Mosbach

Partnerschaftsbegegnung Landsmannschaft der Donauschwaben Mosbach besuchte den ostsächsischen Landkreis Görlitz

Begegnung mit alten sorbischen Bräuchen

Eine 50-köpfige Reisegruppe der Landsmannschaft der Donauschwaben Mosbach besuchte den ostsächsischen Landkreis Görlitz.

Mosbach/Görlitz. Im kommenden Jahr feiern der Neckar-Odenwald-Kreis und der ostsächsische Landkreis Görlitz das 30-jährige Bestehen ihrer Kreispartnerschaft, die 1990 gleich nach der Wende noch mit dem früheren Kreis Zittau begründet worden war. Dabei zeichnet sich ein ganz besonderer Programmpunkt ab. Die Landsmannschaft der Donauschwaben aus Mosbach erwartet dazu nämlich das international renommierte sorbische Folkloreensemble aus Schleife (Kreis Görlitz).

Die Kontakte dorthin wurden auf Vermittlung der beiden Landräte Dr. Achim Brötel und Bernd Lange im Rahmen einer Partnerschaftsbegegnung in der Oberlausitz geknüpft. Höhepunkt war dabei ein Besuch im sorbischen Kulturzentrum in Schleife, wo das Orchester, der Chor und die Tanzgruppe der Sorben die über 50-köpfige Reisegruppe aus Mosbach mit ihrem Vorsitzenden Anton Kindtner und seiner Stellvertreterin Sabine Kreß an der Spitze in ihren prachtvollen Trachten und mit historischen Musikinstrumenten restlos begeisterten.

Traditionen bewahrt

Die Sorben haben sich als slawische Minderheit über Jahrhunderte hinweg ihre urwüchsigen Bräuche und Traditionen bewahrt. Siedlungsschwerpunkte sind insbesondere Bautzen und eben die Region um Schleife, wo jetzt zum ersten Mal seit 70 Jahren mit Jadwiga Mahling auch wieder eine sorbischsprachige Pfarrerin amtiert. Pfarrerin Mahling, die teilweise in Heidelberg studiert hat, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, die Mosbacher Gruppe, zu der neben Landrat Dr. Achim Brötel auch Bürgermeister Michael Keilbach gehörte, auf sorbisch in der alten Dorfkirche zu begrüßen.

Die Donauschwaben und die Sorben fanden im gegenseitigen Austausch schnell zueinander. Anton Kindtner sprach deshalb als Vorsitzender der Donauschwaben, die sich mit einem gemeinsamen Lied ihres Chores unter der Leitung von Franz Gräff für die große Gastfreundschaft bedankten, die Einladung zu einem Gegenbesuch in Mosbach aus, die die Sorben mit der Geschäftsführerin ihres Kulturzentrums Stephanie Bierholdt spontan annahmen.

Hauptziel der Donauschwaben war darüber hinaus die Kreisstadt Görlitz, die mit ihrer fantastischen Altstadt und einem unglaublichen Reichtum an historischen Gebäuden ein echtes Juwel ist. Dort stieß auch der Görlitzer Landrat Bernd Lange zu der Gruppe, der die Delegation offiziell willkommen hieß und die Oberlausitz als Region im Umbruch näher vorstellte und dabei auch auf aktuelle politische Herausforderungen einging.

Bedeutender Ort

Ein ganzer Tag war darüber hinaus der Stadt Zittau und dem Zittauer Gebirge gewidmet. Besonders eindrucksvoll war die gemeinsame Fahrt mit der Schmalspurbahn nach Oybin und die Führung auf dem gleichnamigen Berg, der nicht nur die Altersresidenz von Kaiser Karl IV. beherbergt, sondern mit der Bergkirche auch einen bedeutenden Ort des Widerstands gegen die SED-Diktatur. Dort hatte Pastor Heinz Eggert, der spätere Landrat des Kreises Zittau und nachmalige sächsische Innenminister, seine legendären Predigten gehalten. Als besonderen Gast begrüßte Landrat Dr. Achim Brötel abends auch die Präsidentin des Statistischen Landesamts und sächsische Landeswahlleiterin Carolin Schreck, die aus Haßmersheim stammt und in Mosbach ihren Referendardienst absolviert hat, aber schon seit Anfang der 1990er Jahre in Sachsen lebt und arbeitet.

Zum Abschluss gab es noch ein großes Wiedersehen mit der Mosbacher Künstlerin Ingrid Pfeffer, die derzeit als Stipendiatin der Stiftung für Kunst und Kultur in der Oberlausitz in Schloss Königshain arbeitet und dort in einer viel beachteten Ausstellung auch einen Querschnitt durch ihr reichhaltiges künstlerisches Schaffen zeigt. Pfeffer, die schon im vergangenen Jahr im Landratsamt in Görlitz ausgestellt hatte und mehr und mehr als künstlerische Botschafterin des Neckar-Odenwald-Kreises fungiert, führte die Gruppe aus der Heimat durch ihr temporäres Atelier und die sehenswerte Ausstellung. Mit vor Ort waren auch der Königshainer Bürgermeister Siegfried Lange und Gabriele Neugebauer vom Kulturreferat des Landratsamtes. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Juni zu sehen.

Fürst-Pückler-Park besichtigt

Weitere Programmpunkte waren ein Besuch im weltberühmten Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau und im Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen, in der seit dem Zweiten Weltkrieg zu Polen gehörenden östlichen Vorstadt von Görlitz, sowie in der Porzellanmanufaktur Meißen und bei der Herrnhuter Brüdergemeinde.