Mosbach

Kunstverein Neckar-Odenwald Mosbacher Saison wird mit Jürgen Trautwein gestartet

Sorgfältig beobachtet, mit Esprit gezeichnet

Mosbach.„Gnadenlose_Idylle“ – unter diesem spannenden Titel eröffnet der Kunstverein Neckar-Odenwald am kommenden Sonntag im Mosbacher Alten Schlachthaus eine Ausstellung mit Arbeiten von Jürgen Trautwein und damit seine Mosbacher Ausstellungssaison.

Der Unterstrich im Titel spielt mit digitalen Textbedingungen, der Begriff „Idylle“ lässt an das Kunstgenre „Idyll“ denken, als im Biedermeier Mädchen gemalt wurden, wie sie auf der Bank sitzend ihr Strickzeug in der Hand hielten und sich über den Tag unterhielten. Heute aber sitzen sie beieinander und halten ihr Smartphone in der Hand.

Die gnadenlose Allgegenwart des Digitalen, das gehört zu den Dingen, die den in Bruchsal und San Franzisco lebenden Künstler beschäftigen. Die Conditio humana, wie sie sich dadurch so atemberaubend schnell und einschneidend verändert. Das beweist der Einblick in sein Werk.

Da sind seine Zeichnungen, die in ungewöhnliche Zusammenhänge zu seinen Mulitmedia-Arbeiten treten. In denen ist immer vom Menschen von heute die Rede, von seinen Widersprüchen, seinem Neuerungswillen, seinem Selbstzerstörungspotential, seiner immer großen Lust nach Erleben. Aber auch von seinem Ausgeliefertsein an eine Flut immer mehr Daten und blitzartiger Eindrücke. Trautwein stellt dabei kluge Fragen ohne vorschnelle Antworten anzubieten. Was er zeigt, sind faszinierende künstlerische Reflexionen, in denen er zu einem ganz eigenen Stil gefunden hat. Die Techniken, die er dabei anwendet, gehen über die Zeichnung hinaus – darauf weist der Untertitel seiner Ausstellung hin: Ein Zeichnungs- und Multimedia-Hybridisierungs-Ausstellungsprojekt.

Trautwein, der sein Studium an der Universität der Künste Berlin absolvierte, hat in seinem Œuvre neben zeitreflektierenden Werkgruppen wie in Wellenbewegungen aber auch Arbeiten geschaffen, in denen er – zuletzt im vergangenen Jahr – großformatige abstrakte Malerei schuf oder mit Land Art experimentierte. Das Künstlergespräch, das Kuratorin Ulrike Thiele während der Vernissage am kommenden Sonntag mit Jürgen Trautwein führen wird, gibt Gelegenheit dazu, mehr über ihn und seine eigene Gegensätzlichkeit zu erfahren.