Main-Tauber

Behindertenbeauftragter Karl Höfling stellte dem Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr seine Arbeit vor

Ziel ist gleichwertiges Leben für alle

„Ich versuche, alles Erdenkliche zu tun, um die Inklusion voranzubringen“, so Karl Höfling. Seit zwei Jahren ist er Behindertenbeauftragter des Landkreises.

Main-Tauber-Kreis. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen hat ein Ziel: Sie will weg von der Exklusion, der Separation und der Integration und hin zur Inklusion. In der wörtlichen Übersetzung heiße das Zugehörigkeit, so Karl Höfling.

Sie soll man Menschen mit und ohne Behinderung einen vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen ermöglichen. Ganz praktisch heiße das: Jeder Mensch, sei er behindert oder nicht, könne überall dabei sein und die volle Teilhabe in Anspruch nehmen. In der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BKR), die von der Bundesrepublik ratifiziert wurde, ist die Inklusion als Menschenrecht verankert.

Das auf dem UN-BKR fußende Landes-Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz hat nicht nur die Umsetzung der Konvention zum Ziel und steckt entsprechende Rahmenbedingungen, sondern steckt auch Eckpunkte zur Barrierefreiheit in den Bereichen, Bau und verkehr, bei der Gestaltung des Schriftverkehrs (leichte Sprache, Vorlesefunktion) oder bei medialen Angeboten (Gebärdensprache).

Beratung vor Ort

Karls Höflings Aufgabe als Kommunalbeauftragter ist die Beratung der Landkreisverwaltung und der Kommunen, die Beteiligung bei allen Vorhaben wie Neubauten oder Sanierungen im öffentlichen Bereich sowie als Ombudsmann das Kümmern um Beschwerden. All diese Vorgaben gelte es, mit Leben zu erfüllen, so Höfling, denn letztlich seien alle kommunalen Politik- und Handlungsfelder betroffen.

Sichtweise ändern

Neben rein technischer Fragen bei Bauvorhaben gelte es, die Barrierefreiheit in den Köpfen anzugehen. Deshalb stehen Veranstaltungen für Menschen mit und ohne Behinderungen ebenso auf der Tagesordnung wie Fortbildungsangebote für Mitarbeiter. Als Schwerpunkte seiner Arbeit nannte Höfling die regelmäßige persönliche Kontaktpflege zu den Kommunen, die Stärkung der Vorbildfunktion beim Thema Inklusion und das Anstoßen von strukturellen Veränderungen.

Höfling berät beim Einbau von Rampen und Hebeliftern, nimmt Stellung bei Bauvorhaben und setzt sich für den Ausbau öffentlicher Behindertentoiletten ein. Darüber hinaus berät er Schwerbehinderte und deren Angehörige, begleitet sie zu Behörden oder nimmt sich der Schwierigkeiten beim Schulweg- oder Schulbesuch an.

Als Beispiel für eine weitere Aufgabe präsentierte der Behindertenbeauftragte die Internetseite des Landratsamts, bei der sowohl die leichte Sprache als auch die Vorlesefunktion implementiert sind.

Auf die Kritik von Josef Morschheuser (CDU) und Gernot Seitz (SPD), dass es nicht nur keine Behindertentoiletten, sondern überhaupt keine Toiletten mehr an den Bahnhöfen in Tauberbischofsheim und in Lauda gebe, dies jedoch eine Notwendigkeit und kein Luxus sei (siehe weiteren Bericht auf Seite 25), verwies Höfling auf die Chance, die sich durch den geplanten Erwerb des Bahnhofs Lauda durch die Stadt ergebe. Dann nämlich würde wieder eine Toilette zur Verfügung stehen. In Eiersheim, so Höfling, werde es demnächst eine öffentliche Behindertentoilette geben, Freudenberg wolle nachziehen.

Alois Imhof (Freie Wähler) kritisierte, dass bei Neubauten und Sanierungen öffentlicher Gebäude oft mit unterschiedlichem Maß gemessen werde. Sei bei Neubauten die Barrierefreiheit von vornherein selbstverständlich, treffe das bei Sanierungen nicht immer zu. Höfling konterte, dass selbst bei der Sanierung historischer Gebäude eine barrierefreie Gestaltung möglich sei. Darauf zu achten, gehöre zu seinen Aufgabe. Der Behindertenbeauftragte bezeichnete seine Arbeit so: „Es gibt nicht Schöneres, als einem schwerbehinderten Menschen geholfen zu haben und das dankbare leuchten in seinen Augen zu sehen.“