselbegabungen. Er beherrsche etwa bestimmte Spiele oder kenne bestimmte Rechtsgrundlagen. Ziel sei es jedoch, eine universelle künstliche Intelligenz zu schaffen, die den Turing-Test besteht. Hinter dem Test verbirgt sich die Herausforderung, dass ein Mensch nicht merkt, dass er sich mit einer Maschine unterhält. Celik ist sich sicher, dass dies eines Tages gelingen wird. „Wir sind in einer exponentiellen Entwicklung.“

Doch ihm sind auch die Gefahren bewusst, die damit einhergehen und die bei Wahlmanipulationen im US-Wahlkampf von „Cambridge Analytica“ eingeräumt wurden. Auch bei Waffen-Projekten oder medizinisch-biotechnischen Anwendungen sei Vorsicht geboten. Mit Blick auf das Unternehmen „Alphabet“, bei dem der Riese Google nur für das G stehe und das, wie der Name besagt, über alle Buchstaben verfügen möchte, ist Celik kritisch. Er sieht, dass über Menschen per Algorithmen Profile angelegt und sie kontrolliert werden. So sei auch das im Jahr 2020 in China startende Sozialpunktesystem ausgelegt.

Wichtig seien deshalb die Europäische Datenschutzgrundverordnung, gute Medienbildung und eine kritische Bewertung der Technologie. „Wer Industrie 4.0 sagt, muss auch Bildung 4.0 sagen“, so sein Credo. Die in der Schule vermittelten MINT-Inhalte seien wichtiger denn je, um die digitale Mündigkeit zu erlangen. hvb