Mosbach

Berufsbildungswerk Mosbach-Heidelberg Arbeitskreis „Sexueller Missbrauch“ tagte

„Täterarbeit ist aktiver Opferschutz“

Mosbach.Kommt es zu sexuellem Missbrauch, dann wird oft zweierlei gefordert: Hilfe für die Opfer und Bestrafung der Täter. Dabei lohnt es sich, auch mit Letzteren ins Gespräch zu gehen und nach Gründen zu forschen. Gerade wenn es um sexuelle Gewalt von Jugendlichen geht, ist „Täterarbeit aktiver Opferschutz“, wie Elke Hoheisel, Integrationsberaterin im Berufsbildungswerk Mosbach-Heidelberg, erklärt. Denn: „Eine frühe Intervention mit jugendlichen Misshandlern kann die Entwicklung einer Täterkarriere verhindern.“

Mit Täterarbeit befasst sich der Arbeitskreis Sexueller Missbrauch, ein Zusammenschluss von Einrichtungen wie dem BBW und Fachleuten der Jugendhilfe im Neckar-Odenwald-Kreis (NOK), der seit fast 30 Jahren besteht und in dieser Zeit immer wieder Initiativen gegen sexuellen Missbrauch anstieß. Nun widmete der Arbeitskreis dem Thema Täterarbeit bei sexueller Gewalt unter Jugendlichen einen Workshop. Möglich wurde die Veranstaltung durch einen Zuschuss des NOK-Jugendfonds und eine private Spende.

Nach der Begrüßung durch BBW-Schulleiter Andreas Hannak stellten Janine Sauer-Dehn, Fachdienstleitung Erzbischöfliches Kinder- und Jugendheim St. Kilian, und Julia Mursa, Rechtsanwaltskanzlei Mursa, die vielschichtige Arbeit des Arbeitskreises Sexueller Missbrauch vor.

Angebot intensiv genutzt

Anschließend hörten die rund 60 Teilnehmenden in der Aula des BBW einen detailreichen Vortrag von Urban Spöttle-Krust. Der Diplom-Pädagoge arbeitet unter anderem für den Rems-Murr-Kreis in der Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt in Waiblingen und hat viele Erfahrungen in der Täterarbeit gesammelt. Deren Sinnhaftigkeit werde seit einigen Jahren „kaum noch in Frage gestellt“, und das Beratungsangebot werde intensiv genutzt. Insgesamt landen bei Spöttle-Krust pro Jahr rund 50 bis 60 Beratungsfälle.

Wie der Beratungs- und Therapieprozess abläuft, verdeutlichte der Experte mit einem Phasenmodell. Auf den ersten Kontakt mit jugendlichen Misshandlern folgen Gespräche über Normen und Regeln, die eigene Wahrnehmung und Rückfallvorbeugung. Gute Vernetzungsmöglichkeiten außerhalb des offiziellen Teils rundeten den Workshop ab. „Prävention gegen sexuellen Missbrauch verlangt, dass sich Fachleute vor Ort gegenseitig informieren“, erklärte Elke Hoheisel. „Diesen Austausch haben wir mit unserem Workshop wieder ein Stück vorangebracht.“