Main-Tauber

Was würde meine Mumie erzählen?

Von unserem Redaktionsmitglied

Plötzlich nochmal Urlaub - toll, werden da manche denken. Für mich ist die sich ankündigende Freizeit (sonst gibt es im Herbst dienstplantechnisch keine Möglichkeiten mehr) aber kein uneingeschränktes Vergnügen. Denn Urlaub heißt auch Urlaubsplanung.

Der recht kurze Vorlauf hat zwei (spontane) Möglichkeiten aufgemacht: Fernwanderung auf dem legendären und teils hochalpinen "E 5" von Oberstdorf nach Meran. Oder auf dem 2014 eröffneten Moselsteig. Kurzfristig motivieren konnte ich keinen Wanderpartner - dass es eine Solotour werden wird, war schnell klar.

Ich stürzte mich also auf die Transalp-Tour, checkte Anreise und Rücktransportmöglichkeiten, die einzelnen Wegabschnitte, trocknete Steaks, Karotten und Brokkoli im Dörrapparat und schaute jeden Tag auf die Wetterprognosen. Wenn man mal losgegangen und -geklettert ist, dann muss man, dachte ich. Die Natur scheint mir jetzt aber einen Strich durch die Rechnung zu machen. Auf den Webcams sieht man die ersten Schneefelder oberhalb von 1800 Metern. Drüben in Österreich sind für Montag Schneeschauer gemeldet; bei Minusgraden. Das bedeutet auch Eis - und das kann im Fels schnell gefährlich werden. In einer Seilschaft und mit Steigeisen und Pickel kein wirkliches Problem. Ganz allein aber schon. Immerhin geht es weiter im Süden des E 5 auch über den Similaun. Und ich habe keine Lust, in 5000 Jahren als neuer Ötzi im Museum bestaunt zu werden.

Was würde man bei mir finden? Vielleicht noch etwas übriggebliebes Dörrfleisch, einen MP3-Player mit H.G. Wells "Zeitmaschine" als Hörbuch (würde ja passen), ein unverwüstliches Schweizermesser (bleibt sicher scharf und ich würde möglicherweise für einen Helvetier gehalten) und in meinen mumifizierten Überresten einen erhöhten Cholesterinspiegel - aber den hatte Ötzi ja auch schon.

Aber so wie's aussieht wird das ja (noch) nichts. Von den teils extrem steilen Moselsteigen kann man zwar auch runterfallen, aber es bliebe schon klimabedingt historisch von mir nichts außer ein paar Zeitungsmeldungen. Dafür hätte ich viel Landschaft, (hoffentlich) Trier gesehen und vielleicht Bernkastel-Kues, denn weiter reicht mein Wanderzeitbudget wahrscheinlich nicht. Und ich hätte statt Jagertee auf einer Berghütte ein paar Moselweinschoppen getrunken.

Lassen wird uns mal überraschen. Hauptsache ist, dass meine Füße etwas Weg unter die Sohlen bekommen und der Kopf frei wird für die "Basics". Abenteuer, die fallen mir erfahrungsgemäß ohnehin in den Schoß.