Mosbach

Deutscher Gewerkschaftsbund in Mosbach Politiker und Gewerkschafter kommentierten beim „Empfang zum Tag der Arbeit“ aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft

„Unser Land hat sich verändert“

Archivartikel

Beim „Empfang zum Tag der Arbeit“ durch den Deutschen Gewerkschaftsbund gingen die anwesenden Politiker und Gewerkschafter auf die heutigen Werte in der Gesellschaft ein.

Mosbach. Robin Friedl, DGB-Kreisvorsitzender Neckar Odenwald, begrüßte eine zahlreich erschienene Gästeschar am Montagabend vor dem ersten Mai im Mosbacher Rathaus zum sogenannten „DGB-Empfang zum Tag der Arbeit“. Er zeigte sich erfreut, dass so viele Bürger der Einladung zum Empfang gefolgt waren. Das Motto lautete in diesem Jahr „Solidarität, Gerechtigkeit und Vielfalt“. „Das möchten wir wieder ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken“, führte Friedl weiter aus. Den Fokus darauf zu richten sei nicht nur richtig, sondern „allgemeingültig“, so Oberbürgermeisterstellvertreter Georg Nelius in seinem Grußwort. Das gelte auch über die Arbeitswelt hinaus und müsse von klein auf vorgelebt werden. „Wir müssen die Humanität neu entdecken und an die nächste Generation weitergeben“, schloss Nelius den allgemeinen Teil seiner Rede, bevor er noch die Vorzüge Mosbachs ins rechte Licht rückte. Das Bündnis „Herz statt Hetze“, vertreten durch Markus Dosch, habe man eingeladen, um es zu unterstützen. Denn es gebe „einen großen Deckungsbereich mit den Wertvorstellungen der Gewerkschaften“.

Dosch wies daraufhin, dass „unsere Gesellschaft nicht durch Spaltung, sondern nur durch Solidarität vorangebracht werden könne“. Er stellte die Frage in den Raum, wie „unsere Kultur, unser Alltag, aber auch unsere Unternehmen ohne die Vielfalt der Kulturen aussehen würden“, und plädierte für eine Welt, in der die Menschen nicht abgehängt würden, sondern teilhätten am Reichtum. Hauptredner Michael Seis, stellvertretender Bevollmächtigter der IG Metall Heidelberg, stellte fest, „dass sich unser Land verändert hat“. In bestimmten Kreisen seien die Ellbogen zum wichtigsten Instrument des eigenen Fortkommens geworden. Die Aufgabe der Politik, für sozialen Ausgleich und Gerechtigkeit zu sorgen, werde teilweise geleugnet. Das Thema „Sozialpolitik“ gehört für Seis zu den Kernelementen deutscher Politik und hat für ihn zunächst nichts mit Geldverdienen zu tun. Es bedeute Teilhabe an der Gesellschaft. Seis will „Arbeitsplätze, von denen man leben kann“. Deshalb fordert er den gesetzlichen Mindestlohn wie „eine bezahlbare Gesundheitsvorsorge und eine Altersvorsorge, die einen nicht an den Rand der Armut bringt“. Ziel müsse es ein, Tatsachen nicht mehr schön zu färben, sondern sie beim Namen zu nennen. Denn die Gesellschaft, so Seis, würde nicht „von Rentabilität und Zinsfüßen zusammengehalten“, sondern von „Moral und Werten“. Unternehmer hätten deshalb auch eine gesellschaftliche Verpflichtung und es sei gut, dass es Gewerkschaften gebe, die für die paritätische Beitragszahlung in der Krankenversicherung gekämpft und diese auch durchgesetzt hätten. „Die Wiederbelebung des Solidargedankens muss endlich wieder in den Mittelpunkt der Politik gerückt werden“.

Bevor Robin Friedl noch lebhafte Diskussionen und Gespräche beim anschließenden Beisammensein wünschte, galt es Rudi Braun, dem langjährigen DGB-Kreisvorsitzender im Neckar-Odenwald-Kreis noch Danke zu sagen für sein jahrelanges Engagement.