Mosbach

Ausstellung in Görlitz Mosbacher Künstlerin Ingrid Pfeffer begeistert mit ihrer Kunst ein großes deutsches und polnisches Publikum

„Einfach mal die Zeit anhalten“

Archivartikel

„Diese Momente: Einfach einmal für einen Augenblick die Zeit anhalten“ – unter diesem Motto begeistert Ingrid Pfeffer mit ihrer Kunst ein großes deutsches und polnisches Publikum in Görlitz.

Görlitz/Mosbach. Es gibt wahrscheinlich kaum einen Ort, wo man das ganz praktische Zusammenwachsen Europas besser spüren kann als in der Europastadt Görlitz. Dort, wo die Neiße über Jahrzehnte hinweg eine scheinbar unverrückbare Grenze zwischen Deutschland und Polen war, finden die beiden durch den Zweiten Weltkrieg künstlich getrennten Städte Zgorzelec und Görlitz gerade wieder zueinander. Die Neiße trennt nicht mehr, sondern sie verbindet. Das ist auch jetzt wieder besonders deutlich geworden: Am polnischen Ufer fand der traditionelle Jakobsmarkt statt, in Görlitz das legendäre Altstadtfest. Und: Viele zehntausend Menschen haben die Möglichkeit genutzt, beide Großereignisse ganz einfach durch einen Spaziergang über die offene Brücke miteinander zu verbinden. Dass auch die Kunst Brücken bauen kann, ist allerdings nicht erst seit dem letzten Wochenende bekannt. So sind wechselseitige Kunstausstellungen gerade für die Kreispartnerschaft zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem Landkreis Görlitz, die bereits 1990, damals noch mit dem ehemaligen Landkreis Zittau begründet worden war, seit jeher ein wichtiger Baustein.

Erst im Frühjahr hatte Horst Jurtz aus Weißwasser einen Querschnitt seines künstlerischen Lebenswerks im Landratsamt in Mosbach ausgestellt. Im Gegenzug dazu sind seit Samstag und noch bis Ende November jetzt insgesamt 57 Werke der Mosbacher Künstlerin Ingrid Pfeffer im Landratsamt in Görlitz zu sehen. Äußerer Rahmen dafür ist das zehnjährige Bestehen des neuen Landkreises Görlitz. Landrat Bernd Lange (Görlitz) hieß die zahlreichen Gäste von diesseits und jenseits der Neiße im Beisein seiner Landratskollegen aus den polnischen Kreisen Zgorzelec und Lauban, sowie aus dem oberpfälzischen Schwandorf, des Görlitzer Oberbürgermeisters Siegfried Deinege und mehrerer Landtagsabgeordneter willkommen.

Landrat Dr. Achim Brötel, der gemeinsam mit seinen polnischen und deutschen Kollegen die Jubiläumstorte anschneiden durfte, überbrachte dabei die Glückwünsche des Neckar-Odenwald-Kreises. 28 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung habe sich der Inhalt einer solchen Kreispartnerschaft sicher gewandelt. Gleichwohl sei sie aber gerade momentan vielleicht sogar wichtiger denn je. Brötel erinnerte in diesem Zusammenhang insbesondere an den regelmäßigen Azubi-Austausch zwischen beiden Kreisverwaltungen, durch den junge Menschen aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands zusammenkämen. Erst vor kurzem waren die Görlitzer Azubis wieder im Neckar-Odenwald-Kreis. Der Gegenbesuch wird 2019 stattfinden.

Offizieller Beitrag des Neckar-Odenwald-Kreises zum Görlitzer Kreisjubiläum ist aber die Ausstellung „En ciertos momentos – Diese Momente“ mit Werken von Ingrid Pfeffer, die am Samstag ebenfalls offiziell eröffnet wurde. Und: Wenn man schon jetzt ein Fazit ziehen will, dann sicher das, dass Ingrid Pfeffer mit ihrer Kunst das große deutsche und polnische Publikum bei der Vernissage restlos begeistert hat. Das war in zahlreichen Gesprächen immer wieder zu hören. Die Künstlerin selbst war deshalb von interessierten Besuchern auch regelrecht umringt.

Dr. Brötel, der die inhaltliche Einführung in die Ausstellung vornahm, ging in seiner Rede insbesondere auf die künstlerische Intention von Ingrid Pfeffer ein, einfach einmal die Zeit für einen Augenblick anzuhalten und einzutauchen in das ganz Besondere dieses einen Moments.

„Gerade in einer Zeit, wo wir alle das Gefühl haben, in einer sich zunehmend schneller drehenden Welt nur noch so etwas wie Getriebene zu sein, tut es einfach gut, auch einmal die Seele baumeln zu lassen und dabei Dinge zu entdecken, die einem sonst im Zeitraffer des Alltags schlicht verborgen blieben“, bemerkte Brötel. Ingrid Pfeffer habe ein besonderes Auge gerade dafür und sie verstehe es dann vor allem auch meisterhaft, die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit ganz bestimmter Augenblicke und Stimmungen in ihren Bildern festzuhalten. Das gelte insbesondere für vermeintlich kleine Details, die für sie aber Großes bedeuten. Alltagsgegenstände, exotische Früchte, besondere Orte, die sie zum Verweilen inspirieren, Blumen in kräftigen, leuchtenden, vor allem aber in durch und durch lebensbejahenden Farben, genauso aber etwa Menschen, zu denen sie sich hingezogen fühle und bei denen sie dann bewusst auch die Farbigkeit deutlich oder sogar ganz reduziert. Momentaufnahmen aus der Seele der Künstlerin, ganz oft gemalt bis zum Rand. Man spüre aber sofort, dass es auch da eigentlich noch nicht zu Ende sei. Alles gehe irgendwo weiter. Auf diese Weise sei Ingrid Pfeffer aus ihrem gelebten christlichen Glauben heraus eine unverbesserliche Optimisten, die immer wieder aufs Neue die Augen dafür öffnen wolle, dass es bei all dem Schlechten auf der Welt eben doch auch viel Schönes und Gutes gibt, wenn man es denn nur sehen will.

Natürlich gehört zu einem Kreisjubiläum auch ein Geburtstagsgeschenk. Und Dr. Brötel hatte sich dabei gemeinsam mit Ingrid Pfeffer sehr zur Freude der Görlitzer Gastgeber für ein Bild aus der aktuellen Ausstellung entschieden: „Die blaue Tür in Görlitz“, die auf eben einen solchen besonderen Moment während der ganz persönlichen Entdeckungstour der Künstlerin bei ihrem allerersten Besuch in Görlitz im Sommer 2017 zurückgeht. Diese „Blaue Tür“ wird, so Landrat Lange, künftig sicher einen Ehrenplatz im Görlitzer Landratsamt erhalten und damit der lebendigen Partnerschaft mit dem Neckar-Odenwald-Kreis ein weiteres leuchtendes Mosaiksteinchen hinzufügen.