Mosbach

Im Landratsamt in Mosbach Großes Interesse am Zukunftskongress „ÖPNV im Neckar-Odenwald-Kreis“ / Verkehrsminister Hermann umriss landespolitische Grundzüge

Zentrales Handlungsfeld für den Kreis

Archivartikel

Vor voll besetzten Stuhlreihen startete der Zukunftskongress „ÖPNV im Neckar-Odenwald-Kreis“ am Samstag im Landratsamt Mosbach.

Mosbach. Das große Interesse der Öffentlichkeit, die auf Einladung von Landrat Dr. Achim Brötel erschienen war und auf vorheriger Anregung der SPD-Kreistagsfraktion zu dieser Veranstaltung beruhte, lag wohl nicht zuletzt am auftaktgebenden Impulsvortrag von Landesverkehrsminister Winfried Hermann, der sich im Anschluss auch den Fragen der Zuhörer stellte.

Brötel freute sich eingangs über „den großen Bahnhof heute“ und begrüßte zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft – insbesondere Verkehrsunternehmen, Interessenverbänden sowie die Referenten.

„Mobilität ist, neben Bildung und Gesundheit eines der zentralen Handlungsfelder für die Zukunftsfähigkeit des Neckar-Odenwald-Kreises. Mit dem heutigen Kongress wollen wir ein Forum zum Dialog bieten, um diese Zukunft möglich zu machen – mit ÖPNV als einem wichtigen Baustein“.

Allerdings stünden im ländlichen Raum bei der Mobilität „natürlich die Straßen an allererster Stelle. Alleine deshalb, weil nur in Teilen des Kreisgebiets überhaupt eine Schienenanbindung besteht“.

In Sachen Busverkehr gebe man momentan aber richtig Gas. Aufgrund der dritten Fortschreibung des Nahverkehrsplans durch den Kreistag erfolgte die europaweite Neuausschreibung der Linienbündel Mosbach und Buchen, mit einem Umfang von mehr als vier Millionen Fahrplankilometern.

Ab Beginn im Januar 2019 würden 762 000 Kilometer zusätzlich bedient, bei Kosten für den Neckar-Odenwald-Kreis von dann 1,5 Millionen Euro jährlich (plus 50 Prozent).

Zusätzlich, und durch das Land gefördert, entstünden als Gemeinschaftsprojekte die neuen Regiobuslinien Mosbach - Sinsheim und Buchen - Tauberbischofsheim.

Bei der Schiene verwies Brötel auf das Positionspapier des Kreistags vom 4. Dezember 2017. Hier seien im Dialog mit dem Verkehrsministerium bereits erste Verbesserungen erreicht worden, die sich mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 fortsetzten. Doch neben diversen Schnittstellenproblemen, und den erforderlichen Mitfinanzierungen zusätzlicher Verbindungen, sei der Neckar-Odenwald-Kreis „vom Stundentakt des Landesstandards immer noch deutlich entfernt“.

Probebetrieb im Stundentakt

Positiv sei der dreijährige Probebetrieb im Stundentakt auf dem Frankenbahn-Teilstück zwischen Osterburken und Lauda, verbunden mit der Wiederbelebung der Bahnhöfe Rosenberg, Eubigheim, Wölchingen und Königshofen. Weitere Schritte, insbesondere bei der Infrastruktur, stünden noch aus. Brötel bekräftige zudem den Wunsch nach Einführung eines Halbstundentakts zwischen Mosbach und Osterburken durch Fortführung der S2, mit positiven Auswirkungen auch auf das „Sorgenkind“ Madonnenlandbahn Seckach - Miltenberg.

Bedauerlich sei, dass das Land hierfür eine komplett kommunale Finanzierung fordere. Mit Dank an die Organisation durch den Fachdienst ÖPNV leitete der Landrat über zu Verkehrsminister Hermann.

Dieser lobte die Veranstaltung, und verwies auf die im Hof vorgestellten Exponate moderner Busse, welche „die neue Zeit zeigen“. Hermann stellte unter dem Titel „Nachhaltige Mobilitätspolitik für Bahnen und Busse – auch für den ländlichen Raum“ die grundsätzlichen Vorstellungen und Prinzipien der landesweiten Verkehrspolitik in einem groben Überblick vor.

Angestrebt werde eine nachhaltige „ÖPNV-Offensive auch in der Fläche – ganztägig und für alle Nutzer“. Neueste Technik und vollständige Vernetzung sollen zu einer klimaneutralen Mobilität bis etwa 2050 führen.

Gute Erschließung solle verhindern, dass „man als Junger nicht das Gefühl hat, abgehängt zu sein“. Ziel sei ein landesweiter Stundentakt von 5 bis 24 Uhr über die Bausteine Nahverkehrszug, Regiobus, ÖPNV Straße und flexible Angebote bis 2025.

Ziel insbesondere im ländlichen Raum sei ein garantiertes Grundangebot: „Überall ein Zug pro Stunde“. Bis 2030 solle das Verkehrsangebot um rund 20 Prozent ausgeweitet werden, mit besserem Takt und neuen Fahrzeugen. „Auch bei der Franken- und Tauberbahn“.

Maßgabe für den Probebetrieb Osterburken - Lauda sei die Fahrgast-Auswertung, welche über 500 Fahrgäste im täglichen Linienschnitt erreichen müsse. „Wenn wir mehr machen sollen als den Standard, soll sich die kommunale Seite beteiligen“, so Hermann.

Neben Regiobussen würden auch flexible Angebote ausgebaut und stärker gefördert. Im Neckar-Odenwald-Kreis gebe es momentan fünf ehrenamtlich betriebene Fahrdienste, ab 2019 seien drei weitere geplant, ebenso zwei Vereine für Bürgerbusse. Solche Initiativen gelte es zu unterstützen. „Nur, wenn etwas von den Kommunen kommt, können wir auch etwas dazugeben“. Außerdem werde ab 9. Dezember bei Einzelfahrscheinen das Landesticket „von Anfang bis Ende, über alle Verbundgrenzen hinweg“, eingeführt. Die hierfür gegründete BW-Tarifgesellschaft solle „im Durchschnitt 25 Prozent geringere Ticketpreise“ erzielen.

Zudem würden die Mittel für ÖPNV aufgestockt, ab 2021 auf dann 250 Millionen Euro (hälftig Land/kommunale Seite). „Nur, wenn alle staatlichen Ebenen mitmachen, werden wir besser. Die kommunale Seite hat jetzt eine neue Verantwortung, die sie aktiv gestalten sollte“. Anschließend beantwortete Hermann zahlreiche Fragen der Zuhörer.