Mudau

Erinnerung an Wilhelm Stelz Ehemaliger Hauptlehrer von Donebach bewirkte viel für den heutigen Mudauer Ortsteil

Aus Dumbach wurde 1926 das „alte“ Donebach

Donebach.Der heutigen Generation weitgehend unbekannt, dennoch ein unglaublich wichtiger und kreativer Mensch, der vor knapp 100 Jahren das Odenwalddorf Dumbach (heute) Donebach maßgeblich geprägt und verändert hat, war Wilhelm Stelz.

Schon immer waren in der Vergangenheit Lehrer, Pfarrer und Bürgermeister die wesentlichen Gestalter des dörflichen Lebens in den Odenwaldgemeinden. Wilhelm Stelz war so eine Persönlichkeit. Er war in schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik Hauptlehrer an der Donebacher Volksschule, und zwar von 1923 bis 1933. Zusammen mit Unterlehrer Maier unterrichtete er die Kinder. Er kam von seiner ersten Lehrerstelle in Hochhausen bei Tauberbischofsheim nach Dumbach.

Stelz war ein sehr kreativer Mensch. So entwarf er den Plan zur Gestaltung des Dorfbrunnens als Ortsmittelpunkt und dessen Umfeld, das sich unmittelbar an das Rathaus in östlicher Richtung anschließt.

Ein großer Buntsandsteinfindling als markanter Hauptstein, mittig spitz zulaufend, ähnlich einem Dreieck, bildete mit dem Wasserauslauf (Rohr) den Mittelpunkt der Brunnenanlage. Zur Umgrenzung des engeren Brunnenbereichs wurden ebenfalls kleinere Bundsandsteine in abgerundeter Dreiecksform verwendet. Umgrenzt war der Brunnenbereich mit kleineren Buntsandsteinen. Zur Vervollständigung des Gesamtensembles wurden noch eine Blutbuche sowie Birken eingepflanzt.

Vor der Umgestaltung befand sich an dieser Stelle ein Trog, der als Viehtränke diente. Der Brunnen ist in seiner damaligen Form noch gut erhalten, lediglich auf einer Seite des Brunnenareals fehlen die Begrenzungssteine. Die Blutbuche zeigt inzwischen eine in imposante Größe.

Die damals gewählte Dreiecksform der Buntsandsteine diente dann später im Jahre 1954 als Vorlage für die Gestaltung des Kriegerdenkmales in unmittelbarer Nähe.

Im Jahr 2000 wurde im Rahmen der Einweihung der Ortsdurchfahrt der bewährte Stil gebrochen, indem ein querliegender Stein angebracht wurde. Auch die damals angebrachten Umgrenzungssteine wurden nicht mehr eingebaut.

Das große Verdienst von Wilhelm Stelz war sein zielstrebiges Wirken zur Umbenennung von Dumbach zu Donebach. Dieses Ziel wurde zum Jahreswechsel 1925/1926 Wirklichkeit.

Nach den Aussagen seiner Kinder wollte Stelz nicht, dass seine Kinder in Dumbach geboren werden. Sein drittes Kind Rudi erblickte am 23. Dezember 1925 das Licht der Welt, wenige Tage vor der offiziellen Umbenennung. Das Ehepaar Stelz hatte acht Kinder, von denen in Dumbach Rudi sowie Helmut und Herta in Donebach geboren wurden. Neben diesen eher privaten Gründen arbeitete Stelz intensiv daran, dass der ursprüngliche Name von Donebach wieder eingeführt werden sollte. Er ergriff die Initiative und forschte in der Namensgeschichte des Dorfes.

Wilhelm Stelz recherchierte, dass der Name Donebach bereits urkundlich im Jahre 1271 erwähnt wurde, aber im 16 Jahrhundert in Dumbach umgeändert worden war. Er bemühte den Heimatforscher Professor Dr. Eugen Fehrle, Hochschullehrer an der Universität Heidelberg.

Von diesem Wissenschaftler wurde Stelz unterstützt und in seinem Bestreben, den alten Namen wieder zu führen, bestärkt.

Auch Eugen Fehrle setzte sich ebenfalls für den alten Namen Donebach ein. Aufgrund seiner umfangreichen Nachforschungen konnte er die „Dumbacher“ Bürger überzeugen, dass es möglich ist, den alten Namen wieder führen zu können.

Durch seine Recherchen belegt, wäre auch sichergestellt, dass von der Seite des Staatsministeriums in Karlsruhe keine Einwände zu erwarten waren. Gleichermaßen überzeugte Stelz den Gemeinderat von Dumbach von seiner Vision. Dieser beschloss am 14. Juni 1925, den früheren Ortsnamen Donebach wieder anzunehmen. Der Bürgerausschuss stimmte am 20. Juni 1925 zu.

Beim Ministerium des Innern der Republik Baden in Karlsruhe wurde der Antrag gestellt, den alten Namen Donebach wieder zu führen. Das Staatsministerium in Karlsruhe beschließt am 6. August 1925, dass die Gemeinde Dumbach mit Wirkung vom 1. Januar 1926 wieder den Namen Donebach zu führen hat.

Hauptlehrer Stelz und die „Dumbacher“ hatten es geschafft. Zum Jahreswechsel 1925/26 wurde dann die Umtaufe mit einem großen Fest gefeiert. Auch bei diesen Feierlichkeiten brachte sich Wilhelm Stelz tatkräftig ein. Er hielt er eine rührende Ansprache, die im Original vorliegt.

Am Neujahrstag präsentierten die Kinder ein Theaterstück, das von Lehrer Stelz einstudiert worden war. Die Erwachsenen führten am Abend im Gasthaus „Zur Linde“ in Donebach das Theaterstück der „Meineidbauer“ von Anzengruber auf. Auch dieses Theaterstück wurde von den Lehrern Stelz und Maier einstudiert, ebenso die Chöre und Lieder, die die Gesamtfeierlichkeiten umrahmten.

Die Feierlichkeiten zur Umtaufe sind im Protokoll des Radfahrervereins Wodan umfänglich aufgeführt und damit der Nachwelt erhalten.

Im Jahre 1933 verließ Hauptlehrer Stelz die Volkschule Donebach nach zehnjähriger erfolgreicher Arbeit für Schule und Gemeinde. Sein Weg führte ihn nach Lützelsachsen, wo er bis zu seiner Pensionierung unterrichtete.

Am 14. April 1933 beschloss der Gemeinderat, Hauptlehrer Wilhelm Stelz zum Ehrenbürger der Gemeinde Donebach zu ernennen. Wilhelm Stelz, der am 25. September 1897 geboren wurde, verstarb am 5. Januar 1989.

Seine letzte Ruhestätte fand er in Lützelsachsen.