Mosbach

Vortrag in Mosbach Thema „Fetale Alkohol-Spektrum-Störung“

Rund 10 000 Kinder betroffen

Mosbach.Großen Zuspruch fand der diesjährige Themennachmittag der Frühen Hilfen, der im Mosbacher Pirminsaal zum Thema „Fetale Alkohol-Spektrum-Störung (FASD) - eine zu 100 Prozent vermeidbare Schädigung“ informierte. Ausgerichtet wurde der Nachmittag wieder von der Beratungsstelle für Kinderschutz beim Landratsamt.

Melanie Arnold, Leiterin der Beratungsstelle, ging in ihrer Begrüßung unter anderem auf die Intention ein, sich dem Thema „FASD“ zu widmen. Es sei wichtig, für Aufklärung zu sorgen, da Kinder durch den mütterlichen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft eine Vielzahl von Schädigungen bekommen können, die zu 100 Prozent zu vermeiden seien. Anschließend sprach die zertifizierte „FASD“-Beraterin Christiane Schute über Beeinträchtigungen und Auswirkungen dieser Störung sowie mögliche Handlungsstrategien in der Arbeit mit betroffenen Kindern.

„Alkohol ist eines der stärksten Nervengifte und verbleibt bei einem Embryo acht- bis zehnmal länger im Körper als bei einem Erwachsenen“, warnte sie. In der Folge komme es zur Verlangsamung der Zellteilung, was sich negativ auf alle Organe des ungeborenen Kindes auswirken könne. Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich 10 000 Kinder mit „FASD“ geboren, wobei lediglich bei 20 bis 30 Prozent der Kinder das Vollbild vorliege.

Diagnosekriterien seien Wachstums- und Gesichtsauffälligkeiten, funktionelle und strukturelle Auffälligkeiten des zentralen Nervensystems sowie der Alkoholmissbrauch der Kindesmutter.

Im Säuglingsalter wirke sich „FASD“ vor allem auf die Bereiche Schlafen, Schreien und Essen aus und erfordere von den Bezugspersonen viel Geduld, Zeit und Ruhe in der Versorgung, erklärte Schute.

Im Kindergarten- und Schulalter liege bei betroffenen Kindern oftmals eine gestörte Schmerzwahrnehmung, Sprachentwicklungsverzögerungen und Auffälligkeiten in den Bereichen Motorik, Gedächtnis und Sozialverhalten vor.

Wichtig im Umgang mit diesen Kindern seien die ständige Beaufsichtigung, ein liebevoll stabiles Umfeld, Ritualisierungen, klare Regeln und Strukturen, einfache Anweisungen und vieles mehr.

Im Umgang mit Kindern, die unter „FASD“ leiden, sei es wichtig, die oftmals vielzählig vorhandenen positiven Seiten ans Licht zu bringen und ein stabiles Beziehungsumfeld zu schaffen beziehungsweise zu erhalten.

Bei gezielten pädagogisch therapeutischen Hilfen sei zu beachten, dass weniger mehr sei und daher immer nur eine Therapie stattfinden solle und nicht mehrere gleichzeitig, so die diplomierte Sozialpädagogin.

Dem informativen und kurzweiligen Vortrag schloss sich eine offene Fragerunde an, von der die rund 70 interessierten Teilnehmer auch regen Gebrauch machten.