Mosbach

In der Odenwaldhalle in Lohrbach Sozialdemokratischer Diskussionsabend zu Wohn- und Betreuungsformen für ältere Mitbürger im ländlichen Raum / Pioniere und Siedler

„Jetzt müssen wir’s eigentlich nur noch machen“

Archivartikel

Beim SPD-Diskussionsabend ging es um die Frage: „Wie können ältere Mitbürger im ländlichen Raum (möglichst lange) zuhause leben?“

Lohrbach. In Lohrbach könnte aktuell die für viele (und immer mehr) ältere Menschen drängende Frage beantwortet werden: „Wie will ich im Alter leben?“

Ein neues, kleines Baugebiet ist in der Planung. Einen Teil der Fläche möchten Ortsvorsteher Norbert Schneider und „sein“ Ortschaftsrat für ältere Mitbürger so gestalten, dass diese im Dorf bleiben können. „Es ist der Wunsch vieler.“ In welcher Form, das ist offen.

Welche Formen aber möglich und schon real sind, das sollte an einem Diskussionsabend in der Odenwaldhalle betrachtet werden. Vier SPD-Gremien – Ortsverband, Kreistagsfraktion, Kreisverband und die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik – hatten nicht zufällig in den ältesten Stadtteil Mosbachs geladen.

Am Kaiserstuhl bei Freiburg ist man da schon weiter. Vor mehr als 20 Jahren schon machten sich in Eichstetten Bürger zusammen mit der Kommune daran, Strukturen und Einrichtungen im dem 2800-Seelen-Dorf (damals) zu schaffen, die ein Verbleiben auch im Alter ermöglichen.

Seinerzeit „regierend“ dabei berichtete Eichstettens Bürgermeister a.D. Gerhard Kiechle vor rund 40 Zuhörern in der Odenwaldhalle vom Experiment der „sorgenden Gemeinschaft“. Die „Bürgerkommune“ hat sich inzwischen etabliert. Nicht nur die Alten profitieren davon, dass Verantwortung gemeinsam getragen wird, und ein Hilfemix aus ehrenamtlichen, semi- und vollprofessionellen Kräften sorgt dafür, dass ältere und hilfebedürftige Menschen in der Mitte der Gesellschaft bleiben können.

Dabei sorgt die Kommune für die Gebäude und die Bürger zusammen mit (bezahlten) Fachkräften für den Betrieb. 14 fest angestellte Mitarbeiterinnen (zum Beispiel Alltagsbegleiterinnen), 60 geringfügig Beschäftigte sowie etwa 50 Ehrenamtliche versorgen 30 bis 35 Bürger zu Hause, 27 Bewohner in den betreuten Wohnanlagen so wie durchschnittlich zwölf Menschen in der Tagespflege.

Das äußere Kleid ist ein Verein, die Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V.. Pflege und betreutes Wohnen sind nur ein Baustein der Bürgerkommune; Tagespflege, Schulkinderbetreuung und -küche sowie ein Bürgerbüro und ein integratives Café weitere.

Die Kommune sieht sich laut Kiechle in einer Steuerungsfunktion. „Unser Dorf übernimmt den Generationenvertrag.“ Es gebe Pioniere und Siedler, fuhr Gerhard Kiechle fort, und es war klar, dass am Kaiserstuhl eine Pionierleistung vollbracht wurde.

„Jetzt müssen wir’s eigentlich nur noch machen“, fühlte sich Katrin Altpeter angesteckt vom Engagement der Eichstettener. Die ehemalige baden-württembergische Sozial- und Arbeitsministerin ist zu ihren beruflichen Wurzeln zurückgekehrt und leitet eine Fachschule für Altenpflege in Stuttgart. „Wir brauchen nicht nur die großen Pflegeheime auf der grünen Wiese“, sieht sie die Zukunft der älteren Generation nicht eindimensional und – wie Kiechle – die Kommunen in einer strukturierenden, „ganz wichtigen Rolle“.

Solches geschieht zwar gerade in Haßmersheim, wo im Neubaugebiet am Rande der Gemeinde ein dreigeschossiges Pflegeheim geplant wird, doch SPD-Gemeinderat Karlheinz Graner würde einem innerdörflichen Konzept den Vorzug geben. „Mit unserer Tagespflege im Haus Rogate haben wir ein Leuchtturmprojekt der evangelischen Landeskirche auf den Weg gebracht.“

In der abschließenden Diskussionsrunde, an der sich viele beteiligten, die mit der Wo-und-wie-lebe-ich-im-Alter-Thematik von Berufs wegen, politisch oder privat befassen, zeigte sich, dass die Veranstalter einen Nerv getroffen haben. Und wie in Eichstetten kamen viele Anregungen, aber auch Bedenken zu dem zuvor Gehörten zum Ausdruck.

SPD-Landtagsabgeordneter Georg Nelius aber erkennt gerade im ländlichen Raum die größten Chancen. Auf den und in dem war der Abend schließlich ausgerichtet gewesen… ubr