Main-Tauber

Referat Meteorologe und ARD-Wettermoderator Sven Plöger fragte nach Aussichten von morgen

Wetterextreme prognostiziert

Main-Tauber-Kreis.Über Wetter reden kann jeder. Und tut es auch. Oft zum Leidwesen von Sven Plöger. Als Meteorologe nämlich ist er Wissenschaftler, der durchaus etwas von Physik und Mathematik versteht, lange Zeitperioden anschaut, Ereignisse und Kurven bewertet. Mit dem Dahergesagten „Kälteperioden gab es doch schon immer, Dürrezeiten auch“, die er von Erderwärmungsleugnern kennt, kann er wenig anfangen. Und so nahm der zu kabarettistischem Humor neigende Plöger das Publikum mit auf eine kleine Reise in die Welt der meteorolischen Wissenschaft.

„7,5 Milliarden Menschen verbrauchen zurzeit 1,6 Erden. Das ist keineswegs nachhaltig“, so Plöger. Da stelle sich die Frage, ob agiert oder reagiert werden sollte. Auf jeden Fall gehe es darum, umzustrukturieren und dabei eine gewisse Fairness zu wahren. Wie sich das Wetter ändert, werde in seiner Sparte mittels eines 30-Jahre-Trends aufgezeigt. Daran zeige sich, dass sich die Erde stark beschleunigt erwärmt. 2016 war es ein Plus von 0,99 Grad Celsius, bis zur Jahrhundertwende dürften es laut politischer Ansage nicht mehr als zwei Grad sein, was eine große Herausforderung darstelle.

Anhand von Bildern zeigte der Wetterexperte, wie sich Veränderungen zeigten: Ein Bild vom Anfang des 20. Jahrhunderts aus den Schweizer Alpen mit einer Menschengruppe, die einen riesigen Gletscher bestaunen, ein zweites mit denselben Bergen, einem Mini-Gletscherrest und einem See, der einst Gletschereis war, von heute. Durch die Erwärmung seien zudem mehr Starkregenereignisse zu verzeichnen. Orte wie Braunsbach, die sich nie Sorgen um das Thema Hochwasser machen mussten, seien nun betroffen, weil die Wassermassen durch einen engen Querschnitt gestaut würden. Der Hochwasserschutz stünde bei vielen Gemeinden, die nie damit gerechnet hätten, auf der Tagesordnung. Mehr Wetterextreme, so der Experte seien in jedem Fall zu verzeichnen.

„Schwankungen in einem komplexen System sind immer normal“, so Sven Plöger. Nur schraube sich das Mittel der Temperatur stetig nach oben, wie aus jahrelang gemessenen Daten zu ersehen ist. Seine Erkenntnis als Wissenschaftler: „50 bis 55 Prozent der Veränderungen sind vom Menschen gemacht.“ Dass Viele falsche Schlüsse zögen, schrieb er der Komplexität der Materie zu.

Er könne dem Argument, dass Windräder die Landschaft verschandelten, nicht zustimmen. Vielmehr sieht er in ihnen eine Chance, die nach oben schnellenden Temperaturen ein wenig einzudämmen. Denn seit 1951 haben sich, so der Fakt, die Hitzetage mit mehr als 30 Grad von drei auf acht erhöht. hvb