Mudau

Heimat- und Verkehrsverein Mudau Sabine Holmgeirsson referierte über das Insektensterben und mögliche Auswirkungen

75 Prozent weniger Insekten

Mudau.Der viel diskutierte, aber trotzdem noch immer vernachlässigte Rückgang von Klein- und Kleinstlebewesen war Gegenstand einer interessanten und teilweise auch bedrückenden Informationsveranstaltung des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau im Gasthaus „Goldene Olive“.

Vorsitzender Hans Slama begrüßte zu diesem Vortrag über das Insektensterben und dessen Auswirkungen neben der Referentin Sabine Holmgeirsson (Fachbeauftragte für Wildbienen und Pflanzenschutz des Nabu Baden-Württemberg und Mitglied im Bundesfachausschuss des Nabu für Ökotoxikologie) viele Interessenten aus der Region und darüber hinaus.

Das Publikum war besetzt mit Fachleuten aus den Bereichen Natur- und Vogelschutz, Landwirten, Hobbygärtnern und weiteren Interessierten. Eingangs zitierte Slama als profunder Kenner der hiesigen Naturverhältnisse Überschriften der vergangenen Tage aus der Presse, darunter die Feststellung, „dass eine Erde nicht genug ist“ und die schockierende Aussage des Naturparks Neckartal-Odenwald, „dass es schon kurz nach 12“ sei. Auch er vertrat diese Meinung und zitierte einige Weisheiten der Indianer, die schon vor 150 Jahren erkannten, dass der Europäer mit seiner Lebensweise die „Mutter Erde“ zugrunde richtet und seine eigene Lebensgrundlage nachhaltig schädigt.

„Ein Aussterben von bestimmten heimischen Pflanzen bewirkt auch ein Aussterben bestimmter Kleinlebewesen“, betonte Sabine Holmgeirsson. So sei beispielsweise ein Rückgang der Insektenbiomasse seit 1989 bis 2014 um 75 Prozent festgestellt worden. Von circa 580 Wildbienenarten in Deutschland stünden rund 50 Prozent auf der Roten Liste. Auch die Streuobstwiesen seien seit 1960 um 70 Prozent zurückgegangen und den Insekten fehlten dadurch geeignete Nistmöglichkeiten.

„Pflanzenschutzmittel, Glyphosat, Pestizide und eine intensivierte Landwirtschaft tun ihr übriges“, so die Referentin. Als Alternativen nannte sie einen strengeren Schutz für gefährdete Wildbienenarten, in Privatgärten und Kommunen, mehr heimische Pflanzenarten, Blühstreifen sowie ein Umdenken beim Kaufverhalten.

Engagierte Diskussion

Die sich an den informativen Vortrag anschließende Diskussion verlief teilweise konträr, aber fair und zeigte das große Interesse an dem Thema. Dabei ging es auch darum, dass die Kommunen und öffentlichen Einrichtungen wie Straßenbauamt mit geringem Aufwand bei der Pflege viel zur Behebung der Missstände beitragen könnten, ebenso der Einzelne durch die Anlage von naturnahen Gärten, mehr Blumenwiesen anstelle eintöniger Rasenflächen oder die Pflege von Streuobstwiesen.

Insbesondere überraschte der verhältnismäßig hohe Verbrauch der Spritzmittel im privaten Bereich. Ebenso angesprochen wurde die geschädigte Vogelwelt, deren Rückgang und Hilfen. Breiten Raum nahm die Landwirtschaft ein, wobei die Anwendung von Glyphosat besonders diskutiert und von den Landwirten dessen Anwendung erläutert wurde. Herausgestellt wurde dabei die Notwendigkeit der Verwendung bei der derzeit konventionell betriebenen Bodenbearbeitung, mit der die Landwirtschaft mit dem nachhaltigen Strukturwandel kämpft. Dafür war großes Verständnis vorhanden, wobei auch das Für und Wider der vielen Maisfelder mit ihren Auswirkungen auf die Vogel- und Insektenwelt heftig diskutiert wurde.

Am Ende wurden für das Insektensterben als Verantwortliche festgehalten: Private und Käufer, Supermärkte, öffentliche Betriebe, die Industrie, Landwirtschaft und die Politik.

Selbstkritisch wurde angemerkt, dass auch NABU und BUND ihre Aufgabe nicht wie notwendig umgesetzt hätten. L.M.