Mosbach

100-jähriges Bestehen AWO-Kreisverbände der Metropolregion Rhein-Neckar feierten in Mosbach / 247 Mitarbeiter und 630 Mitglieder im Neckar-Odenwald-Kreis

Für Freiheit, Toleranz und Solidarität

Archivartikel

Die Arbeitwohlfahrt der Metropolregion Rhein-Neckar feierte in Mosbach ihr 100-jähriges Bestehen.

Neckar-Odenwald-Kreis. Im Zeichen des 100-jährigen Bestehens der Arbeiterwohlfahrt (AWO) feierten die Kreisverbände der Metropolregion Rhein-Neckar am 23. Juni gemeinsam in der Alten Mälzerei Mosbach. Das Fazit der Feier: Die Anliegen und Werte der AWO sind heute genauso gültig wie 1919 und die Arbeit des großen deutschen Wohlfahrtsverbandes ist wichtiger denn je. Den Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Kreisverbänden Neckar-Odenwald, Mannheim, Bergstraße, Frankenthal, Heidelberg und Rhein-Neckar wurde ein überaus lebendiges Programm geboten: Neben einer hochkarätigen Festrede gab es eine interessante Talk-Runde. Zudem zeigten die Veranstalter Kostproben des Theater-Musicals „Eine starke Frau geht ihren Weg – Die frühen Jahre der Marie Juchacz“, das am 23. Oktober 2019 in Mosbach uraufgeführt wird.

Initiative von Marie Juchacz

Die Festrede hielt Ulrich Graf, bis 2008 Geschäftsführer der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg und langjähriges Mitglied der Arbeiterwohlfahrt. „Die AWO gibt es nach 100 Jahren noch, sie ist nur etwas anders geworden als in den Tagen ihrer Gründung“, sagte er. „Wir müssen Erreichtes bilanzieren, die ideellen Grundlagen überprüfen und mit einem kritisch reflektierten Gestaltungsauftrag in die Zukunft gehen.“

Der Reichspräsident Friedrich Ebert habe mit der Gründung der AWO am 13. Dezember 1919 den politischen Willen zu einer neuen Art der Wohlfahrtspflege gezeigt. Diese Wohlfahrtspflege geht auf die Initiative von Marie Juchacz zurück, die eine Mitwirkung der Arbeiterschaft als unabdingbar ansah. „Das Prinzip der konfessionell organisierten Caritas (Nächstenliebe) wurde ersetzt durch das Prinzip der Solidarität!“, erklärte der Festredner.

Schüler vom Auguste-Pattberg-Gymnasium Neckarelz (APG) spielten Szenen und sangen Lieder aus dem Bühnenspiel mit Musik „Eine starke Frau geht ihren Weg – die frühen Jahre der Marie Juchacz“. Nachtarbeit in der Fabrik, der Kampf für Frauenrechte und die Auseinandersetzung von Marie Juchacz mit ihrem Mann Bernhard: Diese Szenen gaben einen ersten Eindruck vom Theaterstück. Außerdem sang der APG-Chor drei berührende Lieder. Ein besonderes Statement gab Hansjörg Seeh ab, ehemaliger Freiburger Bürgermeister und nach langjährigem Vorsitz im Bezirk Baden heutiger Ehrenvorsitzender des AWO-Bezirksverbands. Der 82-Jährige sprach über die derzeitigen Herausforderungen für den Wohlfahrtsverband, der soziale Dienstleistungen für jedes Lebensalter anbietet. Zu wenig Personal in der Pflege und soziale Ungleichheit schon im Kindes- und Jugendalter veranlassten ihn zur Forderung: „Die AWO engagiert sich als Verband für die Verbesserung der Lebensumstände. Gleichzeitig gibt es Parteien und Vereinigungen, die einfache Lösungen propagieren und damit ein leichtes Spiel haben.“ Dagegen müsse man ankämpfen.

Gabriele Teichmann, Vorsitzende der AWO Neckar-Odenwald, beleuchtete die Rolle des Verbandes als großer Arbeitgeber in der Region und bundesweit. Im Landkreis hat die Arbeiterwohlfahrt 630 Mitglieder und 247 Mitarbeiter. „Die Werte der AWO, nämlich Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität, sollen auch unsere Mitarbeiter genießen“, sagte sie. „Wir arbeiten stetig daran, dass die Arbeitsbedingungen gut sind. Gleichzeitig habe ich unsere Mitarbeiter ins Herz geschlossen und freue mich über die Freundlichkeit, die mir von Seiten der Beschäftigten entgegenkommt!“

Zum Schluss der Veranstaltung wurde Ulrich Graf für seine 45-jährige Mitgliedschaft und sein großes Engagement geehrt: Er erhielt von Thomas Krczal, Vorsitzender des AWO Kreisverbands Heidelberg, als Auszeichnung den „AWO Ehrenfelsen“.