Main-Tauber

FDP-Landtagsfraktion Delegation besuchte den Tageselternverein Main-Tauber-Kreis und machte sich ein Bild von der Kindertagespflege

Wertschätzung und Finanzierung waren die Themen

Main-Tauber-Kreis.Um sich ein Bild von der Situation der Kindertagespflege im Main-Tauber-Kreis zu machen, besuchte eine Delegation der FDP-Landtagsfraktion den Tageselternverein Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim. „Die Tageseltern leisten den entscheidenden Beitrag zur Wahlfreiheit in der Kinderbetreuung“, stellte Dr. Timm Kern eingangs fest. „Wahlfreiheit sichert Qualität, wenn sich für jedes Kind die passende Betreuungsform finden lässt“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Einerseits seien viele Eltern auf die Flexibilität angewiesen, welche die Kindertagespflege bietet. Andererseits würden sie an der Kindertagespflege den familiären Charakter schätzen.

Wie Geschäftsführerin Sonja Büttner-Roth ausführte, koordiniert der Tageselternverein die Betreuung von 318 Tageskindern durch 77 aktive Tagesmütter und Tagesväter im gesamten Kreisgebiet. „Die Nachfrage ist größer als unsere Kapazitäten. Und sie nimmt beständig zu“, so Büttner-Roth. Der Verein sei unablässig auf der Suche nach weiteren Tageseltern. Ursula Erbis-Grießl, im Tageselternverein für Vermittlung, Beratung und Begleitung zuständig, wies auf die problematische Situation hin, wenn Tagesmütter auf den Verdienst angewiesen seien. „Die Tätigkeit wird immer mehr zum Beruf, aber die Rahmenbedingungen lassen eine soziale Absicherung beispielsweise im Krankheitsfall oder bei Verdienstausfall nicht zu.“, so Erbis-Grießl.

Carmen Keppner, Vorsitzende des Tageselternvereins, machte deutlich, dass der Tageselternverein sehr gut mit dem Landkreis und den Kommunen zusammenarbeitet. „Wir haben großes Glück mit unseren Kooperationspartnern im Vergleich zu anderen Vereinen. Die meisten Kommunen im Landkreis unterstützen die Tagespflegepersonen durch Bonuszahlungen. Das Hauptproblem bleibt aber die mangelnde finanzielle Absicherung der Tätigkeit durch höhere laufende Geldleistungen.“ Kern versprach, sich weiter für eine bessere Bezuschussung der Kindertagespflege von Landesseite einzusetzen. Es sei der FDP/DVP Landtagsfraktion immerhin gelungen, die grün-schwarze Landesregierung zum Verzicht auf geplante Kürzungen bei der Tageseltern-Qualifizierung zu bewegen. Ähnliches sei beim so genannten Kinder-Bildungs-Pass geschehen, mit dem die Koalition das letzte Kindergartenjahr hatte beitragsfrei machen wollen. Diskutiert wurde außerdem über die Qualifizierung der Tageseltern. Stefanie Neugebauer, im Tageselternverein zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Qualifizierung, berichtete von einem Modellversuch aus dem Hohenlohekreis. Dort sei eine neue Qualifizierung im Umfang von 300 Stunden erprobt worden. Die Teilnehmer wurden dort gefunden, weil den meisten eine Festanstellung in einem Projekt angeboten werden konnte.

„Bei uns im Main-Tauber-Kreis ist diese umfangreiche Qualifizierung, zu der auch noch Praktika und Selbstlerneinheiten kommen, problematisch. Die meisten Interessierten haben in diesem Flächenlandkreis einen weiten Anfahrtsweg, der Aufwand für die Qualifizierung ist enorm. Deshalb haben wir uns aktiv an der Entwicklung eines landeseigenen Qualifizierungsmodells beteiligt, das der Landesverband implementieren will“, so Stefanie Neugebauer. Auch im Main-Tauber-Kreis soll es mittel- oder zumindest langfristig Festanstellungsmodelle geben. Wünschenswert wäre, dass es zukünftig sowohl angestellte als auch selbstständig tätige Tageseltern im Main-Tauber-Kreis gibt. Beide Varianten sollten für die Zukunft weiter verfolgt werden“, so Büttner-Roth.

Darüber hinaus nahmen Timm Kern und sein Team drei Wünsche mit nach Stuttgart: Erstens müsse das offene Problem der Krankenversicherung der Tageseltern spätestens bis Jahresende gelöst sein. Zweitens müsse sich die Wertschätzung der Arbeit der Tageseltern zukünftig stärker in Euro ausdrücken. Und drittens sollte die Anerkennung der Tätigkeit als Beruf weiter vorangetrieben werden. pm