Mosbach

Landgericht Mosbach Drei Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt / Opfer wollte nach Streit nur schlichten und wurde dafür verprügelt

Keine Reue, keine Entschuldigung

Zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren ist am Freitag ein 27-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Zwei weitere Angeklagte wurden ebenfalls verurteilt.

Mosbach. Wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen ist ein 27-Jähriger vom Landgericht Mosbach zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren mit Unterbringung in einer Erziehungsanstalt verurteilt worden. Der vorbestrafte Türke stand zum Tatzeitpunkt Anfang September 2018 unter Bewährung wegen eines ähnlichen Deliktes. Auch deshalb fiel die Strafe so hoch aus, wie Richter Dr. Alexander Ganter in der kurzen Urteilsbegründung erklärte. „Da hätten Sie einfach mitdenken müssen“, sagte er in Richtung des Angeklagten. Das Geständnis des Angeklagten bezeichnete er ganz lapidar mit „Na ja. . .“. Erschwerend käme außerdem hinzu, dass ihn die Mitangeklagten belastet hätten. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre und sechs Monate gefordert, der Verteidiger eine Haftstrafe von unter fünf Jahren.

Gefährliche Körperverletzung

Bereits am Donnerstag war ein 26-jähriger Deutscher, der ebenfalls an der Auseinandersetzung beteiligt war, zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden (wir berichteten). Der dritte Angeklagte, ein 22 Jahre alter Deutsche, wurde am Freitagnachmittag zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt, ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen.

Zusammen mit dem 27-Jährigen habe er mehrmals auf das Opfer eingeschlagen und getreten. Die Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der Türke der Haupttäter war bei der Schlägerei Anfang September in der Mosbacher Innenstadt. Dabei wurde unter anderem ein syrischer Asylbewerber, der nur helfen wollte, bewusstlos geschlagen und im Gesicht verletzt.

Der angeklagte 27-Jährige hatte in einem Geständnis zwar die Taten eingeräumt, jedoch nicht die Intensität des Vorfalls. Auch die vorgeworfene „Hetzjagd“ nach dem syrischen Asylbewerber bestritten er und sein Anwalt. „Das belegen die Aussagen der Zeugen“, meinte der Verteidiger. Die Strafkammer sah dies ähnlich. „Das Hauptopfer hätte auch nach der ersten Attacke nicht auf die Gruppe zugehen und damit provozieren müssen“, meinte Richter Ganter. Staatsanwalt Hansjörg Bopp hatte den 27-jährigen Angeklagten in seinem Plädoyer als „Hauptaggressor“ bezeichnet. „Das Opfer wollte nur schlichten und ist dafür geschlagen und getreten worden.“ Nach dem ersten Vorfall sei der Syrer geflohen und habe zufällig eine Glasflasche gefunden. Nachdem er erneut auf die Täter traf, habe er diese verständlicherweise zur Verteidigung genutzt, fand Bopp. Daraufhin sei die Situation erneut eskaliert, woraufhin der 27-Jährige und der 22-Jährige auf das Opfer mehrmals mindestens eingeschlagen hätten – selbst als der Syrer auf dem Boden lag. Auch wenn im Detail die Aussagen mancher Zeugen unterschiedlich seien, so seien sie doch glaubhaft. Das treffe auch auf das Opfer zu. „Alle Zeugen bezeichneten den 27-Jährigen als aggressiv“, betonte der Staatsanwalt. Der Täter habe kein richtiges Geständnis abgelegt, sich nicht entschuldigt und keinerlei Reue gezeigt, „auch wenn die Schläge und Tritte nicht so intensiv und zahlreich vorgekommen sind wie vom Opfer behauptet“.

Schädelhirntrauma festgestellt

Ein Sachverständiger hatte zuvor die rechtsmedizinische Sicht dargestellt. Im Krankenhaus seien beim Opfer unter anderem ein Schädelhirntrauma und eine Einblutung im Bindehautgewebe des Auges festgestellt worden. Es sei definitiv zu mindestens zwei Faustschlägen ins Gesicht gekommen. „Alles andere kann, muss aber nicht sein“, meinte der Sachverständige. Zweifel habe er am Vorwurf, dem Opfer sei auch ins Gesicht getreten worden. Die erlittenen Verletzungen des Opfers passen nicht zu allen Schilderungen, legte der Sachverständige seine Sicht der Dinge dar.

„Ich hatte Todesangst“, schilderte das Opfer vor Gericht. Auf dem Boden liegend habe er die Augen zu gemacht und versucht, die Hände schützend vor den Kopf zu halten. „Ich war so durcheinander und wusste nicht, wie mir geschieht“, meinte der Syrer. Noch heute habe er an manchen Tagen Schmerzen.

Das Urteil gegen den 27-jährigen und den 26-jährigen Angeklagten ist noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können binnen einer Woche Revision beim Bundesgerichtshof einlegen.