Main-Tauber

Ffestvortrag Landesverbandspräsidentin Ruth Baumann referierte zu „Handwerk mit Mundwerk“

Wirtschaft braucht verlässliche Politik

Archivartikel

Tauberbischofsheim.„Handwerk mit Mundwerk“ lautete der Titel eines Festvortrags von Landesverbandspräsidentin Ruth Baumann beim Jubiläumsfestakt „30 Jahre Arbeitskreis Unternehmerfrauen im Handwerk (ufh) Main-Tauber-Kreis“.

„Mein großes Anliegen wäre es, wenn Politik die Dinge zu Ende denken würde“, meinte die wortgewaltige Unternehmerfrau und ufh-Landesvorsitzende zu Beginn ihres launigen Vortrags. „Wir brauchen Politik mit Bodenhaftung, keine Worthülsen, sondern spürbare Wertschätzung der Wirtschaftskraft Mittelstand“, lautete eine ihrer Devisen. Während es bei den Zeithorizonten der Politik häufig um Wahlperioden gehe, gelte es im Handwerk mit unternehmerischen Geschick, auch die Zukunft zu planen, stellte Baumann als einen großen Unterschied zwischen beiden Sparten heraus.

Die Politik verabschiede Spielregeln, an die sie sich selber oft nicht halte. Zum Beispiel habe es früher bei Abschluss einer Altersvorsorge ein späteres „Brutto für Netto“ geheißen, dann aber sei eine Rückwärtsrolle gemacht worden. „Ich mag keine Taschenspielertricks, Verträge sind einzuhalten“, betonte Baumann.

Gesundheit, Aufträge und gute Bezahler seien drei Grundsäulen des Handwerks, inzwischen seien jedoch zunehmend Belastungen durch eine verstärkte Bürokratisierung hinzugekommen. So umfasse beispielsweise eine Angebotsausschreibung für ein zweiseitiges Leistungsverzeichnis in ihrem Baugewerbe einen 38-seitigen Erläuterungstext. Kritisch sehe sie auch den Prozess der Digitalisierung und die entsprechenden Vorschriften. So etwa, wenn eine Verwaltung, die Flexibilität fordere und Digitalisierung vorschreibe, selber „eine Verwaltung 1.0“ sei. Exemplarisch berichtete Baumann, dass ein Schreiben an ihre Berufsgenossenschaft nicht gemailt oder gefaxt, sondern nur postalisch versendet werden könne.

„Die Digitalisierung ersetzt nicht das Denken“, hob sie hervor. „Viele Menschen posten Privates auf Facebook oder kaufen mit der Payback-Karte ein, rufen dann jedoch nach einer Verordnung mit verschärften Datenschutzregeln“. „Ihr haftetet bei jeder Umsatzsteuererklärung für Virenfreiheit, wie sollen wir kleine Betriebe allerdings dies alles hinbekommen, was die Großen kaum schaffen“, gab die ufh-Präsidentin zu bedenken.

Eine Anzeige wegen Vergehens gegen die DVO könne insbesondere einen kleineren Handwerkbetrieb lahmlegen.

„Ich verstehe nicht, wie man Technologien, die das Land und die Wirtschaft hochgebracht haben, dermaßen kaputtreden kann“, kommentierte Baumann Tendenzen erst gegen Diesel-, dann gegen Benzinfahrzeuge.

Bei Baumaßnahmen wie etwa Stuttgart 21 brauche man nicht mit Elektro-Baggern anfangen. „Ich habe von der Politik eine Sofortabschreibung für Diesel-Fahrzeuge und -maschinen gefordert. Wenn der entsprechende Maschinenpark eines Unternehmens von heute auf morgen nichts mehr wert ist, hätten wir das gerne schriftlich, denn dann machen wir den Betrieb zu und zahlen auch keine Erbschaftssteuer dafür“, unterstrich sie.

„Wir brauchen das Bekenntnis zu Basics wie Rechnen und Schreiben – und den direkten Kontakt zu Kunden“, appellierte Baumann. Vielleicht helfe auf dem Weg zum Denken ein sich am Horizont abzeichnender Stopp des konjunkturellen Aufwärtstrends.

„Mit Humor geht alles leichter - und auch mit gesundem Menschenverstand“, zeigte sie sich überzeugt. pdw