Mosbach

Studium Generale der DHBW Mosbach Gastvortrag von Dr. Sibylle Anderl / Den Horizont erweitert

Astrophysik, Philosophie und die Vorgänge im Kosmos

Mosbach.Nicht nur im eigenen Fach unterwegs sein, über den Tellerrand blicken – das ist die Idee hinter dem „Studium Generale“, einem Angebot der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach. Mit einem öffentlichen Vortrag der Astrophysikerin Dr. Sibylle Anderl verschob sich der Tellerrand für rund 90 Studierende, Mitarbeiter der DHBW und Gäste tief in die Weiten des Universums.

Für Professor Dr. Rainer Klein verknüpft sich fakultäts- und fächerübergreifendes Denken beinahe zwingend mit dem von ihm geleiteten Studiengang Mechatronik, versteht er sie doch als die „Ingenieurwissenschaft, die interdisziplinär technische Problemlösungen in allen Bereichen bietet.“ Mit Sibylle Anderl hatte er daher die ideale Referentin gewonnen. Die promovierte Astrophysikerin und Philosophin ist Redakteurin der FAZ im Feuilleton und im Ressort „Natur und Wissenschaft“. Vom Fach Physik musste allerdings etwas verstehen, wer den Ausführungen folgen wollte. Ihre Frage „Kennen wir den Kosmos?“ folgt nicht nur den Lehren der Astrophysik, sondern nähert sich dem Kosmos aus der philosophischen Perspektive. Denn beiden Disziplinen ist zu eigen, wie wir Menschen Wissen über die Welt erlangen.

Methoden der Kriminalistik

Der interdisziplinäre Ansatz ist Anderls Anliegen. Ihre Reise in den Kosmos begann Anderl im Audimax der DHBW – sehr nachvollziehbar – in der Uckermark. Es dauert aber nicht lange, bis sie mit ihren Zuhörerinnen und Zuhörern am Pluto angelangt war und „weiterzog“ an die Grenzen unseres Universums. Wenn es denn welche hat. Das Universum sei nur zu 4,6 Prozent bekannt. „Der große ‚Rest‘ ist dunkle Materie und dunkle Energie, von der wir nicht wissen, was sich dahinter, darin verbirgt“.

Sibylle Anderl bedient sich der Möglichkeiten der Astrophysik ebenso wie der der Philosophie. Ja, sogar mit Methoden der Kriminalistik und von Sherlock Holmes könne man aus vorgefundenen Spuren rückwirkend Modelle konstruieren, die ein Geschehen am Himmel erklären könnten. Denn dass der Himmel schwer fassbar ist, habe auch die moderne Astrophysik noch nicht auflösen können. „Wir können dafür die Erde ja nicht einfach verlassen“, machte Anderl deutlich.

Experimentieren lasse sich nicht, für das Universum gebe es kein Labor. „Wir sehen die Spuren dessen, was passiert ist, darauf aufbauend versuchen wir zu verstehen, was war – ähnlich wie in der Archäologie“, schälte die Sternenforscherin das Besondere ihrer Disziplin heraus. Die Astrophysik müsse sich also ihren eingeschränkten Beobachtungsbedingungen anpassen, lautete ein Fazit der Wissenschaftsjournalistin. Das Besondere, das Beeindruckende an ihrem Fach sei, „was wir unter diesen Bedingungen schon über das Universum und seine Phänomene herausgefunden haben“, woran ihr Blick über den Tellerrand, sozusagen in die Suppenschüssel der Philosophie, nicht unbeteiligt ist.

Ein Ansporn, der auch den Studierenden der Mechatronik (und anderer Studiengänge) ein hilfreiches Leitmotiv sein dürfte. Und die können dafür sogar auf der Erde bleiben.