Mosbach

Im Kloster Balsbach Zwei Jahrestage – 70 Jahre Clarissen in Balsbach und 50 Jahre Kirche Christkönig – waren Grund zum Feiern

„Festlicher Rahmen“ zum Wohlfühlen

Im 2015 geschlossenen Kloster Balsbach wurden die offenen Türen beim Pfarrfest förmlich eingerannt.

Balsbach. Die Türen des Clarissenklosters in Balsbach zur Außenwelt waren mehr als 60 Jahre lang ziemlich verschlossen, nach dem Wegzug der letzten Schwestern des Kapuzinerinnen-Ordens 2015 erst recht.

Doch nun erlebten die Gemäuer einen wahren Besucheransturm anlässlich des Pfarrfestes, das dort am Wochenende gefeiert wurde. Zwei Jahrestage – 70 Jahre Clarissen in Balsbach und 50 Jahre Kirche Christkönig – waren der Pfarrgemeinde und etlichen Engagierten Grund, an und in den „verschlossenen Ort“ einzuladen, denn das ist die Übersetzung für das lateinische Wort „Claustrum“, Kloster.

Es wurde ein „Festlicher Rahmen“ geschaffen – und das gleich im doppelten Sinne, zum einen mit Speis und Trank im Park, mit Führungen und Fotoausstellung zur Geschichte, mit Musik, Worten und Bildern, aber auch mit Gebet und Gottesdienst.

Zum anderen hatte der Balsbacher Künstler Wilfried Georg Barber das wörtlich genommen und über eine Ausstellung mit 19 Ölgemälden geschrieben: „Festlicher Rahmen“. In der Tat umgaben viele der Bilder golden und silbern glänzende, barock verspielte, aber auch gradlinige Rahmen. Mitunter tat’s auch eine schlichte schwarze Atelierleiste wie beim „Morgengebet“, einer fast ausschließlich in Schwarz-Weiß-Tönen geschaffenen Kreuzesdarstellung. Vielfach hat der Künstler die ursprünglich auf Keilrahmen gemalten Werke auf flachere Untergründe aufziehen müssen, doch habe er keines extra für einen Rahmen gemalt, verriet der in Köln 1941 Geborene.

An erster Stelle steht bei Barber das Bild, stehen Form- und Farbsprache, oft kräftig und sinnenfreudig, mit breitem, vitalen Strich gesetzt, und es scheinen auf manchem Werk heilige Geistesblitze in Form von Ölfarbenschlieren oder Strahlen zu zucken.

Dass der Maler einst das Schriftsetzerhandwerk und Grafikdesign erlernte und wovon Michael Schick aus Walldürn in seinem farbgetreuen Bilderbogen über Barbers Leben und Werk berichtete, blitzt durch im Signet, das Barber für die Ausstellung im Kloster schuf: „Kunst im Kloster“ zeigt zwei liegende „K“, dazwischen ein schlanker Kirchturm, dem Balsbacher nicht unähnlich. Es ließe sich für weitere Ausstellungen verwenden…

Die Ölgemälde waren größtenteils dort zu sehen, wo die Schwestern einst stickten. Ursula Schäfer wusste dies zu erzählen, während Friedhelm Link in mehreren Runden an beiden Tagen die Besucher durch die Räumlichkeiten und das Außengelände führte.

Fotoausstellung

Norbert Schwings umfangreiche Fotoausstellung vermittelte nicht nur viel Wissenswertes über das Kloster, sondern bat Besucher auch um Vervollständigung dort, wo es an Wissen noch fehlt. Natürlich braucht ein Festakt wie dieser auch einen musikalischen Rahmen. Den schufen Simone, Gerhard und Manfred Schäfer mit teils kontemplativen, teils fanfarenfrohen Tönen aus Querflöte, Trompete und E-Piano.

Schließlich: was wäre ein Fest zu Ehren eines (gleichwohl nicht mehr existenten) Klosters ohne geistliches Gut? Da wären Gospelgottesdienst und Taizé-Gebet zu nennen. Zur Ausstellungseröffnung hatte Pfarrer Ulrich Stoffers das Wort ergriffen. Für ihn sei die Klosteranlage ein „sehr geeigneter Ort, ein passender Rahmen für eine Ausstellung wie diese“. Und es sei ein Ort der Inspiration, der viele Menschen zusammenbringen könne, freute er sich über fast 60 Eröffnungsgäste. Die Aussage ließe sich aber auch anwenden, nimmt man die Zukunft des einst verschlossenen Ortes in den Blick… Ohnehin ist in die Bemühungen um einen Fortbestand der geistlichen Gemäuer und Gärten (in welcher Form auch immer) einige Bewegung gekommen.

Ort der Inspiration

Erst kürzlich hatten Pfarrgemeinderat, Gemeindeteam und Pfarrer mit zahlreichen Menschen über die Zukunft des weitläufigen Anwesens diskutiert – an Ort und Stelle. Ein Abriss der Gebäude, wie ihn die Kirchenleitung in Freiburg nicht ausschließt, solle – so die überwiegende Meinung – vermieden werden.

Mit dem so gut besuchten Pfarrfest sind vielleicht weitere Impulse nach Balsbach gekommen. ubr